Der Fall Kim Wall Immer neue Widersprüche im Fall Madsen

Von André Anwar 

Die Anwältin des mordverdächtigen U-Boot-Bauers Peter Madsen dementiert Aussagen der Polizei zur Todesursache. Dass der 46-Jährige jetzt zugegeben hat, die Leiche zerstückelt zu haben, aber weiter über die Todesursache schweigt, könnte ein taktischer Schritt sein.

Der Verdächtige Peter Madsen sitzt weiter in Untersuchungshaft. Foto: AFP
Der Verdächtige Peter Madsen sitzt weiter in Untersuchungshaft. Foto: AFP

Kopenhagen - Der Fall um das Ableben der schwedischen Journalistin Kim Wall nimmt immer groteskere Züge an: Am Montag noch hatte die Kopenhagener Polizei mitgeteilt, Madsen habe angegeben, „dass Kim Wall infolge einer Kohlenmonoxidvergiftung im U-Boot starb, als er selbst an Deck des Bootes war“. Es habe einen Unterdruck und Abgase in der Luft gegeben. Er habe dann die Leiche zerteilt und in Stücken über Bord geworfen.

Nun hat sich die Anwältin des dänischen Erfinders und U-Boot-Bauers Madsen öffentlich zu Wort gemeldet und der Polizei vorgeworfen, die Aussage Madsens zum Tod der Journalistin Kim Wall im U-Boot falsch wiedergegeben zu haben. Madsen habe beim Verhör nicht gesagt, wie die Schwedin gestorben sei, sagte die Verteidigerin dem Fernsehsender TV 2. „Mein Klient weiß nicht, wie sie starb.“

Bislang hat Peter Madsen alle Aussagen zu dem Todesfall Kim Wall im Nachhinein revidiert

Es wäre inzwischen die dritte Version der Schilderung der Vorfälle an jenem Tag im August diesen Jahres des 46-jährigen Madsen, die im Nachhinein revidiert werden. Fraglich bleibt, wie sehr man seinen Aussagen überhaupt noch Glauben schenken darf: Nachdem die Schwedin Kim Wall bei einer U-Boot-Rundfahrt, die sie mit Madsen unternommen hat, um über ihn zu schreiben, spurlos verschwunden war, behauptete er anfänglich, sie an Land gesetzt zu haben. Als dann ihr Rumpf ohne Kopf und Beine mit Gewichten beschwert in der Kögebucht bei Kopenhagen gefunden wurde, sagte Madsen aus, Wall sei durch einen Unfall gestorben.

Die 70 Kilo schwere Luke des U-Bootes sei ihr auf den Schädel gefallen und habe ihn gebrochen, so Madsen. Er habe zuvor noch mit Wall darüber gescherzt, dass man so eine Luke nicht auf den Kopf bekommen möchte, behauptete er. Die Leiche habe er aber nicht zerstückelt, wohl aber „auf See bestattet“. Dann fand die Polizei dank Leichenspürhunden Kopf und Beine von Kim Wall. Am Schädel fanden sich keine Verletzungen, weshalb die Erklärung mit der Luke wohl nicht stimmen kann. Madsen hatte also mit Detailliebe gelogen.

Das Schweigen könnte ein taktischer Schritt sein

Dass der 46-Jährige jetzt zwar zugegeben hat, die Leiche zerstückelt zu haben, aber weiter über die Todesursache schweigt, könnte ein taktischer Schritt sein: Sollten die Beweise nur für eine Verurteilung für „fahrlässige Tötung“ und „Leichenschändung“ ausreichen, dürfte Madsen relativ schnell wieder ein freier Mann sein. In Dänemarks Rechtspraxis wird die fahrlässige Tötung mit Geldbußen bis zu nur eineinhalb Haftjahren geahndet. Für Mord gibt es von rund zwölf Jahren Haft bis „lebenslänglich“, je nach Schweregrad des Falles. Doch Rechtsmediziner Peter Knudsen, Vizestaatsobduzent von der Universität Süddänemark, sagte, es sei fast unmöglich zu klären, wie Kim Wall zu Tode gekommen ist. Dazu hätten die Leichenteile zu lange im Wasser gelegen. Seit 15 Tagen sucht die Polizei nun schon im Meer nach den Armen und Händen von Wall. Falls sie sich mit ihnen gewehrt hat, könnten diese Abwehr-Spuren tragen und als Beweise für eine Mordverurteilung dienen.

Die Leiche weißt Spuren sexueller Handlungen auf

Rätselhaft bleiben weitere Details, die die Polizei herausgefunden hat: So soll Madsen laut Polizei an Wall sexuelle Handlungen „unter besonders schwerwiegenden Umständen“ durchgeführt haben. An ihrem Torso im Brust- und Unterleibsbereich wurden zahlreiche Messerstiche gefunden. Alleine „14 Wunden in und um die Genitalien von Kim Wall“, so die Polizei. Die wurden ihr „während des Todeseintritts verpasst, oder kurz danach“, zitiert die Polizei den Obduktionsbericht.

Dänen haben sich an Halloween als Peter Madsen verkleidet

Anfänglich noch von Angehörigen und Bekannten öffentlich in Schutz genommen, gilt Madsen dem Volke inzwischen als eindeutig schuldig des Mordes. Zu Halloween hatten sich einige Bürger, darunter auch ein schwedischer Politiker, ein makaberes Kostüm ausgewählt – und sich als Peter Madsen verkleidet. Viele Dänen fragen sich, warum er nicht gesteht.

Auch der renommierte schwedische Kriminologe Leif Persson geht von der Ermordung Kim Walls aus. Madsen rechne sich aber anscheinend noch immer Vorteile aus. „Geständnisse in solchen Fällen geschehen immer scheibchenweise. Die werden der Beweislage angepasst“, so Persson.