Trumpf hat das Ziel ausgegeben, in fünf Jahren der führende Anwender und der führende Anbieter von KI-Lösungen in der Maschinenbau-, Elektronik-, und Lasertechnikbranche zu werden. Josef Hochreiter, Leiter des Instituts für maschinelles Lernen an der Universität Linz, sieht das schwäbische Unternehmen damit als gutes Beispiel in der Industrielandschaft. „Viele Unternehmen zögern, sich auf Künstliche Intelligenz einzulassen, weil sie die Möglichkeiten nicht erkennen. Das ist, als würde man freiwillig auf Elektrizität verzichten“, führte Hochreiter aus, „aber Trumpf und auch Bosch sind anders.“
In fünf Jahren hat jeder Trumpf-Mitarbeiter mit KI zu tun
Zwar geben die Ditzinger nicht preis, welche Summen sie in den nächsten Jahren konkret in KI investieren wollen. Die Bedeutung des Entwicklungsfeldes aber könne man daran ablesen, so Mayer, dass sich aktuell bereits rund 100 Mitarbeiter schwerpunktmäßig damit befassen. Ein neues Kompetenzzentrum soll die Aktivitäten koordinieren. In fünf Jahren dürfte es keinen Job mehr bei Trumpf geben, der nicht irgendeinen Berührungspunkt zu KI hat“, prognostiziert der Technik-Vorstand Berthold Schmidt.
Die Einsatzmöglichkeiten der KI sind bei Trumpf breit gefächert. Einerseits sollen die Käufer der Werkzeugmaschinen davon profitieren, in dem etwa Anlaufzeiten und Produktionsfehler minimiert werden. Andererseits sollen auch interne Prozesse mit KI verbessert werden.
Eines der am leichtesten zu verstehenden Beispiele, die genannt wurden, betrifft den E-Mail-Eingang. Täglich kämen Hunderte von Mails an, in denen Kunden Ersatzteile bestellen, erklärte Mayer. Die Aufträge müssten dann vom Kundenservice ins SAP-System übertragen werden. Solche Aufgaben kann auch ein KI-Programm übernehmen, sobald es mit genügend Kundenmails „trainiert“ wurde.
Ein KI-basiertes, dem weithin bekannten Chat GPT ähnelndes Sprachmodell steht auch im Mittelpunkt eines Pilotprojekts, das die Servicetechniker unterstützen soll. Gefüttert mit den Berichten der hauseigenen Experten, soll die KI helfen, Maschinenstörungen schneller zu beseitigen. Die Qualität der KI-Lösungsvorschläge werde sich dabei kontinuierlich verbessern, je mehr Fälle sich in der Datenbank ansammeln, aus der die KI „lernen“ kann.
KI hilft, Unmengen von Daten nutzbar zu machen
Die Digitalisierung der Industrie hat dazu geführt, dass immer mehr Maschinen Unmengen von Daten sammeln. Mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz erfolgt nun der Versuch, diese Daten in Echtzeit nutzbar zu machen. Das Ziel: Maschinen sollen stabiler, schneller und effizienter laufen. KI habe für Trumpf deshalb hohe strategische Relevanz, bekräftigt der Chef der Lasertechnik-Sparte, Hagen Zimer: „Die Analyse von Sensordaten mit Hilfe von KI-Algorithmen ermöglicht bessere Lösungen für unsere Kunden.“
Noch ein Beispiel: bereits heute optimiert KI-gestützte Bilderkennung das Verschweißen von Kupferkontakten in Elektroauto-Motoren. Trumpf hat bei dieser Technik nach eigenen Angaben einen weltweiten Marktanteil von 90 Prozent.
KI macht Fehler – und muss deshalb streng kontrolliert werden
Wie jeder, der einmal Chat GPT benutzt hat, weiß aber auch Trumpf um die Tücken und die manchmal hanebüchenen Fehler, die von KI-Bots produziert werden. „Es geht jetzt um die Frage: Wie kommt man zu vertrauenswürdiger KI?“ sagt auch Hagen Zimer. Der Weg dorthin führe zunächst über penible Kontrollen der Ergebnisse. Aber er werde zum Ziel führen, da ist er sicher.
Was das für die Arbeitsplätze bedeutet? Könnte KI auch komplexe Aufgaben übernehmen, beispielsweise auch einen CEO ersetzen? Der CEO Zimer will das nicht ausschließen. „Es wird disruptiv“, ahnt er. Gleichzeitig sei er aber zuversichtlich, dass neue Aufgabenfelder entstehen werden. Der Linzer Professor Hochreiter teilt diesen Optimismus. „Neue Technologien bringen auch neue Jobs mit sich.“