Claes Oldenburg ist einer der letzten lebenden amerikanischen Pop Art-Künstler. Jetzt wird der Bildhauer neunzig, dessen riesigen Objekte die Welt ein bisschen fröhlicher machen. An manchen fährt man sogar direkt mit dem Auto vorbei.

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Stuttgart - Viele Autofahrer haben sich schon verdutzt die Augen gerieben, wenn sie durch Frankfurt gefahren sind. Denn an der Mainzer Landstraße, nicht gerade der schönsten Ecke der Bankenstadt, steht eine Krawatte – eine riesige, umgekehrte Krawatte mitsamt Hemdkragen. Grad so, als sei irgendwann einer der Mitarbeiter des Bankgebäudes der Kragen geplatzt, so dass er sich den Schlips kurzerhand vom Hals gerissen hat. Aber dort, wo Claes Oldenburg seine Skulpturen hinterlassen hat, sorgt er eigentlich immer für Irritationen. Denn der amerikanischen Bildhauer mag es gern groß, riesengroß. Zwölf Meter misst die Frankfurter Krawatte. In Kassel hat Oldenburg eine zwölf Meter große Spitzhacke ins Museumsufer gerammt und in Freiburg einen 125 Meter langen und elf Meter hohen Gartenschlauch im Escholz-Park ausgerollt. Das kleine Format ist seine Sache nicht.

Ganz so leicht kommt man also allein wegen ihrer schieren Größe nicht an der Kunst von Claes Oldenburg vorbei. Neben Andy Warhol und Roy Lichtenstein ist er aber auch einer der erfolgreichsten Vertreter der amerikanischen Pop Art - und von den dreien der populärste. Denn seine überdimensionalen Alltagsgegenstände, die vornehmlich im öffentlichen Raum stehen, kommen meist leicht und augenzwinkernd daher und erfreuen wegen des Spiels mit der Maßstäblichkeit auch ein kunstfernes Publikum.

Zunächst hat Oldenburg im Stil des abstrakten Expressionismus gemalt

An diesem Montag wird Oldenburg neunzig Jahre alt – und ist einer der letzten noch lebenden Vertreter der Pop Art. Er wurde 1929 in Stockholm geboren, der Vater war ein schwedischer Diplomaten, der mit der Familie nach New York zog, wo Oldenburg auch heute noch lebt. Oldenburg studierte Kunst in New Haven und Chicago und malte zunächst im Stil des abstrakten Expressionismus. Mitte der Sechzigerjahre begann er, Alltagsgegenstände nachzubilden, dabei aber extrem zu vergrößern. Er fertigte aus Gips riesige Hot Dogs, Hamburger oder Schuhe. Dann nähte er „Soft Sculptures“, Haushaltsgegenständen wie Lichtschalter oder Staubsauger.

1964 und 1968 war der Amerikaner auf der Biennale in Venedig vertreten, 1968 wurde er auch auf die Documenta in Kassel eingeladen, wo er 1982 endgültig zum Publikumsliebling avanvierte mit seiner riesigen Sitzhacke am Flussufer. Viele seiner Skulpturen entstanden gemeinsam mit seiner Frau, der Künstlerin Coosje van Bruggen, die inzwischen gestorben ist. Parallel zu den Skulpturen hat Oldenburg immer auch gezeichnet. Die erste große Ausstellung seiner Zeichnungen fand 1975 statt – in der Kunsthalle Tübingen.

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