Ein Kitaplatz könnte für Eltern bald teurer werden. In dieser Woche wird der Ludwigsburger Gemeinderat über eine Erhöhung der Gebühren um 8,5 Prozent entscheiden. Kurz vor dieser Entscheidung meldet sich der Gesamt-Elternbeirat der städtischen Kitas Ludwigsburg zu Wort. Die Stadt schaffe es nicht, ausreichend Kita-Plätze anzubieten, immer wieder werden Betreuungszeiten gekürzt – in dieser Situation eine Beitragserhöhung zu fordern sei nicht akzeptabel.
Die Kritik des Elternbeirats ist nicht neu. Schon im Sommer machten die Eltern darauf aufmerksam, dass in Ludwigsburg seit Jahren um die 700 Kita-Plätze fehlen würden. Für den Elternbeirat sei nicht erkennbar, dass die Stadtverwaltung genug gegen diese Problemlage unternimmt. Die Stadt entziehe sich vielmehr der Pflicht, in ausreichend viele Betreuungsplätze und eine angemessene Personalausstattung zu investieren.
Ist die Kritik gerechtfertigt?
Die Eltern kritisieren besonders die Personalsituation. Die Personaldecke sei zu dünn, das merke man besonders jetzt während der Krankheitswelle. Immer wieder müssten Betreuungszeiten in städtischen Kitas gekürzt werden. Laut Elternbeirat ist das aktuell in vier städtischen Kitas der Fall. „Bevor die Stadt Gebühren zulasten der Eltern erhöht, möge sie erst einmal den gesetzlichen Ansprüchen gerecht werden“, ärgern sich die Eltern in der Stellungnahme.
Ist die Kritik an der Stadtverwaltung gerechtfertigt? In Ludwigsburg fehlen im kommenden Jahr tatsächlich rund 680 Plätze, 2031 werden laut Prognose immer noch rund 600 Plätze fehlen. Fakt ist aber auch, dass seit 2017 zwei neue städtische Kitas eröffnet wurden, die Anzahl der Plätze ist um 15 Prozent gestiegen. Bis 2027 investiert die Stadt zudem über 20 Millionen Euro in Kita-Gebäude, unter anderem in drei Neubauten. Doch die Suche nach Fachkräften bremst die Bemühungen aus. „Der Teich an Fachkräften ist leergefischt“, sagt Daniel Wittmann, Fachbereichsleiter Bildung und Familie.
Trotz der Probleme, der gesetzlichen Pflicht nachzukommen, plant die Stadt im Haushaltsentwurf eine Erhöhung der Kita-Gebühren um 8,5 Prozent. Danach sollen die Gebühren jährlich um vier Prozent angehoben werden. Der Grund für diesen Vorschlag ist simpel: die Kosten steigen. Die Stadt zahlt mittlerweile um die 40 Millionen Euro Zuschüsse an die Kitas pro Jahr, 2013 war es nur rund die Hälfte.
In der angespannten finanziellen Lage würde ein höherer Beitrag der Eltern die Stadt entlasten und wäre gerechtfertigt, sagte Oberbürgermeister Matthias Knecht in einem Pressegespräch Anfang November. Denn die Stadt liege bisher unter dem Richtsatz, zudem würde aktuell viele Kommunen des Kreises die Kita-Gebühren erhöhen.
Ob der Vorschlag der Stadt angenommen wird, entscheidet der Ludwigsburger Gemeinderat voraussichtlich am Dienstagabend. Die Grünen, SPD und Linke sind gegen die Erhöhung, sie schlagen einen Aufschlag von maximal vier Prozent vor und wollen stattdessen die Gewerbesteuer erhöhen, um neue Einnahmequellen zu generieren. CDU, Freie Wähler und FDP haben sich bisher noch nicht eindeutig zur Erhöhung der Kita-Gebühren um 8,5 Prozent geäußert.