Deutschland gegen Ägypten 31:31 So haben sich die Spieler des TVB Stuttgart und von Frisch Auf präsentiert

Silvio Heinevetter stand in den ersten 19 Minuten im Tor der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Foto: dpa/Tom Weller

Beim 31:31 der deutschen Handballer im Testspiel gegen Ägypten ging es auch um die Plätze im EM-Kader. Wie haben sich die Nationalspieler der württembergischen Bundesligisten in Neu-Ulm geschlagen?

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Die deutschen Handballer brachten eine 31:29-Führung nichts ins Ziel. Am Ende jubelten die 4601 Zuschauer in der ausverkauften Arena in Neu-Ulm den Spielern von Bundestrainer Alfred Gislason auch nach dem 31:31(16:18)-Endstand zu. „Wir haben sehr viele Höhen und Tiefen im Spiel gehabt“, sagte Gislason nach dem ersten Härtetest mit Blick auf die EM vom 10. bis 28. Januar im eigenen Land. Der zweite steht bereits am Sonntag (17.15 Uhr/ZDF) erneut gegen Ägypten in München an. Wir haben die Nationalspieler mit Bezug zur Region genauer unter die Lupe genommen.

 

Silvio Heinevetter Der Torhüter des TVB Stuttgart feierte mit 39 Jahren sein Comeback im Nationaltrikot und absolvierte sein 205. Länderspiel – sein erstes seit Mai 2021. Gislason ließ „Heine“ gegen den Afrikameister zwischen den Pfosten beginnen. Nach 19 Minuten und nur einer Parade machte er beim Stand von 9:11 Platz für Stamm-Torwart Andreas Wolff. Auch der Mann vom polnischen Topclub Industria Kielce konnte zwei Monate nach seinem Bandscheibenvorfall wenig bewirken, so dass es mit 16:18 in die Kabine ging. Nach der Pause kam David Späth – und der 21-Jährige machte in seinem ersten A-Länderspiel den klar besten Eindruck von allen drei Torhütern.

Späth sammelt Pluspunkte

Der Schlussmann von den Rhein-Neckar Löwen, der nach seinen Paraden immer wieder den Kontakt zu Wolff suchte und sich mit ihm austauschte, empfahl sich nachdrücklich für eine EM-Nominierung. „David hat uns das gegeben, was uns zuvor gefehlt hat: Paraden und damit die Chance, ins Tempospiel zu kommen“, sagte Kapitän Johannes Golla. „Ich kann von beiden sehr viel lernen, bekomme wertvolle Tipps und schaue mir viel von ihnen ab“, lobte Späth nach dem Spiel artig seine erfahrenen Kollegen Wolff und Heinevetter. Fazit: Die Wahrscheinlichkeit auf ein Torwart-Duo Wolff/Späth bei der EM ist nach dem Spiel in Neu-Ulm gestiegen. Wer am Sonntag in München zwischen den Pfosten beginnt, will Gislason erst nach dem Abschlusstraining am Samstag entscheiden.

Kai Häfner Der erfahrene Linkshänder vom TVB Stuttgart stand in der Anfangsformation und harmonierte sehr gut mit seinen Rückraumkollegen Juri Knorr und Julian Köster. Häfner erzielte vor der Pause drei Tore und lieferte auch gute Anspiele. Nach 22 Minuten löste ihn der 21-jährige Renars Uscins im rechten Rückraum ab. Nach dem Wechsel kam Häfner zunächst wieder im Angriff, in der Deckung entlastete ihn Christoph Steinert.

Pech in der Crunch-Time

In der Crunch-Time hatte Häfner zweimal Pech: Seinen Treffer zum möglichen 32:30 gaben die Schiedsrichter nicht, da der 34-Jährige im Kreis stand. Beim Stand von 31:31 rechnete Köster mit einem Anspiel von Häfner zum Kempa-Trick – das Missverständnis führte noch einmal zum Ballbesitz für Ägypten. Trotz dieser Szenen lautet die Erkenntnis aus dem Test in Neu-Ulm: Kai Häfner ist im rechten Rückraum gesetzt.

Sebastian Heymann Der abwehrstarke Rückraumspieler von Frisch Auf Göppingen war einfach nur froh, nach zwei Kreuzbandrissen wieder dabei zu sein. Gislason brachte ihn nach 14 Minuten im Innenblock. Kurz vor der Pause bekam der 1,98-Meter-Mann einen Ball ins Gesicht, weshalb er nach der Pause nicht mehr spielte. „Basti brummte der Schädel, da wollte ich nichts riskieren“, sagte der Bundestrainer. Und Heymann selbst? Bei ihm überwog das Positive: „Ich bin glücklich und froh, nach dieser langen Leidenszeit wieder dabei zu sein. Natürlich gibt es noch Luft nach oben, die Abläufe können nicht optimal passen – und ich hätte ein bisschen mehr zuschieben können bei meinem Einsatz in der Abwehr vor der Pause“, sagte der 25-Jährige.

Pech in der Crunch-Time

Der eingespielte Abwehr-Innenblock Golla/Köster harmonierte deutlich besser. „Der erste Anzug in der Abwehr passt sehr gut“, sagte auch Gislason, „aber die beiden waren ein bisschen müde, weil sie ständig in Zweikämpfe verwickelt waren. Deshalb brauchen sie Pausen.“ Heymann kommt die Aufgabe zu, die beiden zu entlasten. Zumal mit Marian Michalczik und Justus Fischer zwei für diese Rolle vorgesehen Spieler verletzungsbedingt nicht zur Verfügung standen.

Tim Nothdurft Der gebürtige Reutlinger und ehemalige Spieler des HBW Balingen-Weilstetten feierte mit 26 Jahren sein Länderspieldebüt. Der Linksaußen vom Bergischen HC kam beim 28:27 (50.) für Lukas Mertens, steuerte sofort ein Tor bei und bekam ein Lob von Gislason: „Tim hatte am Ende eine 100-Prozent-Quote und stand auch gut in der Abwehr.“

Mohamed El-Tayar Der aktuelle Torwart des Bundesliga-Schlusslichts HBW Balingen-Weilstetten stand in Neu-Ulm nur kurz im Tor der ägyptischen Nationalmannschaft. Kurios: Nach einem Foul an Rechtsaußen Timo Kastening bekam er eine Zeitstrafe.

Torschützen

Deutschland Kastening (6/3 Siebenmeter), Knorr (6), Mertens (5), Köster (4), Häfner (3) Groetzki (3), Golla (1), Lichtlein (1), Nothdurft (1), Steinert (1).

Ägypten Abdel (9), Sanad (5/2), Yehia Elderaa (4), Yousri (3), Reda (2), Khairy (2), Seif Elderaa (2), Ramadan (2), Seif (1), Mohamed (1).

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