Von einem Frühstart kann nicht mehr die Rede sein, wenn Mercedes-Benz jetzt mit dem Aufbau eines eigenen Netzes von Schnellladesäulen beginnt. Im Gegenteil, der amerikanische Konkurrent Tesla ist dabei gut zehn Jahre voraus. Dessen Supercharger haben zum Erfolg seiner Elektroautos stark beigetragen, Mercedes hofft auf einen ähnlichen Effekt. Es ist eine Aufholjagd – und dennoch ein bedeutender Strategieschwenk, den der Stuttgarter Autokonzern nun einleitet.
Noch ist es nicht zu spät, sich einen Teil vom Kuchen des künftigen Geschäfts mit Ladestationen zu sichern. Zudem sendet Mercedes ein Signal an die Politik: Man beklagt nicht nur die Trägheit der öffentlichen Hände beim Ausbau der Infrastruktur, sondern setzt einen Teil der jüngsten Milliardengewinne selbst dafür ein.
Beim Treffen mit Kanzler Olaf Scholz nächsten Dienstag dürfte Mercedeschef Ola Källenius damit punkten können – auch wenn die Aktivitäten nicht hierzulande, sondern in Übersee starten. Schließlich ist Klimaschutz, zu dem die Elektromobilität beitragen soll, eine globale Aufgabe.
Die Markenqualität verpflichtet – auch beim Laden
In der an Kursänderungen nicht gerade armen Mercedes-Geschichte ist es eine weitere Wendung. Die Trennung von Car-Sharingdiensten samt Konzentration aufs Kerngeschäft mit luxuriösen Autos liegt noch nicht lange zurück. Als Ladepark-Betreiber muss sich Mercedes nun wieder verstärkt als Mobilitätsdienstleister begreifen. Ganz ohne Risiko ist das nicht. Anders als beim Gemeinschaftsunternehmen Ionity, in dem man mit anderen Herstellern gemeinsam Schnellladestationen betreibt, werden die Mercedes-Ladeparks vom Kunden direkt mit der Marke verknüpft. Jeder defekte Ladepunkt, jeder lauwarm servierte Kaffee kratzt dann am Image. Die Kunden erwarten Qualität à la Mercedes – auch an der Ladesäule.