Der VfB trifft auf Bukarest Die Europa League ist eine harte Nuss

So war das Aus  2011: Tamas Hajnal (links) und Zdravko Kuzmanovic. Fotos des VfB-Kaders sehen Sie in der folgenden Bilderstrecke. Foto: Baumann 30 Bilder
So war das Aus 2011: Tamas Hajnal (links) und Zdravko Kuzmanovic. Fotos des VfB-Kaders sehen Sie in der folgenden Bilderstrecke. Foto: Baumann

Der VfB startet gegen Steaua Bukarest in die Gruppenphase der Europa League. Nach dem Fehlstart in der Liga sind die Gefühle gemischt. Was bedeutet die Europa League im Vergleich zur Champions League für den VfB – Fluch oder Segen?

Sport: Thomas Haid (T.H.)

Stuttgart - Bruno Labbadia beginnt den Ausflug in die große Welt des Fußballs mit einem Exkurs in die kleine Welt der Nüsse. „Uns erwartet eine harte Nuss“, sagt der Trainer des VfB Stuttgart vor dem ersten Gruppenspiel in der Europa League am Donnerstag (19 Uhr) gegen Steaua Bukarest. Dass sich seine Mannschaft an dieser Nuss die Zähne ausbeißt, hofft Labbadia aber nicht. Dennoch stellt sich grundsätzlich die Frage: was bedeutet diese Nuss namens Europa League im Vergleich zur Champions League für den VfB – Fluch oder Segen?

Der Sport Die Europa League hat in dieser Saison durchaus Prominenz zu bieten. Darunter sind alleine 19 Teams, die in den vergangenen drei Jahren zumindest einmal in der Champions League waren – etwa der FC Liverpool, Inter Mailand, Olympique Marseille oder auch der VfB Stuttgart, der im März 2010 im Achtelfinale am FC Barcelona scheiterte. Von der Königsklasse mit ihren absoluten Hochkarätern ist die Mannschaft heute aber weit entfernt. Der Fehlstart in der Bundesliga wirkt nach – und abzuwarten bleibt, wie der knapp besetzte Kader die nationale und internationale Doppelbelastung verkraftet.

Die Prämien Obwohl die Europa League in diesem Jahr finanziell aufgewertet wurde, steht sie weiter klar im Schatten der Champions League, die ebenfalls zulegte – sogar in noch höherem Maße. Betragen die Prämien in der Königsklasse nun 910 Millionen Euro und damit gut 150 Millionen mehr als im Vorjahr, fließen im „kleinen“ Europapokal 208 Millionen Euro an die 48 Clubs. 1,3 Millionen beträgt das Startgeld pro Verein. In der aus 32 Teilnehmern bestehenden Champions League sind es 8,6 Millionen Euro. Für einen Sieg in der Gruppenphase der Europa League gibt es 200 000 Euro, für ein Unentschieden die Hälfte. In der Königsklasse wird für einen Erfolg in der Gruppe eine Million Euro ausgeschüttet, bei einem Remis sind es 500 000 Euro. Der Gewinner der Europa League kann insgesamt maximal zehn Millionen Euro kassieren – gegenüber rund 35 Millionen in der Königsklasse.

Das Fernsehgeld Dieser Topf ist in der Champions League mit 410 Millionen Euro gefüllt. Die drei deutschen Starter FC Bayern, Borussia Dortmund und Schalke 04 können da noch mal mit einer zweistelligen Millioneneinnahme rechnen – zumal der Betrag nach dem Ausscheiden von Borussia Mönchengladbach in den Qualifikationsspielen nur durch drei statt durch vier Mannschaften geteilt werden muss. Das Scheitern der Borussia wirkt sich dagegen nachteilig für die deutschen Vertreter in der Europa League aus, weil die TV-Einnahmen nun auch mit Mönchengladbach geteilt werden müssen. Insgesamt sind rund 14 Millionen Euro in diesem Pool. Daran partizipieren in Gladbach, Leverkusen, Hannover und dem VfB vier Clubs. „Die Champions League wirft einen Riesenschatten auf die Europa League“, sagt der Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge deshalb. Verschärft wird die Problematik noch dadurch, dass der übertragende Sender Kabel 1 nur noch eine Partie pro Spieltag zeigt. So sind zumindest die ersten drei Begegnungen des VfB nicht im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen, sondern nur bei der Pay-TV-Anstalt Sky. Diese Konstellation führt für den Leverkusener Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser auch dazu, dass keine so hohen Sponsorenerträge wie in der vergangenen Runde mehr erzielt werden können. Aber jammern will Holzhäuser deshalb nicht. „Wenn man wie in der Champions League verdienen will, muss man sich eben auch für die Champions League qualifizieren“, sagt er.

Die Zuschauer In der Saison 2011/12 bestritt Hannover sechs Heimspiele in der Europa League, die von durchschnittlich 21 642 Fans besucht wurden. Das entsprach fast genau dem Schnitt aller 204 Spiele (21 704). Heute gegen Bukarest erwartet der VfB noch weniger Zulauf, da erst 13 000 Karten verkauft sind. Ob die Nachfrage in den Gruppenspielen gegen Molde und Kopenhagen steigt, ist ungewiss. Die Champions League boomt dagegen. So kam der FC Bayern zuletzt auf einen Zuschauerschnitt von 66 000. Insgesamt besuchten die 124 Begegnungen durchschnittlich 41 930 Fans. „Was sollen wir machen?“, rätselt der VfB-Manager Fredi Bobic, „wir können die Leute ja nicht mit der Sänfte ins Stadion tragen.“ An dieser Nuss würde er sich in der Tat die Zähne ausbeißen.

VfB
Ulreich – Sakai, Tasci (Niedermeier), Maza, Boka – Kvist, Gentner – Harnik, Hajnal, Okazaki – Ibisevic. Bukarest
Tatarusanu - Georgievski, Szukala, Chiriches, Pîrvulescu - Bourceanu, Gardos, Filip - Popa, Rusescu, Chipciu. Schiedsrichter
Gumienny (Belgien).




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