Poetry-Slam-Meisterschaften in Stuttgart Von präkoitalen Momenten und Zungenbrechern aus der Hölle

Die deutschen Meisterschaften im Poetry Slam haben in Stuttgart begonnen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 17 Bilder
Die deutschen Meisterschaften im Poetry Slam haben in Stuttgart begonnen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Am Mittwoch fanden die ersten sechs Vorrunden der Poetry-Slam-Meisterschaft an drei Orten in Stuttgart statt: Rosenau, Schräglage, Keller Klub. Wer es dabei ins Halbfinale geschafft hat.

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Stuttgart - Der Mensch ist ein fehlerhaftes Wesen. Einer seiner Mängel: Er vermag nicht, sich zu zerreißen. Besonders schmerzt diese Unvollkommenheit, wenn die Deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam in der eigenen Stadt ausgetragen werden. Sie haben’s mitbekommen: Überall in Stuttgart finden sich die Plakate und Flyer, geziert vom Schriftzug „SLAM2016“ und einem gähnenden Löwen. Manche behaupten ja allen Ernstes, er brülle. Wie dem auch sei: Am Mittwoch fanden die ersten sechs Vorrunden zeitgleich an drei verschiedenen Orten statt: Rosenau, Schräglage, Keller Klub.

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Gerne hätte der Autor dieses Textes den unglücklichen Versäumenden von sämtlichen Vorrunden berichtet, aber er konnte in diesem Fall eben nur den Keller Klub besuchen. Stellen Sie ihn sich als einen der Szene per se wohlgesinnten, beschlagenen wie ansehnlichen Typen vor, der Anfang des Jahres allerdings von aufgebrachten Slam-Fans wegen einer Julia-Engelmann-Kritik angepöbelt wurde. Irgendwer hat diesem Herrn jetzt hier ein bisschen Cyberspace freigeräumt, damit er täglich vom SLAM2016 berichten kann. Wenn sich das mal nicht rächt.

Was in den Vorrunden geschah

Vorrunde III und Vorrunde VI gab’s also im Keller Klub zu sehen. Von je zehn Slammern kommen drei ins Halbfinale. Die einzige Frau in Vorrunde III konnte diese für sich entscheiden: Filo nennt sie sich, heißt eigentlich Filomena Franke und dichtete für unsere Zeitung bereits über eine Strandkrabbe am Stuttgarter Hauptbahnhof. Ihr Text: Ein großes Dankeschön an jemanden, der zumindest ihrem lyrischen Ich aus schweren Zeit half und gleichzeitig ein Appell, sich doch einfach mal zu bedanken. Der Dank der siebenköpfigen Publikumsjury manifestierte sich in 46,4 von möglichen 50 Punkten – Platz 1. (Jeder Juror kann bis zu 10 Punkte vergeben, die schlechteste und die beste Wertung werden gestrichen.) Ebenfalls wiedersehen wird man den Herren, der als Tom aus Graz und mit dem Spruch „Ich bin der Quotenösterreicher“ auf die Bühne ging. Der Satz „Edeltraud schaut und verdaut Kraut“ war der am einfachsten auszusprechende seines Vortrags, den Rest füllten Zungenbrecher aus der Hölle, die der hier Schreibende nicht mal tippen kann. Zum dritten im Halbfinalistenbunde avancierte der ebenfalls von unserer Zeitung bereits porträtierte Nik Salsflausen. Er schilderte Versagensängste, die in präkoitalen Momenten aufkeimen, wenn man, wie angeblich er, zum letzten Mal Sex hatte, als BH-Verschlüsse noch aus Gusseisen und Ziegendarm bestanden.

Hier entlang zum Porträt von Nik Salsflausen

In Vorrunde VI setzte sich allen voran David Friedrich durch, der vergangenes Jahr im Finale las. Er kritisierte Umweltvernachlässigung, die der Schweizer Phibi Reichling später relativierte: „So etwas wie unnatürlichen Abfall gibt es nicht“, heißt es in seiner Bearbeitung des Themas, es entstehe ja letztlich alles aus natürlichen Ressourcen. Und überhaupt: Selbst wenn sich die Menschheit mit all ihrem Plastik zugrunde richtet - das Leben, in irgendeiner Form, wird überleben. Auch ihn schickte die Jury ins Halbfinale. Zudem schaffte der selbstsichere Sauhund Tino Bomelino, ehemaliger Esslinger, den Sprung in die nächste Runde: Selbstsicher deshalb, weil er lediglich Tweets vorlas und dies auch noch während des Vortrags zugab. Sauhund deshalb, weil besagte Tweets mitunter brillant und eben saukomisch sind.




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