Umstrittenes Denkmal in Stuttgart König-Wilhelm-Statue steht vor der Oper

Die Bronzestatue König Wilhelma bewacht nun die Stuttgarter Oper. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski 2 Bilder
Die Bronzestatue König Wilhelma bewacht nun die Stuttgarter Oper. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die bronzene König-Wilhelm-Statue steht seit Mittwoch vor dem Stuttgarter Opernhaus. Dort soll das Werk des Künstlers Hermann-Christian Zimmerle für drei Monate bleiben.

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Stuttgart - Als König Wilhelm II. im Herbst vergangenen Jahres aus dem Garten des Wilhelmspalais wieder zurück vor die Front des Museumsgebäudes verfrachtet wurde, hatte der Monarch noch reichlich Widerstand geleistet. Der Abbau der über 600 Kilogramm schweren Bronzeskulptur gelang erst nach mehrere Versuchen. Der „Bürgerkönig“ hatte sich überraschend solide im Gartenboden seines einstigen Domizils verankert gezeigt.

Der Umzug hinüber vor das Opernhaus, der am Mittwochmorgen vonstattenging, verlief, laut Stadtpalais, hingegen völlig glatt. Ein wenig schien es fast so, als ob es ihn hinüberzog habe zu „seiner“ Oper. Und tatsächlich: Kaum stand er da mit Hut, Stock und seinen zwei Spitzen Ali und Rubi sorgte er auch schon für Aufsehen: Zwei älteren Stuttgart-Besucher aus Balingen gefiel der Platz vor dem Staatstheater, an dem er nun bis zum 1. Oktober stehen darf, ausnehmend gut. Ein erster Erfolg also. Abzuwarten bleibt freilich, ob die Skulptur am neuen temporären Standort am Eckensee auch den erhofften Diskurs um die Zukunft des Kunstwerks erneut anfachen kann.

Standort Königstraße war auch in der Debatte

Denn genau darauf setzt Torben Giese, der Direktor des Stadtpalais. Wo die Bronze „König Wilhelm II. und seine Spitze“, die der Künstler Hermann-Christian Zimmerle 1990 auf Betreiben einiger Stuttgarter anfertigte, künftig stehen soll, wird in der Stadt seit über einem Jahr mitunter hitzig debattiert. Giese betont am Mittwoch vor der Oper deshalb noch einmal, dass die Herstellung der Bronzeskulptur und der Standort vor dem heutigen Museum nie in einem direkten Zusammenhang stand. Zeitweise, so der Museumsleiter, sei Anfang der 90er-Jahre auch ein Platz auf der Königstraße zur Debatte gestanden.

Warum also nun vor dem Staatstheater? Weil, so argumentiert der Museumsleiter, das Theater vor allem das Werk des Königs gewesen sei. „Wilhelm II. spielte politisch nur eine geringe Rolle, aber war ein Freund der Künste, insbesondere des Theaters, der Musik und der Oper“, sagte Giese. Es sind Sätze, die die Freunde der bekanntlich durchaus umstrittenen Plastik mit einer gewissen Genugtuung vernehmen dürften: Manchmal klang es am Mittwoch fast schon ein wenig so, als ob der Museumsdirektor, da Wilhelm nun vor der Kulisse des Opernhauses steht, selbst die Bürgerlichkeit des letzten württembergischen Monarchen hervorheben wollte.

Beispiel für „dynamisches Geschichtsverständnis“

In jedem Fall sei der König und sein Standbild, wie der Leiter des städtischen Kulturamts, Marc Gegenfurtner betont, ein gutes Beispiel für ein „dynamisches Geschichtsverständnisses“ sowie eine „bewegte Erinnerungskultur“. Was heißen soll: Was der letzte Monarch Württembergs den Stuttgartern in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft noch zu sagen hat, ist einem stetigen Veränderungsprozess unterworfen. Und den Denkmälern, die mit jedem neuen Standorte ihre Bedeutung ändern, ergeht es nicht anders. „Wenn nun mit diesem Denkmalsinterim an ein Stück Stuttgarter Kulturgeschichte erinnert wird, so sei dies nur angemessen“, betonte Gegenfurtner.

Bedeutung König Wilhelms fürs Staatstheater

Welche Bedeutung Wilhelm II. auch heute noch explizit für das Staatstheater hat, darauf machte der Intendant der Staatsoper Stuttgart, Victor Schoner, aufmerksam: „Das Opernhaus selbst ist ja eines der genialsten Theaterbauten, die man sich vorstellen kann“, sagte Schoner und erinnerte damit auch daran, dass es der König selbst gewesen sei, der sich für den Entwurf des Architekten Max Littmann entschieden hatte. Stuttgart habe deshalb Wilhelm II. mit der 1912 fertiggestellten Oper „einen weit über die Monarchie hinausweisenden, architektonisch ansprechenden und funktional noch immer gültigen Theaterkomplex zu verdanken“. Ins selbe Horn stieß Staatstheater-Intendant Marc-Oliver Hendriks, der die Wilhelmskulptur nun gar als „Wächter“ der bevorstehenden Opernsanierung verstanden wissen will. Er erkennt in dem jetzt gewählten Standort vor dem Opernhaus einen „wunderbaren historischen Zirkelschluss“.

Dass die Skulptur im Schlossgarten dauerhaft stehen bleibt, ist freilich vorerst ausgeschlossen. Mit der Eröffnung der Ausstellung „Wilhelm II. – König von Württemberg“, die ab 1. Oktober im Stadtpalais zu sehen sein wird, kehrt die Plastik zunächst wieder ins Museum für Stuttgart zurück. Wo sie anschließend ihren endgültigen Platz finden wird, soll dann das Ergebnis eines „gemeinsamen Diskurses“ sein.




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