Doch keine Luxusgüter? Ab Hof sind Spargel und Erdbeeren gefragt

Bis Spargel und Erdbeeren im Verkauf landen, ist viel teure Handarbeit nötig. Foto: Eibner-Pressefoto/Fleig

Wer vor allem auf Direktvermarktung setzt, hat kaum Schwierigkeiten, Spargel und Erdbeeren an den Mann oder die Frau zu bringen. Doch wegen steigender Löhne hat mancher Landwirt schon die Anbaufläche dafür reduziert.

Ludwigsburg: Sabine Armbruster (sar)

Spüren auch die hiesigen Landwirte die viel zitierte Zurückhaltung von Verbrauchern, wenn es um den Kauf frischer Saisonprodukte wie Spargel und Erdbeeren geht? Denn angesichts der Inflation gelten diese schon als Luxusprodukte, obwohl sie nicht teurer geworden sind.

 

Lesen Sie aus unserem Angebot: Warum die Nachfrage sinkt

Landwirte aus Marbach-Rielingshausen und Brackenheim mit Pachtflächen in Pleidelsheim beantworten diese Frage mit einem Jein. Denn sowohl der Obsthof Eisenmann und Obstbau Stirm, beide aus Rielingshausen, als auch die Gebrüder Grötzinger aus Brackenheim-Dürrenzimmern, die auf Pachtflächen in Pleidelsheim Spargel anbauen und zum Teil auch vor Ort verkaufen, setzen stark oder sogar ausschließlich auf Direktvermarktung in Hofläden oder mit Verkaufsständen.

Sparen mit Erdbeeren vom Vortag

Und das, sagt etwa Jens Eisenmann, funktioniere gut. Allerdings hat er auch beobachtet: „Viele Leute fragen nach den Erdbeeren vom Vortag. Weil die Früchte hochreif geerntet werden und dementsprechend empfindlich sind, bekommen sie leicht Druckstellen und sehen dann nicht mehr so schön aus wie frisch geerntet. Deshalb sind sie billiger.“

Einen Rückgang bei den Verkaufszahlen gegenüber früheren Jahren spürt er aber nur jetzt in den Pfingstferien, wo etliche Kunden in Urlaub seien: „Die Leute können wieder verreisen, während es in den beiden letzten Jahren schon ein Event war, wenn man in den Hofladen zum Einkaufen gehen konnte.“

Absatz im Großhandel sehr verhalten

Auch Max Grötzinger sagt, sowohl Spargel als auch Erdbeeren würden immer noch gekauft. Vorübergehend habe es sogar eine Spargelknappheit gegeben. Allerdings hänge der Verkaufserfolg stark davon ab, auf welchem Weg man vermarkte. „Anders als im Hofladen ist der Absatz im Großhandel sehr verhalten; die Märkte sind ziemlich zusammengebrochen.“ Was ihm ebenfalls aufgefallen ist: „Man merkt, dass die Leute mehr als früher gerne mal auf das eine oder andere Angebot eingehen.“ Aus seiner Sicht sehr erfreulich ist dagegen in diesem Jahr der Absatz über die Gastronomie, der zudem auch, anders als zuletzt, sehr stabil sei.

Preislich ist die Ware zum Teil sogar günstiger als noch im letzten Jahr. Vor allem Spargel sei bei manchen Kollegen mit zwei bis drei Euro weniger je Kilo deutlich billiger zu haben, hat Grötzinger festgestellt. Das hänge unter anderem mit den Absatzwegen zusammen: „Wenn die Ware vom Großhandel nicht mehr abgenommen wird oder dort liegen bleibt, werden manche nervös und gehen mit dem Preis runter.“

Lesen Sie aus unserem Angebot: Bauernverband beklagt Dumpingpreise bei Spargel

Doch auch Erdbeeren werden meist etwas günstiger angeboten als im Vorjahr. „Damals sind viele Früchte auf dem Feld verfault, während wir dieses Mal eigentlich alles abernten konnten“, erklärt Jens Eisenmann. Auch der Spargel sei wegen der warmen Witterung gut gewachsen, sodass man schon früher mit dem Stechen begonnen habe. Allerdings sei deshalb die Ernte auf einem der Felder auch schon wieder beendet.

Viel Handarbeit und hohe Kosten

Ob die Preise im nächsten Jahr gehalten werden können, ist aber nicht nur wegen der unvorhersehbaren Witterung fraglich. Denn angesichts gestiegener und weiter steigender Unkosten für Energie, vor allem jedoch für Löhne, wird es für die einheimischen Landwirte immer schwerer, noch kostendeckend zu arbeiten. Die Energie-Mehrkosten für die im Tunnel heranreifende Frühware habe man jedenfalls nicht reinholen können, sagt Max Grötzinger.

Anbaufläche sinkt

Besonders die Löhne sind es, die dem Rielingshäuser Jürgen Stirm Sorgen machen. Denn Erdbeeren müssen – ebenso wie Spargel, den er allerdings nicht selber anbaut – aufwendig von Hand geerntet werden. Vor diesem Hintergrund hat er schon vor etwa fünf Jahren damit begonnen, die Anbaufläche für die roten Früchte deutlich zu reduzieren. „Damals waren es mehr als zehn Hektar, jetzt sind es noch zweieinhalb.“ Man habe sogar in Erwägung gezogen, sich ganz vom Erdbeeranbau zu verabschieden, „aber die Erdbeeren sind ein Magnet für die Kunden, deshalb machen wir das weiter.“ Zumindest vorerst. Seine Frau Ute, die für den Hofladen zuständig ist, hat allerdings beobachtet, dass einige Kunden nur ein oder zwei Schälchen mitnehmen. „Große Mengen für selbst gemachte Marmelade können sie sich nicht mehr leisten“, glaubt sie.

Mit der Spezialisierung auf die Direktvermarktung wurde auch auf dem Obsthof Eisenmann die Produktionsmenge reduziert. „Wir machen nur noch das, was wir verkaufen können“, erklärt Jens Eisenmann.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Spargel- und Erdbeerbauer im Land unter Druck

Was er bedauert: „In den letzten beiden Jahren war es sehr wichtig, regional und bäuerlich einzukaufen. Jetzt wird den Leuten oft vermittelt, sie müssten möglichst günstig einkaufen.“ Und das, sagt Ute Stirm, gehe angesichts hoher Unkosten und Auflagen für die Erzeugung eben nicht: „Man kann in Deutschland nicht ‚billig’ produzieren.“ Weil nicht nur die Anbauflächen deshalb sinken, sondern auch noch mitten in der Saison niedrigpreisige Importware den hiesigen Produkten Konkurrenz macht, bleibt die Frage, wie lange es noch Erdbeeren und Spargel aus heimischem Anbau gibt.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Spargel Erdbeeren Landwirte Preise