E-Autos und Verbrenner Die gefährliche Monokultur der E-Autos

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China setzt aufs E-Auto – aber nicht nur. Das Land will zu große Abhängigkeiten vermeiden. Die EU dagegen steuert mit ihrem blauäugigen Kurs auf neue Risiken zu, meint unser Kommentator Klaus Köster.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Klaus Köster (kö)

EU-Klimakommissar Frans Timmermans ist fast am Ziel – wenn sich nichts mehr ändert, wird die Zulassung neuer Verbrennungsmotoren in der EU ab 2035 weitgehend beendet sein. Aus den Augen global agierender Hersteller sieht die Welt jedoch anders aus. Jenseits der EU kann vom Aus für den Verbrenner keine Rede sein. Das gilt auch für China, den größten Automarkt der Welt.

 

Europa setzt im Unterschied zu China allein auf das batterieelektrische Fahrzeug und muss darauf hoffen, den dadurch rasant steigenden Bedarf an Rohstoffen wie Lithium, Kobalt und Nickel gleichwohl decken zu können. Der Abhängigkeit vom Gaslieferanten Russland und dem Absatzmarkt China könnte die vom Rohstofflieferanten China folgen, das sich zu wichtigen Quellen bereits einen privilegierten Zugang verschafft hat.

Das Risiko einer Monokultur

Ohne das Erreichen ehrgeizigster Klimaziele verspielt die Autobranche ihre Daseinsberechtigung. Doch der Weg der EU dorthin, der kollektive Marsch einer Schlüsselindustrie in eine zentral vorgegebene Richtung, ist riskant. Er befördert die Entstehung einer Monokultur, die gegen schädliche Einflüsse wie Störungen der Versorgung mit Rohstoffen besonders anfällig ist. China versucht, dieses Klumpenrisiko zu meiden, die EU dagegen verhält sich blauäugig. So wie einst Deutschland beim Erdgas.

Europas Autohersteller werden auch weiter für China produzieren. Deshalb wäre es ein Fehler, synthetische Kraftstoffe zu verteufeln. Sie sind zwar wenig effizient und noch sehr teuer. Doch sie können überschüssige grüne Energie und Treibhausgas speichern – und dazu beitragen, dass die vielen hundert Millionen Verbrennerfahrzeuge nicht noch für lange Zeit alle Bemühungen der Welt zum Klimaschutz unterlaufen.

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