Einzelhandel in Stuttgart So viel Geld geben Deutsche für Weihnachtsgeschenke aus

Von Alexander Ikrat 

Nach einer repräsentativen Studie der Wirtschaftsprüfer von EY wollen die Deutschen dieses Jahr noch einmal mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben als zu letzt: 282 Euro pro erwachsenem Bundesbürger. Die Stuttgarter Händler hoffen, dass bei ihnen etwas davon hängen bleibt.

Mit Aktionen wie der langen Einkaufsnacht am 4. November und dem Auftritt der „Anastasia“-Sängerin Judith Caspari auf dem Balkon des Marquardt-Baus kann das Internet nicht mithalten, finden die Stuttgarter Einzelhändler. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Mit Aktionen wie der langen Einkaufsnacht am 4. November und dem Auftritt der „Anastasia“-Sängerin Judith Caspari auf dem Balkon des Marquardt-Baus kann das Internet nicht mithalten, finden die Stuttgarter Einzelhändler. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Es gibt Menschen, die sagen, dass sie schon jetzt alle Weihnachtsgeschenke beisammen haben. Andere wirken bei dieser Feststellung, als merkten sie erst jetzt, dass es auch 2018 ein Weihnachten gibt. Tatsächlich nimmt die Bedeutung des Themas in der Stuttgarter City mit jedem Tag zu, den der Dezember näher rückt. Die Händler rüsten sich für das Weihnachtsgeschäft. Dazu passt eine repräsentative Umfrage unter 1000 Verbrauchern im Auftrag der Wirtschaftsprüfer von EY, die jetzt veröffentlicht wurde.

Nach der EY-Studie will durchschnittlich jeder Deutsche 282 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Das sind sechs Prozent mehr als 2017 und ein Rekordwert, seit die jährliche Studie 2007 erstmals erstellt wurde. Das meiste Geld soll erneut in Gutscheine und Geldgeschenke fließen: im Durchschnitt 67 Euro. Schon auf Platz zwei findet sich ein Trend, der wichtiger denn je zu werden scheint. Karten für Veranstaltungen und andere Events lagen 2017 noch auf Platz acht der mit Euro bezifferten Nennungen. Zusammen mit den ebenfalls häufiger genannten Reisen will der Durchschnittsbürger 42 Euro für solche Geschenke ausgeben.

Escape Rooms sind gefragt

Die Jochen Schweizer GmbH in München, die in der Region Stuttgart vier Geschäfte im Milaneo, in den Königsbaupassagen, sowie in den Beruningerländern Sindelfingen und Ludwigsburg betreibt, verkauft nach eigenen Angaben rund 3800 Events in aller Welt – vom Ponyreiten bis zur Panzerfahrt. Marketing-Managerin Paulina Finke bestätigt den Trend zum Erlebnisgeschenk: „Wir merken seit etwa drei Jahren, wie die Relevanz auch als Weihnachtsgeschenk zunimmt – im Vergleich zum Vorjahr können wir ein hohes zweistelliges Wachstum verzeichnen.“ Neben den Evergreens Fallschirmsprung, Städtereise und Ausfahrt mit dem Quad sei der aktuelle Renner ein Ausflug in sogenannte Escape Rooms, in denen Teilnehmer Aufgaben lösen müssen, um wieder herauszukommen.

Etwas weniger aufregend sind Eintrittskarten zu Konzerten und anderen Vorführungen. Jörg Klopfer von der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart, die auch den Easy-Ticket-Service betreibt, sagt, dass „sehr viele“ der jährlich rund 1,5 Millionen verkauften Tickets in der Weihnachtszeit weggehen: „Wir können aber nicht nachvollziehen, ob die jemand verschenkt oder nicht“, sagt Klopfer. Nach dem Finale der SWR 1-Hitparade am 26. Oktober in der Schleyerhalle zum Beispiel seien schon jetzt wieder mehr als 4300 Karten für das Finale 2019 verkauft, sagt Klopfer: „Da landet mit Sicherheit das eine oder andere unterm Weihnachtsbaum.“

Onlinehandel legt kräftig zu

Diese Trendgeschenke werden häufig über das Internet verkauft, was den Onlinehandel weiter stärkt. 88 von 282 Euro wollen die Befragten nach Angaben von EY per Mausklick ausgeben, nach 56 Euro im Vorjahr ein kräftiger Anstieg. Wird es da den Händlern mit Ladengeschäften nicht angst und bange? „Wir hoffen, dass davon einiges im stationären Handel liegen bleibt“, sagt Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg über die Prognose, dass die Menschen dieses Jahr mehr für Weihnachtsgeschenke ausgeben wollen. Hagmann glaubt, dass der Anteil des Onlinehandels nicht größer werden muss: „Überlastete Lieferdienste, keine Beratung, häufige Rücksendungen, kein Erlebnis: Das Bestellen im Internet ist nicht wirklich bequem“, hofft Sabine Hagmann auf eine Trendwende.

Einkaufen mit Erlebnisfaktor ist auch für die Befragten ein Stichwort: 44 Prozent geben an, dass das vorweihnachtliche Flair mit Weihnachtsmarkt und Veranstaltungen ein wichtiger Anreiz für einen Bummel sei, bei dem Bücher, Lebensmittel, Spielwaren oder Kleidung gekauft werden. Auch dieser Punkt wird immer wichtiger (plus drei Prozent). Das ist Andrea Poul schon länger bewusst. Die Managerin des Einkaufszentrums Milaneo kämpft mit großem Besteck um nach eigenen Angaben bis zu gut 60 000 Kunden täglich. Das Winterdorf auf dem Mailänder Platz, die Programmbühne im Milaneo, Engel, die Süßigkeiten verteilen, und dieses Jahr wandelt auch noch Eiskönigin Elsa durchs Zentrum. „Wir versuchen, die Leute in schöner Atmosphäre in weihnachtliche Stimmung zu bringen“, sagt Poul. Was im Milaneo im Trend sein wird? „Ich erwarte auf den vorderen Plätzen das, was bisher auch schon oft geschenkt wurde: Schmuck, Bücher und Dekoratives.“

Händler wollen mit Beratung punkten

Christoph Achenbach, Geschäftsführer von Lederwaren Acker im Königsbau und bei der City-Initiative Stuttgart im Arbeitskreis City aktiv, hält indes noch was anderes für wichtiger als den Erlebnischarakter: „Es geht um die Beratung und darum, dass wir eine Beziehung zum Kunden herstellen. Dann fühlen er oder sie sich gut aufgehoben.“ Und lassen zumindest einen Teil ihres Budgets für Weihnachtsgeschenke beim Fachhändler liegen. Achenbach freut sich aber auch darauf, dass der Schlossplatz und die Platanen auf der Königstraße in der Adventszeit aufwendig in Szene gesetzt werden: „Die ganze Königstraße wird in einem neuen Lichte sein.“

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