Denkmalpflege Das Herz des Denkmalschutzes schlägt in Esslingen

Von  

Bei einem Tag der offenen Tür gibt es im Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen am 13. Oktober spätgotische Marienskulpturen zu bewundern.

Der Restaurator Jochen Ansel mit einer kostbaren Madonna. Foto: Ines Rudel
Der Restaurator Jochen Ansel mit einer kostbaren Madonna. Foto: Ines Rudel

Esslingen - Restauratoren arbeiten normalerweise im Stillen. In Kirchen beispielsweise sind sie mit der Instandsetzung und Konservierung von Altären oder Bildnissen beschäftigt. Auch die Experten im Landesamt für Denkmalpflege treten sonst nicht öffentlich in Erscheinung. Das ändert sich aber am Sonntag, 13. Oktober, den der Verband der Restauratoren zum Europäischen Tag der Restaurierung ausgerufen hat. Dann wird auch das in Esslingen ansässige Landesamt seine Pforten öffnen und einen Blick hinter die Kulissen gewähren.

Studenten erstellen ein Restaurierungskonzept

Bei drei Führungen wird der Restaurator Jochen Ansel in der Berliner Straße 12 die Arbeit des Fachgebiets Restaurierung in der Bau- und Kunstdenkmalpflege vorstellen. Dabei wird der Fachmann in den Ateliers das Wesen der Restaurierung anhand von konkreten Beispielen veranschaulichen. Mit zwei spätgotischen Madonnen aus Oberschwaben verwahrt das Landesamt derzeit zwei wahre Kunstschätze, die jeweils um das Jahr 1500 geschaffen worden sind. Bei der einen Holzskulptur handelt es sich um eine Figur aus der Erhart-Werkstatt. Die zweite Madonna ist ebenfalls in Ulm geschnitzt worden, in der Weckmann-Werkstatt.

Mit den beiden Werken sind derzeit Studenten des Instituts für Konservierungswissenschaften an der Stuttgarter Kunstakademie befasst. Zunächst werden die Madonnen wissenschaftlich erfasst. In einem zweiten Schritt soll dann ein Restaurierungs- und Konservierungskonzept erstellt werden. Mit rund einer dreiviertel Stunde pro Führung ist die Zeit knapp bemessen. „Ich versuche daher, einen generellen Überblick zu geben und lasse auch Raum für Fragen und Diskussion, wenn dies gewünscht wird“, sagt Jochen Ansel. Die Besucher erfahren etwa auch, dass Objekte möglichst vor Ort restauriert werden. „Wir tun uns generell schwer mit Transporten. Das ist für Objekte ein Stress“, erklärt der 58-Jährige. Dass die beiden Madonnen jetzt in Esslingen sind, ist also eine Ausnahme.

Am Tag der offenen Tür beteiligen sich auch Freiberufliche

Neben der Bau- und Kunstdenkmalpflege gibt es als zweiten Zug im Landesamt auch die archäologische Denkmalpflege, die am Tag der Restaurierung aber keine offenen Türen anbietet. In Jochen Ansels Referat gibt es Spezialisten für die Stein-, die Glas- und die Metallrestaurierung sowie für Gemälde und Skulpturen. Als übergeordnete Behörde legen deren Mitarbeiter aber meist nicht selbst Hand an. „Wir fünf Leute wären da heillos überfordert“, sagt Jochen Ansel. Diese Aufgabe übernehmen freiberufliche Restauratoren, von denen sich einige – neben Institutionen – ebenfalls am europaweiten Tag der Restaurierung beteiligen werden.