Fast jeden Abend ist die Dinner-Show Palazzo auf dem Wasen ausverkauft. Die Auslastung liegt nach Angaben der Veranstalter bei 94 Prozent – so hoch wie noch nie. Was sind die Gründe für diesen Erfolg in wirtschaftlich angespannten Zeiten?

Lokales: Uwe Bogen (ubo)

Stuttgart - Sobald man das Zelt mit den vielen Spiegeln betritt und in das Abendrot des Chapiteau mit Funkelsternen am Stoffdach und Kerzenglanz auf feierlich gedeckten Tischen eintaucht, schaltet man in den Wohlfühlgang runter. Seit 16 Jahren zählt Stuttgart zu den Umsatzbringern des in Hamburg ansässigen Palazzo-Imperiums. Immerzu zufrieden äußerten sich in all dieser Zeit die Macher des Dinner-Spektakels mit dem Menü von Harald Wohlfahrt über das Publikum auf dem Cannstatter Wasen. Doch in dieser Saison 2019/2020 gibt’s noch eine Steigerung des Jubels.

Spielzeit lässt sich nicht verlängern

Die Auslastung, freut sich Palastdirektor Christian Lindenberg, sei so groß wie zuvor noch nie in 16 Jahren. Sie liege bei fantastischen 94 Prozent, sagt er. Dies bedeutet: Fast jeder Abend seit der Premiere im November ist ausverkauft. Noch knapp 30-mal wird das Programm „Kings & Queens“ gespielt. Auch wenn die Nachfrage so groß ist, könne man die Spielzeit nicht verlängern, sagt Lindenberg. Denn viele der hochgelobten Artisten, Comedians und Musiker haben Verträge für Nachfolgeshows unterschrieben.

Was den Palastdirektor besonders freut: Das Publikum habe sich in diesem Jahr deutlich verjüngt. „Auch Jüngere wollen sich etwas gönnen und sind bereit, dafür zu zahlen“, sagt Lindenberg. Eine Karte für das Vier-Gänge-Menü und für die Show kostet zwischen 89 und 148 Euro, hinzu kommt die Rechnung für die Getränke. Wer meint, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – nicht nur bei Bosch und bei Daimler werden Arbeitsplätze abgebaut – müssten Veranstalter Einbußen hinnehmen, wird im Spiegelpalast auf dem Wasen eines Besseren belehrt. „Wir hatten viele Firmen, die ihre Weihnachtsfeiern erst im neuen Jahr bei uns ausrichten, weil wir davor ausgebucht waren“, berichtet der Palastdirektor. Auch die Anzahl der Gutscheine, die an Weihnachten verschenkt und jetzt eingelöst wurden, sei noch nie so groß gewesen.

Schon die Premierengäste waren begeistert

Schon bei der Premiere hatten viele Gäste gelobt, die neue Show mit dem rockenden König und dem steppenden Klerus habe die letzten Jahre getoppt. Auch das Menü sei oberste Liga. In 16 Stuttgarter Palazzo-Jahren hat sich nicht nur der Standort geändert (einst fing’s auf dem Pariser Platz an), sondern auch die Dramaturgie. In den Anfängen war das Spektakel wilder und chaotischer als heute. Früher musste der Zuschauer damit rechnen, von einem (w)irren Artisten entführt und an eine Säule gefesselt zu werden. Mittlerweile sind die Shows gediegener, ja entspannter. Im Vordergrund stehen Glücksgefühle zur Entschleunigung für Genießer, die im Alltag rastlos sind.