InterviewDer VfB und die Politik Kurz vor Schluss

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Die Politiker haben kapiert, dass der VfB wirklich absteigen könnte. Nun gibt es einen Landtags-Fanclub. Ein Doppelinterview mit zwei Staatssekretären aus der Landesregierung: Jürgen Walter (Grüne) und Peter Hofelich (SPD).

Die Fans stehen im Abstiegskampf hinter dem VfB - jetzt auch der Landtags-Fanclub. Foto: dpa
Die Fans stehen im Abstiegskampf hinter dem VfB - jetzt auch der Landtags-Fanclub. Foto: dpa

Stuttgart - Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt: die Lage ist ernst! Wir könnten wirklich absteigen und künftig gegen Sandhausen oder Heidenheim kicken müssen. Um das zu verhindern, müssen wir endlich handeln: Lasst uns am Samstag um 15.30 Uhr in unsere Vorgärten treten und solidarisch mit den Jungs auf Schalke Gras fressen, den Platz umpflügen und bis zum letzten Schweißtropfen kämpfen. Dann schaffen wir das. Jawohl! wir schaffen das und bleiben erstklassig in unserem Rasenspiel. Kapiert? Gut!

Mit diesem Appell folgen wir übrigens den 22 Politikern, die in dieser Woche bereits vorbildlich gehandelt und den VfB-Landtags-Fanclub ins Leben gerufen haben. Gründungsmitglieder sind unter anderem die Staatssekretäre Jürgen Walter (Grüne, Wissenschaftsministerium) und Peter Hofelich (SPD, Finanzministerium). Beide eint, neben allem Zwist in der Koalition, eine jahrzehntelange Liebe zum VfB, weswegen ich ihnen diese Kolumne für ein (echt geführtes!) Doppelinterview zur Verfügung gestellt habe.

Alsdann: Die Herren, was tut der neue Fanclub, um dem VfB am Samstag die Punkte auf Schalke zu sichern?
Hofelich: Eigentlich hilft jetzt nur Gerd Schröder, der mit Gazprom reden müsste. Aber der Kerl fällt wegen dem Abstiegskonkurrenten Hannover 96 für diesen Deal aus. Die Wahrheit liegt also ausschließlich auf dem Platz . . .
Walter: Wir halten die Spieler aber auch von negativen Artikeln in der Stuttgarter Zeitung fern, die auf der linken Seite schon viel länger als der VfB Probleme hat.
Oh, der Herr beliebt zu kontern. Dann verraten Sie uns doch bitte, warum der VfB-Landtags-Fanclub 13 schwarz-gelbe, aber nur neun grün-rote Mitglieder hat.
Walter: Das ist nur eine Momentaufnahme. Zudem sind Mehrheiten egal, solange alle das gleiche Ziel haben.
Hofelich: Das ist in der Tat nur das Pau­senresultat. Unser Fraktionschef Claus Schmiedel wird sicher eine seiner gefürchteten Kabinenansprachen halten. Und dann sieht die Welt kurz vor dem letzten Spieltag anders aus. Rot-Grün dominiert, und insbesondere die SPD belohnt sich endlich für ihre guten Leistungen. Außerdem brauchen wir beim nächsten Heimspiel einen Sternmarsch zum Stadion oder eine Menschenkette außen rum. Eine Säule von Geislingen, angeführt von Karl Allgöwer und Jürgen Klinsmann, eine Säule aus Reutlingen, angeführt von Guido Buchwald, eine Säule aus Winterbach, angeführt von Giovane Elber, und eine Säule aus Deizisau, angeführt von Buffy Ettmayer (natürlich im Stretchcar). Vor dem Spiel große Kundgebung mit den Fanta 4 und Erwin Staudt. OB Kuhn schickt ein Grußwort aus München. Und unser Wolle schaut von oben herab und trägt ein paar Riffs auf seiner Gitarre bei.
Wo werden Sie den Klassenverbleib feiern?
Hofelich: In Ottos Vesperstüble in Cannstatt, wo ja der authentische VfB-Freundeskreis meist tagt (der aus dem StZ-Sportteil). Da sind wir dann als Volkspartei auch beim Volk.
Walter: Das ganze Schwabenland wird am letzten Spieltag eine einzige Fan- und Partymeile sein. Trauerfeiern sind anderswo. Deshalb wird der Stuttgarter Tross nach dem letzten Spiel schnell Paderborn verlassen. So, und nun sorgen Sie bitte dafür, dass nach dem Bahnhof nicht auch noch der VfB tiefergelegt wird. Und wenn Sie Ärger machen, schicke ich Ihnen Krassimir Balakov!
Anm. des Autors: Keine Ahnung, was der Walter mit seinem Schlusswort sagen will.
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