Ehemalige IBM-Zentrale in Vaihingen IBM-Zentrale: Kompromiss in weiter Ferne

Von fal 

Die Insolvenzverwalter halten auch den teilweisen Erhalt des Eiermann-Campus’ nicht für denkbar. Baubürgermeister Hahn wirft den Verwaltern im Zusammenhang mit der ehemaligen IBM-Zentrale „Dreistigkeit“ vor.

Für die ehemalige IBM-Zentrale hat sich bisher kein Investor gefunden. Foto: Zweygarth 14 Bilder
Für die ehemalige IBM-Zentrale hat sich bisher kein Investor gefunden. Foto: Zweygarth

Stuttgart - Bei der Auseinandersetzung über die denkmalgeschützte frühere IBM-Hauptverwaltung in Vaihingen stehen die Zeichen weiter auf Sturm: Erstmals seit dem Abrissantrag haben sich die Insolvenzverwalter zu Wort gemeldet – und sie haben deutlich gemacht, dass aus ihrer Sicht allein der komplette Abriss eine sinnvolle Nutzung des Geländes ermögliche. Auch der beispielhafte Erhalt eines Pavillons des bekannten Architekten Egon Eiermann scheidet für sie aus: Da jedes der fünf Gebäude einer eigenen Objektgesellschaft gehöre und keine benachteiligt werden dürfe, müssten für alle die gleichen Bedingungen gelten. Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) und OB Fritz Kuhn (Grüne) können sich dagegen einen Abriss dieses Kulturdenkmals nicht vorstellen.

Die beiden Frankfurter Insolvenzverwalter Claudia Jansen und Stephan Schlegel haben die externe Kommunikation an eine Kölner Agentur übertragen, die auch die Medienarbeit bei der Nürburgring-Misere gemanagt hat. Pietro Nuvoloni sagte gegenüber der StZ, dass weiter auch die fehlende Wirtschaftlichkeit dagegenspreche, eines der denkmalgeschützten Gebäude zu erhalten: „Ein solcher Kompromiss, der nur den Abriss einzelner Gebäude vorsehen würde, könnte die Vermarktbarkeit des gesamten Areals gefährden“, sagte Nuvoloni.

Auch der Neubau eines Gebäudes reicht nicht zur Rettung

Den Vorschlag des Stuttgarter Architekten Oliver Sorg, auf der Freifläche ein weiteres neues Gebäude zuzulassen, gehe zwar in die richtige Richtung, sei aber noch nicht ausreichend, so der Sprecher. „Ein solches Szenario wurde von den Insolvenzverwaltern gerechnet“, sagte Nuvoloni.

Als „wesentliches Hindernis“ für die Vermarktung der 20 Hektar großen früheren IBM-Hauptverwaltung bezeichneten die Insolvenzverwalter den Denkmalschutz. Man habe eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen, aus der klar hervorgehe, dass die Kosten für die Sanierung und Modernisierung der Gebäude so hoch seien, dass nicht mit einem Ertrag aus der Vermietung zu rechnen sei. Aus diesem Grund finde sich kein Investor. Allein der zwischenzeitlich eingeschaltete Immobiliendienstleister Jones Lang LaSalle habe 60 Gespräche mit Investoren geführt, doch kein einziger habe Interesse bekundet.

Baubürgermeister Hahn dementiert Gespräche

Mit der Stadt habe man mehrfach alle Möglichkeiten durchgesprochen, zuletzt im Februar diesen Jahres. Matthias Hahn dementiert dies: Mit ihm habe noch niemand das persönliche Gespräch gesucht. „Die Dreistigkeit der Investoren besteht darin, dass sie keine wirkliche Mühe auf den Erhalt der Gebäude verwenden“, sagt der Baubürgermeister. Für ihn ist es auch eine pure Behauptung, die Gebäude seien marode, auch wenn die Sanierungskosten sicherlich hoch seien.

Ihn würde vor allem interessieren, für welchen Preis das Gelände bisher angeboten wurde: „Wenn man die Kosten der fehlgegangenen Spekulation hereinwirtschaften will, wird es natürlich schwierig“, so der Bürgermeister. Er will sich in den nächsten Tagen mit OB Fritz Kuhn ins Benehmen setzen, wie man weiter verfahren wolle.

Eine Pflicht, das Gelände in Schuss zu halten, gibt es nicht

Pietro Nuvoloni kündigte daneben offiziell an, dass die Insolvenzverwalter und die Gläubigerbanken – allen voran die DG Hyp, die Teil der Finanzgruppe der Volks- und Raiffeisenbanken ist – das Gelände zum 1. Juli aufgeben, falls die Stadt Stuttgart bis dahin den Abriss nicht genehmige. Man werde dann kein Geld mehr in den Unterhalt der Gebäude stecken. Eine Pflicht der Insolvenzverwalter, das Gelände in Schuss zu halten, gebe es nicht. Schon jetzt hat man auf dem Gelände übrigens den Eindruck, dass nichts mehr getan wird.

Im Grundbuch sind nach wie vor die sechs in Konkurs gegangenen Objekt­gesellschaften eingetragen. Zu den Gläubigern gehören auch zahlreiche Handwerker aus der Region Stuttgart. Dem Vernehmen nach belaufen sich ihre Forderungen auf 3,2 Millionen Euro. Zur Höhe der Gesamtforderungen aller Gläubigerbanken wollte sich Nuvoloni nicht äußern. Der in Konkurs gegangene Investor CB Richard Ellis hat 2007 angeblich 83 Millionen Euro für das Areal bezahlt. Die Forderungen der Gläubiger bleiben bestehen, auch wenn diese das Gelände dem Verfall überlassen.

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