Der Kader des DEL-Clubs Steelers Bietigheim setzen auf Routine

Norman Hauner (re./gegen Philippe Cornet von den Kassel Huskies) war in den DEL-2-Play-off der wertvollste Spieler – er stürmt auch in der DEL für die Steelers. Foto: Baumann

Die Bietigheim Steelers haben ihren Kader für die erste Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nahezu komplett – darunter ist kein Star, aber ganz viel Erfahrung.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Bietigheim-Bissingen - So etwas Ähnliches wie den Topf mit dem süßen Brei aus Grimms Märchen könnte Volker Schoch gut gebrauchen. Einen Topf aber, der auf Befehl nicht leckeren Hirsebrei in Unmengen ausspuckt, sondern bunte Euroscheine vom 50er an aufwärts. „Unser Topf ist nur einmal gefüllt“, sagt der Geschäftsführer der Steelers aus Bietigheim. Im Topf des Aufsteigers in die Deutsche Eishockey Liga (DEL) liegen insgesamt 3,3 Millionen Euro, so hoch ist der Etat des Zweitligameisters für die Premierensaison in der Beletage des deutschen Eishockeys.

 

Mittlerweile hat der Inhalt abgenommen, denn Schoch hat mit Trainer Daniel Naud und Co-Trainer Fabian Dahlem fleißig am Kader gebastelt. Sie haben Kandidaten diskutiert und Informationen über die potenziellen Neuzugänge eingeholt und – wenn bis dahin alle Daumen nach oben zeigten – mit den Spielern verhandelt. Wenn bei den Steelers am Sonntag das Eistraining beginnt, stehen 24 Profis im Kader. Mit viel Erfahrung soll der Abstieg verhindert werden.

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Im Team ist kein ausgemachter Überflieger, jedenfalls nach der Sichtweise von Schoch, der betont: „Der Star ist die Mannschaft. Da ist keiner besser als der andere.“ Den über Bietigheim hinaus wohl bekanntesten Namen im Kader trägt Constantin Braun, der fünfmalige deutsche Meister mit den Eisbären Berlin hat 658 DEL-Partien in den Knochen und 98 Länderspiele absolviert. Vergangene Saison war der 33-Jährige von Berlin an die Krefeld Pinguine ausgeliehen. Der WM-Vierte von 2010 soll ein Führungsspieler sein, einer, der vorangeht. „Constantin kann uns sowohl im Powerplay als auch in Unterzahl weiterbringen“, sagt Trainer Naud, „er bringt viel Erfahrung mit.“

Auch Daniel Weiß hat viel Erstligaroutine im Gepäck. Der Schwarzwälder spielte zuletzt für die Schwenninger Wild Wings und bringt 651 DEL-Spiele auf die Waage, mit Berlin war der 31-Jährige zuvor viermal deutscher Meister. Auch Weiß soll eine Stütze der Mannschaft werden wie vor allem der neue Torhüter Sami Aittokallio. Der Finne hat in Nordamerika zwei NHL- sowie 79 AHL-Spiele bestritten, er fuhr in der tschechischen Liga aufs Eis, die vergangenen zwei Jahre stand er bei Porin Ässät in der finnischen Liga im Tor. „Wir haben einen erfahrenen Goalie im besten Alter verpflichtet, der in unterschiedlichen Ligen auf hohem Level gespielt hat“, betont Co-Trainer Dahlem. Zu den drei erfahrenen Neuzugängen gesellen sich die 19-Jährigen Jimmy Martinovic und Maximilian Menner, die behutsam an die raue DEL-Atmosphäre herangeführt werden sollen.

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Der Rest des Kaders wurde aus der Meistertruppe rekrutiert, 19 Spieler feierten im Mai den Aufstieg und dürfen nun diesen Erfolg in der DEL auskosten. Auch hier haben Schoch und Naud auf ein ordentliches Maß an Erfahrung gesetzt. Brett Breitkreuz, Alex Preibisch und Norman Hauner kommen gemeinsam auf 669 DEL-Einsätze. Neben dem Kanadier Breitkreuz erhielten auch die Importspieler C. J. Stretch (USA), Topscorer Riley Sheen, Evan Jasper und Dauerbrenner Matt McKnight (alle Kanada) einen neuen Vertrag in Bietigheim. „Wir haben bei allen finanziell ein wenig draufgesattelt“, räumt Manager Schoch ein, „aber keiner hat mit seinen Forderungen überzogen – jeder will ja schließlich DEL spielen.“

In der deutschen Topliga wird schneller gelaufen und präziser abgespielt als in der DEL 2, der Zug geht noch mehr zum Tor, zudem werden die Profis körperlich härter gefordert, weil die Checks aggressiver sind – da ist es hilfreich, wenn sich ein Großteil der Spieler kennt und die Mannschaft wenig Zeit benötigt, um sich einzuspielen und das taktische System des Trainers zu verinnerlichen. „Wir wollen ein Team, in dem jeder für den anderen kämpft, sich in die Schüsse wirft, in dem jeder alles gibt“, sagt Schoch.

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Noch kann der Geschäftsführer im Geldtopf den Boden nicht sehen, für drei oder vier Neuzugänge könnte es reichen. Idealerweise wünscht sich Schoch zwei Verteidiger und zwei Stürmer, deshalb sondieren die Steelers weiter den Markt – es kommt ganz darauf an, was die Kandidaten verlangen und was das Budget hergibt. Eines wird der Manager keinesfalls tun: Geld ausgeben, das sich nicht im Topf befindet. „Wir werden uns nicht verschulden“, betont Volker Schoch, „unser Ziel lautet Nichtabstieg – aber nicht um jeden Preis.“ Bis zum 10. September, wenn die Steelers den ERC Ingolstadt zum DEL-Start empfangen, sind ja noch ein paar Tage Zeit.

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