Designierter Daimler-Vorstandschef Ola Källenius Ein Faible für American Football

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Der Schwede Ola Källenius gilt als ein echter „Car Guy“ und schickt sich an, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG zu werden. Ein Porträt des Favoriten des derzeitigen Daimler-Chefs Dieter Zetsche.

Ola Källenius ist der jüngste im Daimler-Vorstand und hat beste Chancen, Nachfolger von Dieter Zetsche zu werden. Foto: dpa
Ola Källenius ist der jüngste im Daimler-Vorstand und hat beste Chancen, Nachfolger von Dieter Zetsche zu werden. Foto: dpa

Stuttgart - Wie groß die Wertschätzung von Daimler-Chef Dieter Zetsche für Ola Källenius ist, zeigte sich bereits, als der Schwede vor rund zweieinhalb Jahren zum Vertriebschef von Mercedes-Benz aufstieg. „Mit Ola Källenius übernimmt ein echter Car Guy das Ruder. Er weiß, wie man eine Marke zum Erfolg führt, und kennt sowohl unsere Kunden als auch unsere Organisation bestens“, lobte Zetsche. Als dann Anfang vergangenen Jahres die Position des Mercedes-Vertriebschefs aufgewertet wurde und Källenius in den Vorstand des Autokonzerns einzog, wurde deutlich, dass der Schwede das Zeug dazu haben könnte, Zetsche einmal an der Spitze des Konzerns nachzufolgen.

Aufsichtsratschef Manfred Bischoff hob nun bei der Ankündigung des Wechsels von Källenius auf den Posten des Forschungs- und Entwicklungschefs die vielfältige Erfahrung des Managers hervor und wies zugleich darauf hin, dass das Führungsgremium fortan mit dem Einzug des Schweden deutlich internationaler und jünger aufgestellt sei.

Konzern reagiert auf den Wandel der Kundschaft

Damit reagiert das Unternehmen auch auf einen Wandel bei der Kundschaft. In den vergangenen Jahren ist der Absatz vor allem in China ausgeweitet worden, wo die Mercedes-Käufer deutlich jünger sind als in Europa. Zudem hat der Stuttgarter Autobauer jüngere Kunden gewonnen, indem er im Zuge der Modelloffensive auch das Angebot in der Kompaktklasse deutlich ausgeweitet hat.

Källenius ist weltläufig und macht auch auf internationalem Parkett eine gute Figur – wie etwa wenn der hochgewachsene Vertriebschef auf der Messe im südchinesischen Guangzhou in Landestracht den neuesten Luxus-Mercedes vorstellt. Er ist im Laufe seiner Karriere viel umgezogen und zeigt doch auch eine gewisse Bodenständigkeit, wenn er erzählt, wie wohl er sich mit der Familie und den drei Kindern in Stuttgart fühle.

Källenius stammt aus Malmö und begann seine Karriere nach einem Wirtschaftsstudium in Stockholm und St. Gallen 1993 in der internationalen Nachwuchstruppe von Daimler. Führungserfahrung sammelte er nach Stationen im Einkauf und im Rennsport unter anderem 2009 als Chef des US-Werks in Tuscaloosa, wo auch seine Leidenschaft für American Football geweckt wurde. Von 2010 bis 2013 war er Chef der Daimler-Sportwagentochter AMG in Affalterbach. AMG ist für Kunden mit speziellen Wünschen zuständig, die auch gerne mal etwas mehr Geld für ihren Wagen ausgeben. Die kleine, aber feine Tochter ist so etwas wie ein flottes Beiboot des Tankers Daimler. AMG arbeitet wie ein mittelständisches Unternehmen, kann jedoch auf Wunsch den reichhaltigen Erfahrungsschatz und das Netzwerk des Autokonzerns nutzen. In den vergangenen Jahren hat die Sportwagentochter kräftig Gas gegeben.

Als Vertriebsvorstand von Mercedes hat Källenius einen massiven Umbau des Vertriebs in Deutschland gemeistert. Die Ankündigung des Umbaus löste zunächst heftigen Widerstand beim Betriebsrat aus. Es kam zu Protestaktionen. Zur Kostensenkung sollten zahlreiche Standorte an Investoren abgegeben werden. Die Auswahl der Partner für die Übernahme von Mercedes-Autohäusern erforderte viel Fingerspitzengefühl und Verständnis für die Sorgen der Mitarbeiter. Der Verkauf der Autohäuser ist schließlich nach Vereinbarungen über einen finanziellen Ausgleich für die Mitarbeiter beim Wechsel des Arbeitgebers relativ geräuschlos über die Bühne gegangen und Ende vergangenen Jahres abgeschlossen worden. Auch dies dürfte Källenius weitere Pluspunkte bei den Aufsichtsräten gebracht haben.