Eine Liebeserklärung Ti amo, Kürbis
Unser Autor ist besessen von Kürbissen. Aus den Hofläden der Region bringt er zentnerweise seltsame Sorten mit nach Hause. Und entdeckt immer noch Neues. Ein Loblied auf ein mystisches Gemüse.
Unser Autor ist besessen von Kürbissen. Aus den Hofläden der Region bringt er zentnerweise seltsame Sorten mit nach Hause. Und entdeckt immer noch Neues. Ein Loblied auf ein mystisches Gemüse.
Neulich war ich auf dem Kürbisfest in Rielingshausen. Das muss man kennen, wenn man im Kürbis-Game mitmischen will. Eine große Sache ist das, die seit vielen Jahren im September und Oktober stattfindet, immer auf dem Gelände vom Obsthof Eisenmann. Der Eisenmann, der ist in der Region um Marbach ein echter Big Player. Und das vor allem im Kürbis-Business. Der Eisenmann pflanzt so viele Kürbissorten an, das glaubt man nicht. Über 600. Und nicht nur das: Jede:r, der die mystische Kürbisausstellung im Blühenden Barock Ludwigsburg besucht und sich über die bizarren Skulpturen aus Kürbis wundert, der oder die wundert sich über Kürbisse von yours truly, Eisenmann. Kürbislicher Hoflieferant seit forever.
Ehrensache, dass ich eine ganzen Kofferraum voller Kürbisse mitgenommen habe. Denn da bin ich wie alle anderen: Es heißt nicht September, Oktober und November. Es heißt Kürbiszeit. Kürbiszeit ist bekanntlich immer, die Dinger bekommt man ja ganzjährig. Aber erst jetzt, erst im goldenen Herbst, ist ein Kürbis richtig. Da verwandle ich mich in einen kürbisbesessenen Amateurkoch, der von den Hofläden aus der Region immer neue, abgefahrene, absonderliche Kürbiskreationen mit nach Hause bringt und sie in der Küche stapelt wie Trophäen.
Hokkaido? Butternut? Muskat? Pah, Amateur:innen, die gibt’s ja überall. Gebt mir die Bischofsmütze, gebt mir den Patisson-Kürbis (bin eh „Twilight“-Fan), gebt mir den Moschuskürbis. Um diese Jahreszeit vertilge ich mehr Kürbis als alles andere. Ich bekomme einfach nicht genug von diesem Wundergewächs. Ich brate ihn, ich schmore ihn, ich röste ihn, ich püriere ihn, ich frittiere ihn, ich backe ihn, ich rasple ihn, ich schiebe ihn im Ganzen in die Röhre oder serviere ihn hauchdünn geschnitten als lauwarmen Salat. Süß oder salzig, pikant oder säuerlich. Als Kuchen oder Marmelade, als Chutney oder Aufstrich, als Inhalt in Ravioli oder als Suppe. Alles kann, nichts muss. Beziehungsstatus: Kürbis.
Kürbis ist kein Gemüse, Kürbis ist eine Lebenseinstellung. Ein Bekenntnis, dass es okay ist, dass wir den Sommer jetzt gehen lassen müssen. Ein:e Kürbisfreund:in ist jemand, der oder die den Sommer genossen hat, aber sich mit offenen Armen in den Herbst stürzt. Es gibt ja nicht umsonst diese alte Sprichwort: Ein Leben ohne Kürbis ist möglich, aber sinnlos. Wer Kürbis mag, wer Kürbis wirklich versteht, der hat mehr vom Leben. Da bin ich mir sicher. Merke es ja an mir selbst.
Ha, und fast hätte ich das Wichtigste vergessen: Kürbis ist GE-SUND! Und wie! Wenig Kohlenhydrate, dafür Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe SATT! Fit For Fun flippt aus, Ernährungsberater:innen frohlocken, den Körper freut es auch: Betacarotin, Kalium, Kalzium, Magnesium und und und und. Lecker, hat man damals gesagt. Heute nennen wir das Superfood.
Und wem das alles nicht reicht: Man kann ihn auch aushöhlen, lustige Gesichtle reinschnitzen und ihn dann mit einem Teelicht auf die Fensterbank stellen. Versucht das mal mit einer Pizza.