E-Mobilität Wer sein Auto daheim laden will, hat es nicht immer leicht

Von Jacqueline Fritsch 

Die meisten E-Auto-Fahrer hängen ihr Fahrzeug zu Hause ans Stromnetz. Hier gibt es aktuell allerdings für Mieter noch Hürden. Diese könnten aber bald Geschichte sein. Ein Beispiel von den Fildern.

Auch die Diakonie ist elektrisch unterwegs. Foto: Jacqueline Fritsch
Auch die Diakonie ist elektrisch unterwegs. Foto: Jacqueline Fritsch

Plieningen/Birkach - Schon seit Jahren fahren einige Mitarbeiter der Diakoniestation Plieningen-Birkach mit elektrisch betriebenen Smarts zu ihren Patienten. Mittlerweile laufen vier ihrer elf Fahrzeuge ohne Verbrennungsmotor. Früher wurden diese Autos an öffentlichen Ladestationen aufgetankt. „Das ging ganz gut, bis die Stellplätze mit Car-to-go-Autos voll waren“, sagt der Pflegedienstleiter Marco Weinmann. Deshalb wünschten sich die Verantwortlichen eine Lademöglichkeit vor Ort, was erst einmal abgelehnt wurde.

Eine Rechtsreform soll Erleichterungen bringen

Das Problem ist, dass sich das Diakoniebüro in einem Mehrfamilienhaus befindet. Die Tiefgarage bietet Stellplätze für viele Mieter. Will ein Mieter – in dem Fall die Diakonie – sein E-Auto dort laden, kann er das bisher nicht ohne Weiteres tun. Ulrich Wecker, Geschäftsführer von Haus und Grund Stuttgart, erklärt: „Bei einer baulichen Veränderung müssen alle Eigentümer einverstanden sein.“ Eine solche Veränderung wäre nötig, um sogenannte Wallboxen zu installieren, über die E-Autos zu Hause geladen werden. Etwas anders sieht es beim Laden über eine normale Steckdose aus: Dafür müssen nicht alle Eigentümer, sondern nur der WEG-Verwalter gefragt werden. Allerdings bahnt sich derzeit eine Reform des WEG-Rechts an, die in beiden Fällen Erleichterungen bringen soll.

Auf diese Lösung einigte sich schließlich auch die Diakonie und lädt seitdem ihre E-Autos über vier Steckdosen. Die Ladedauer ist dabei zwar deutlich höher als bei einer Wallbox, das stört die Mitarbeiter aber nicht. „Wir müssen nicht so weit fahren“, sagt Gesine Abadin, stellvertretende Pflegedienstleiterin und spricht von 30 bis 40 Kilometern pro Tour. Dafür müssen die Autos nicht unbedingt komplett geladen sein. Für den Akku sei es sowieso am besten, die Ladung zwischen 20 und 80 Prozent zu halten. „Eine komplette Voll- oder Entladung des Akkus schadet den Lithium-Ionen-Zellen“, erklärt Moritz Oehl, Sprecher der Stuttgart Netze.

Fragen wegen der Sicherheit

Mit der Steckdosenlösung ist man in der Diakoniestation noch nicht ganz zufrieden. Gesine Abadin und Marco Weinmann sorgen sich um die Sicherheit. Bei der Einrichtung der Steckdosen sei zwar ein Elektriker vor Ort gewesen, der geprüft habe, ob die Hausinstallation für ein häufiges Laden mit hoher Leistung über längere Zeiträume geeignet ist. Ganz wohl ist es ihnen dabei aber nicht, wenn sie täglich so viel Strom ziehen. „Das funktioniert jetzt seit anderthalb Jahren so, aber wer weiß, wie lang noch“, sagt Weinmann.

Grundsätzlich spricht beim Laden von E-Autos nichts gegen eine normale Steckdose, solange ein Fachmann den Anschluss vorher geprüft hat. „Ob zum Laden zu Hause eine Wallbox oder eine einfache Schuko-Steckdose Sinn ergibt, ist maßgeblich von der durchschnittlichen Standzeit und der Batteriegröße des jeweiligen Fahrzeugs sowie der benötigten Reichweite abhängig“, sagt Heiko Willrett, ein Sprecher der EnBW. Eine normale Steckdose hat in der Regel eine Ladeleistung von 2,3 Kilowatt, Wallboxen laden mit elf oder 22 Kilowatt. „Mit einer Wallbox laden E-Autos schneller und meist auch sicherer“, sagt Willrett. Je nach Akku sollte man bei einer Wallbox mit vier bis zehn Stunden Ladezeit rechnen, an einer Steckdose mit 15 bis 20 Stunden.

85 Prozent der Ladevorgänge fänden daheim statt

Die Mitarbeiter der Diakonie sind zwar froh, dass sie vor Ort ihre Autos aufladen können, hätten auf lange Sicht aber gerade wegen der Sicherheit gerne Wallboxen. Die Kosten dafür liegen mitsamt Installation bei 1000 bis 3000 Euro, in manchen Fällen aber auch deutlich höher im Zehntausender-Bereich. Der Haus- und Grundbesitzerverein fordert deshalb, dass die Stadt solche Investitionen bezuschusst. „Es werden zwar munter öffentliche Ladesäulen gebaut, aber damit kriegt man die Wende in der Mobilität nicht hin“, sagt Geschäftsführer Ulrich Wecker. Schließlich wollen die meisten E-Auto-Besitzer ihr Fahrzeug zu Hause laden. Laut Bundesregierung finden 85 Prozent der Ladevorgänge bereits im privaten Bereich statt.

Und wie sieht es für Hausbesitzer aus? Wer einen einzelnen Stellplatz oder eine Garage besitzt, kann dort über eine Steckdose oder Wallbox laden. Erforderlich ist auch in diesem Fall, dass die Hausinstallation von einem Elektroinstallateur geprüft wird. Außerdem muss der Netzbetreiber informiert werden. Bei einer Wallbox mit bis zu zwölf Kilowatt Leistung reicht eine einfache Information aus; bei einer höheren Leistung muss eine Genehmigung vom Betreiber eingeholt werden.

Sonderthemen