Edelmetalle Wie sich eine Branche wandelt

C. Hafner in Wimsheim schmelzt alte Edelmetalle wieder ein. Später werden daraus Komponenten etwa für Medizintechnik oder Mess- und Regeltechnik. Foto: Tilo Keller

In Pforzheim stand die Schmuckbranche am Anfang bei wichtigen Firmengründungen. Doch inzwischen haben viele Unternehmen neue Anwendungen für Edelmetalle entdeckt.

Wirtschaft: Ulrich Schreyer (ey)

Die Firma C. Hafner , die seit 2015 ihren Sitz im nahe gelegenen Wimsheim hat, darf sich durchaus zu den Traditionsunternehmen in Pforzheim zählen. 1850 begann Carl Hafner dort mit der Wiederaufbereitung von Edelmetallen. Heute setzt das Unternehmen mit seinen 250 Beschäftigten mehr als eine Milliarde Euro um – wobei der Umsatz aber auch stark vom Preis der Edelmetalle abhängt.

 

Noch immer ist Recycling ein Schwerpunkt: Mit der Wiederaufbereitung etwa von altem Schmuck Zahnersatz oder Produktionsabfällen aus der Schmuckindustrie werden etwa 40 des Umsatzes erwirtschaftet. Zudem wird Geld mit Verkäufen an den Schmuckmarkt, mit Dentallegierungen, Zahnersatz aus Edelmetallen oder der Herstellung von Goldbarren verdient. Zehn Prozent des Umsatzes kommen inzwischen aus der Lieferung von Edelmetallen für technische Bauteile. Dabei kann es sich um Komponenten etwa für die Medizintechnik, die Sensorik oder die Mess- und Regetechnik handeln.

Technische Bauteile werden wichtiger

„Gerade die Edelmetallbearbeitung von technischen Bauteilen haben wir in den letzten Jahren sehr stark weiterentwickelt“, berichtet Birgitta Hafner, die das Unternehmen zusammen mit ihrem Cousin Philipp Reisert führt. „Wir verarbeiten nur Sekundärrohstoffe, nie Gold aus der Mine“, erklärt Hafner. Die Kreislaufwirtschaft aus Wimsheim hat offenbar auch positive Auswirkungen am Arbeitsmarkt. „Die Gewinnung von Azubis war bisher kein Problem für uns“, berichtet die geschäftsführende Gesellschafterin, „die jungen Leute schätzen es, dass wir nachhaltig arbeiten“. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekomme man als schon lange bekanntes Pforzheimer Familienunternehmen auch „durch Mund-zu-Mund-Propaganda“.

Firmen stellen sich um – der Arbeitsmarkt wandelt sich

C. Hafner lebt schon lange nicht mehr allein von der Schmuckindustrie. Und gerade in den letzten Jahren hätten sich auch andere Unternehmen in Pforzheim und dem Enzkreis umgestellt, berichtet Sibylle Fischer von der Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim. Mitte 2022 noch 8473 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte unter der Rubrik Schmuckindustrie gezählt, etwa 1200 weniger als 15 Jahre zuvor.

Geschrumpft ist vor allem die Zahl der Beschäftigten bei der „Erzeugung und ersten Bearbeitung von Edelmetallen“, wie es in der Statistik heißt, aber auch bei der Herstellung von Schmuck sowie Gold- und Silberschmiedewaren. Dagegen stieg die Zahl der Mitarbeiter in der Produktion von medizinischen und Zahnmedizinischen Apparaten und Materialien von 2688 im Jahr 2007 bis Ende Juni 2022 auf 4000 Beschäftigte.

Schmuckwarenfabrik wird Autozulieferer

Der Autozulieferer Witzenmann hat einen solchen Wandel schon lange vorexerziert. In Pforzheim 1854 als Schmuckwarenfabrik gegründet, setzt das Unternehmen aktuell mit 4300 Beschäftigten etwas mehr als 730 Millionen Euro um. Heute ist Witzenmann mit 1600 Beschäftigten am Firmensitz der größte produzierende Arbeitgeber in Pforzheim.

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