Der StZ-Hochschulatlas So studiert man in Baden-Württemberg

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In Baden-Württemberg ist das Studienangebot breit und bunt – die Qualität stimmt noch dazu. Rund 100 Einrichtungen mit 350 000 Studierenden gibt es, darunter sogar drei Eliteuniversitäten.

Für die Erstsemester-Studenten wird in Stuttgart eine Einführungsveranstaltung angeboten. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Für die Erstsemester-Studenten wird in Stuttgart eine Einführungsveranstaltung angeboten. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Die Karte macht es auf Anhieb deutlich: Für Studierende bietet Baden-Württemberg eine bunte Auswahl. Nimmt man die 25 staatlich anerkannten privaten und kirchlichen Hochschulen und alle Außenstellen hinzu, gibt es etwa 100 Einrichtungen im Land. Rund 350 000 Studierende studieren dort. Das breite Studienangebot reicht von theoretisch bis praxisorientiert, von Popmusik bis Photovoltaik.

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Es ist ein fachlich gutes Angebot obendrein: In den vergangenen Jahren wurden im Rahmen der Exzellenzinitiative herausragende Doktorandenschulen und Forschungsverbünde mit Millionenbeträgen gefördert. Jede fünfte Zusage ging nach Baden-Württemberg. Außerdem stehen hier drei von elf Eliteuniversitäten: Heidelberg, Konstanz und Tübingen. Und nicht zuletzt gibt es rund 50 außeruniversitäre Forschungsinstitute, viele von Rang und Namen. Sie sind für Studienanfänger noch nicht interessant, aber vielleicht einige Jahre später, wenn es nach dem Studium um eine Doktorarbeit und Arbeitsstelle in der Forschung geht.

Bevor man sich die Hochschullandschaft genauer anschaut, muss man einen Begriff erläutern: „Hochschule“ ist ein Oberbegriff; damit werden alle Einrichtungen auf der Karte bezeichnet. Das ist zunächst verwirrend, weil es den Unterschied zwischen Universitäten und Fachhochschulen zu verwischen scheint. Universitäten sind ebenso Hochschulen wie die Fachhochschulen, die heute „Hochschulen für angewandte Wissenschaft“ genannt und manchmal mit HAW abgekürzt werden.

 

 

Die Anforderungen haben deutlich zugenommen

Dass es zwischen den Hochschultypen Unterschiede gibt, merkt man schon an der Vorlesungszeit. An den Universitäten beginnen die Veranstaltungen am Montag, an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften läuft das Sommersemester bereits – und die Dualen Hochschulen haben gar keine Semesterferien. Dort wechseln sich alle drei Monate Theorie- und Praxisphasen ab. Die Studierenden haben einen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen oder einer sozialen Einrichtung und nehmen sich Urlaub.

Eine Besonderheit in Baden-Württemberg sind die Pädagogischen Hochschulen, an denen man für den Beruf des Lehrers studieren kann – etwa für Grundschulen, Haupt- und Realschulen. Auch Sonderpädagogik wird dort gelehrt. Von diesem Herbst an werden nach vielen anderen Studiengängen auch die Lehramtsstudiengänge auf Bachelor- und Master-Abschlüsse umgestellt. Dadurch sollen Studierende die Möglichkeit haben, es sich bis zum Bachelor-Abschluss offen zu halten, ob sie Lehrer werden wollen. Die Ausbildung zum Grundschullehrer dauert weiter vier Jahre, die Ausbildung für alle anderen Schularten fünf Jahre. Über das neue Lehramt und die Duale Hochschule werden wir in der vierwöchigen StZ-Serie „Hochschulatlas“ noch ausführlich informieren.

Das Staatsexamen gibt es noch in den Studiengängen Jura, Medizin, Pharmazie und Lebensmittelchemie. Ältere Semester erinnern sich – oft mit Wehmut – an die Abschlüsse Magister und Diplom. Vor allem an den Universitäten trauern einige Professoren diesen alten Studiengängen noch nach. Die Bachelor- und Master-Studiengänge werden vor allem als strukturierter bezeichnet: In Modulhandbüchern ist ausführlich beschrieben, was in den Veranstaltungen gelehrt wird, wie aufwendig sie sind und welche Leistung zum Bestehen verlangt wird. Früher hat der Dozent solche Punkte oft bloß in der ersten Sitzung seiner Veranstaltung bekannt gegeben. Die Zahl der Klausuren und mündlichen Prüfungen hat deutlich zugenommen.

 

Das Studium an einer Uni ist theorielastiger

Das neue System hat den Vorteil, dass man mit dem Bachelor oft nach sechs Semestern einen berufsqualifizierenden Abschluss in der Tasche hat. Allerdings verlässt nur jeder Vierte die Hochschule nach dem Bachelor-Abschluss. Auch an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften studieren die meisten weiter – vor allem mit dem Motiv, ihre Berufschancen zu verbessern. Einige von ihnen wechseln für den Master-Abschluss an die Uni.

An den Universitäten ist das Studium theorielastiger als an den HAWs. Man studiert dort auch mit mehr Kommilitonen: An den Unis in Stuttgart, Tübingen, Karlsruhe, Heidelberg und Freiburg sind jeweils mehr als 20 000 Studierende eingeschrieben. Das liegt zum einen daran, dass diese Hochschulen einfach mehr Studiengänge anbieten als andere, aber auch daran, dass einige dieser Studiengänge sehr groß sind – und die Vorlesungen der ersten Semester ebenso. Allerdings gibt es hier und da auch kleine Fächer. An der Uni Stuttgart ist der kleinste Studiengang die Geschichte der Naturwissenschaften und Technik mit rund 100 Studierenden.

Die Einführung der viersemestrigen Master-Studiengänge hat zu einer Spezialisierung geführt, sodass viele Angebote recht klein sind: An der Uni Tübingen studieren beispielsweise nur einige Dutzend Kandidaten Archäologie des Mittelalters, Humangeografie oder Medizininformatik. Nach ihrem Bachelor-Studium wussten sie vermutlich sehr genau, was sie interessiert.