Die Unternehmerdynastie hinter Trigema Wie tickt die Familie Grupp?

Die Grupps: Trigema-Chef Wolfgang Grupp zwischen Tochter Bonita (rechts) und seiner Frau Elisabeth sowie Sohn Wolfgang junior Foto: Trigema

Schon lange ist klar, dass Wolfgang Grupp die Firma Trigema an seine Frau und seine Kinder übergeben will. Was passiert mit einer Firma, wenn der Patriarch abtritt? Wie tickt die Familie Grupp? Ein Porträt aus unserer Serie „Unternehmerdynastien im Land“.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)

Seinen großen Schreibtisch im Großraumbüro wird Wolfgang Grupp so schnell nicht räumen. „Da ändert sich nichts“, sagt Grupp. Seinen Platz, von dem er alles gut überblickt und der nur wenige Schritte  von den  Arbeitsplätzen seiner Kinder und seiner Frau  entfernt ist, wollte er selbstverständlich für seine Kinder frei machen, wie er sagt. Aber seine Frau und die Kinder hätten spontan gesagt, dass dies nicht infrage käme: Der „Papa“ sollte weiterhin an seinem Platz sitzen.

 

Zwischen  Firma und Privatleben wird bei den Grupps  nicht getrennt.  Zu Mittag isst man oft gemeinsam, und  „da reden wir über alle möglichen Themen“, sagt Grupp, dem Rituale wichtig sind.

Auf dem Papier ändert sich allerdings zum Jahreswechsel eine Menge bei Trigema: Nach 54 Jahren wird Wolfgang Grupp die Führung des Textilherstellers an seinen Sohn und seine Tochter übergeben. Der einzige Unterschied sei, dass er  die Verantwortung abgebe und nicht mehr mit seinem Privatvermögen hafte, sagt Grupp. Ab Januar gehört die Firma seiner Frau Elisabeth, gebürtige österreichische Baronesse von Holleuffer, und seinen beiden Kindern Bonita und Wolfgang junior, der dann persönlich haftender Gesellschafter und Geschäftsführer wird. Bonita Grupp wird Mitglied der Geschäftsführung.

„Können uns zu 100 Prozent aufeinander verlassen“

„Wir sind mit der Firma aufgewachsen und sehen die Nachfolge auch als positive Pflicht und Verantwortung“, sagt Wolfgang Grupp junior. „Es wäre doch arrogant zu sagen, diese Chance ergreift man nicht.“ Viele seiner Studienkollegen würden davon träumen, bei einem Mittelständler mitgestalten zu dürfen. Viele Entscheidungen treffe man heute schon als Familie und sei damit doch in einer luxuriösen Situation. „Mein Vater ist voll aktiv, meine Mutter, meine Schwester und ich. Damit schaffen wir uns viele Freiheiten, weil wir uns alle zu 100 Prozent aufeinander verlassen können“, sagt Wolfgang Grupp junior.

Manches werde man anders machen, vieles auch beibehalten. So falsch könne der Weg des Vaters ja nicht gewesen sein, wenn Trigema in einer Industriebranche erfolgreich sei, die es in Deutschland praktisch nicht mehr gebe, sind sich die Geschwister Grupp einig. Trigema-Chef Grupp blieb in Deutschland, während die meisten Textilfirmen ihre Produktion ins billigere Ausland verlagerten.

„Die Kinder wissen von klein auf, dass sie mal übernehmen, und verantworten ja schon Bereiche im Unternehmen“, sagt Grupp. „Wenn meine Kinder sagen würden,  was mein Vater macht, mache ich nicht, dann habe ich versagt.“ In die Fußstapfen des Vaters zu  treten  war für ihn immer eine Selbstverständlichkeit. Bei ihm war das genauso.  „Ich bin als Sechsjähriger schon den Näherinnen auf dem Schoß gesessen, und die haben mir gesagt: Du wirst mal Chef“, sagt Wolfgang Grupp senior.

