Der VfB vor der Mitgliederversammlung Die Ultras fühlen sich berufen, Fragen zu stellen

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„Es gehört zur DNA von Ultras, sich in großen europäischen Städten und Stadien zeigen zu wollen und nicht in Dörfern“, sagt Daniel, der so dem Vorwurf entgegentritt, Hardcore-Fans strebten nicht nach Höherem und seien bei der Ausgliederung Totalverweigerer. „Für uns war der Abstieg eine Katastrophe“, ergänzt Markus.

Die Verantwortlichen vom Commando Cannstatt sehen es aber als ihre Aufgabe an, Fragen zu stellen. Jene zum Beispiel, ob eine AG die einzig denkbare Rechtsform ist, um neue Geldquellen zu erschließen. Nicht verhandelbar ist für sie dagegen, „dass der VfB allen Mitgliedern gehören sollte – und zwar inklusive der Fußballabteilung“, wie es im offenen Brief heißt. Was zum Thema Mitbestimmung führt, bei dem die Meinungen auseinandergehen.

Die Clubführung sieht das Mitspracherecht in einer AG als gewährleistet an, weil die Mitglieder auch weiterhin den VfB-Präsidenten wählen, der in allen entscheidenden Gremien die Interessen des Vereins vertritt. Die Kritiker wiederum sehen das Mitspracherecht ausgehebelt, weil Vorstand und Aufsichtsrat der AG nicht mehr von den Mitgliedern gewählt werden und sich auch nicht mehr einer Entlastung stellen müssen. „Wir hätten uns eine Debatte über eine GmbH & Co. KGaA gewünscht, weil man damit besser verschiedene Interessen zum Ausgleich bringen könnte als in einer AG“, sagt Daniel, der der Meinung ist, dass eine AG starrer auf Investoreninteressen zugeschnitten sei.

Die VfB-Ultras vom Commando Cannstatt und die Kollegen vom Schwabensturm, das wissen sie selbst, stehen nicht stellvertretend für die gesamte VfB-Anhängerschaft. Diese Erfahrung hat auch der Vorstand bei Besuchen in diversen Fan-Clubs gemacht. Dort haben sie oft großen Zuspruch für ihr Projekt erhalten und erfreut zur Kenntnis genommen, dass es an der Basis häufig als Chance gesehen wird, Daimler mit ins Boot zu holen. „Um diese Möglichkeit beneiden uns sehr viel Clubs in der ersten Liga“, sagt Wolfgang Dietrich, der durch den umjubelten Aufstieg einen weiteren Trumpf in der Hand hält. An der Bar im Cannstatter Commando-Vereinsheim sticht der allerdings nicht.