Promotion für die Firma aufgegeben

Als Grupp als 27-jähriger Kaufmann 1969 das Unternehmen von seinem Vater übernommen und dafür seine geplante Promotion an der Universität Köln aufgegeben hat, steckte die Firma in der Krise. Grupp krempelte das Geschäft um, machte Trigema zu einer Marke und Deutschlands größtem Hersteller von Sport- und Freizeitbekleidung. Er belieferte große Kaufhausketten und später Discounter, die ihn aus dem Sortiment warfen, weil er die geforderten Preisnachlässe nicht akzeptierte. Dann stieg er in den Direktverkauf ein, eröffnete sogenannte Testgeschäfte, also eigene Trigema-Filialen.

Die markigen Sprüche von Wolfgang Grupp polarisieren und sorgen vielerorts und auch im Netz für Diskussionen – egal ob es um Homeoffice, Betriebsräte oder die Gier von Managern geht. Immer wieder kritisiert Grupp auch die Verantwortungslosigkeit vieler Unternehmenslenker. „Solange es gut geht, ziehen sie Geld raus, wenn sie Probleme haben, melden sie Insolvenz an“, sagt Grupp. Das hat für ihn, der sich mit seinen wertkonservativen Vorstellungen als Geschäftsmann alter Schule präsentiert, nichts mit Anstand und Gerechtigkeit zu tun. Der Anständige, der womöglich noch persönlich hafte, sei der Dumme. Deshalb fordert Grupp auch von der Politik einen 50-prozentigen Steuerrabatt für alle Unternehmer, die persönlich haften.

„Ich bin auch verantwortlich dafür, dass ich den Wandel der Zeit erkenne und Entscheidungen treffe, dass die Firma auch morgen noch existieren kann“, sagt er. Eine Produktion im Ausland kam für ihn nie infrage. „100 Prozent made in Germany“ – damit wirbt Trigema auch im Fernsehspot mit einem computeranimierten Affen.

In den nächsten Wochen und Monaten plant Grupp noch eine Abschiedstour zu den Trigema-Filialen, die er regelmäßig mit dem eigenen Hubschrauber besucht. „Wenn ich offiziell aufhöre, gehört es sich, dass ich mich auch dort verabschiede“, sagt er. Denn auch die Mitarbeiter in den Filialen gehören zur Betriebsfamilie, wie er die rund 1200 Beschäftigten nennt. Deren Kindern garantiere man nach wie vor einen Arbeitsplatz, bestätigt der Firmenpatriarch. Den Titel empfindet er nicht negativ, denn das komme von Patron, und der habe eine Schutzfunktion und Verantwortung.

Josef Mayer, der Mitgründer von Trigema, und die Nachfolger

Die Anfänge
Die Geschichte von Trigema beginnt im Jahr 1919, als die Brüder Josef und Eugen Mayer eine stillgelegte Fabrik in Burladingen am Rande der Schwäbischen Alb kaufen und die „Mechanischen Trikotwarenfabriken Gebr. Mayer“ gründen – daher der Name Trigema. 1922 trennen sich die Wege der Brüder, Josef führt als alleiniger Inhaber die Trikotwarenfabriken weiter mit 25 Mitarbeitern. Er hat unternehmerisches Talent, Ende der 1930er Jahre hat das Unternehmen 800 Mitarbeiter.

Die Nachfolge
1939 tritt Franz Grupp – der Schwiegersohn Josef Mayers – ins Unternehmen und übernimmt nach dessen Tod 1956 die Firma. Wechselvolle Jahre folgen, 1969 übernimmt Wolfgang Grupp in dritter Generation die Verantwortung und kehrt – dem Großvater folgend – zu den Wurzeln zurück, setzt auf T-Shirts und Tennisbekleidung. 1975 ist die Firma schuldenfrei und hat „seither nie mehr Bankkredite in Anspruch genommen“, wie Grupp sagt. 2022 lag der Produktionsumsatz von Trigema bei 127 Millionen Euro.

Verantwortung
Macht, Größe und Marktanteile sind laut Grupp nicht entscheidend, sondern Gerechtigkeit, Beständigkeit und Verantwortung – Werte, die auch der vierten Generation wichtig sind.

Weitere Themen