Der Schiedsrichter Guido Winkmann hat am 1:3 in Mainz großen Anteil, ist laut VfB-Trainer Bruno Labbadia aber nicht der Alleinschuldige.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Stuttgart - Bruno Labbadia ist ein von Grund auf höflicher Mensch. Deshalb hat er dem ersten von zwei Kapiteln seiner Analyse, weshalb der VfB trotz einer 1:0-Führung bei den zuvor in neun Partien sieglosen Mainzern mit 1:3 verlor, die Überschrift "Fremdverschulden" gegeben. Dabei hätte man für die deprimierend fehlerhafte Leistung des Schiedsrichtergespannes um Guido Winkmann wohl auch ganz andere Vokabeln finden können.

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff hatte Labbadia noch ein für seine Verhältnisse emotionaler Ausrutscher ereilt. "Ich habe dem Schiedsrichter unter vier Augen mitgeteilt, dass er heute ganz bestimmt nicht seinen besten Tag erwischt hat", erzählte der VfB-Trainer später vom Inhalt seiner Unterredung mit Winkmann am Mittelkreis. Doch der Referee ließ sich nicht aufhalten: Zum Erstaunen des verdutzt zuschauenden Labbadias zog Winkmann, ein Polizeibeamter, in seinem 43. Bundesligaeinsatz noch die Gelb-Rote Karte gegen Maza.

Serie von Fremdeinwirkungen durch Schiedsrichter

"Ich bin einmal auf den Bericht des Schiedsrichters gespannt", sagte der VfB-Trainer Labbadia, "denn ich stand ja direkt daneben - und Maza hat gar nichts gesagt." Der Unparteiische will derweil einige Worte gehört haben, die er allerdings nicht verstehen konnte. Obendrein habe Maza, so Guido Winkmann, ihm seinen Frust direkt ins Gesicht geschrien. "Das war sehr respektlos. Da sind wir im Fußball ohnehin auf einem sehr gefährlichen Weg."

Der Feldverweis für den Mexikaner weit nach dem Abpfiff bildete dabei nur den Schlusspunkt einer Serie von Fremdeinwirkungen durch die Schiedsrichter, an denen der VfB in Mainz schwer zu knabbern hatte: Denn bereits nach einer Stunde war der FSV nach einem unberechtigten Elfmeter durch Andreas Ivanschitz mit 2:1 in Führung gegangen. Dabei war zuvor der FSV-Profi Nicolai Müller im VfB-Sechzehner durch die Wucht der Ballannahme mit der Brust und nicht durch ein Foul des dahinter stehenden Maza umgefallen.

Von Anfang an den VfB in Rage gebracht

Vom Anpfiff an hatte der 37-jährige Winkmann den VfB in Rage gebracht. "Der Schiri hat das ganze Spiel zerpfiffen. Er hat die Emotionen von außen reingetragen", sagte Fredi Bobic, der für den Elfmeterpfiff nur die Begriffe "abenteuerlich" und "der absolute Wahnsinn" übrig hatte.

Bruno Labbadia erzürnte neben dem unberechtigten Strafstoß, der seiner nach gutem Beginn zunehmend wackeligeren Elf den Rest gab, vor allem an einer Szene aus der 55. Minute: Da umkurvte Shinji Okazaki beim Stand von 1:1 im FSV-Strafraum den Mainzer Torhüter Christian Wetklo, ehe dieser den Japaner anrempelte. Doch Okazaki, der unbedingt das Tor machen wollte, fiel nicht um. "Ich sage meinen Spielern immer, dass sie sich nicht hinfallen lassen sollen", erklärte Labbadia, "wenn man aber erst einen Elfmeter kriegt, wenn man auf dem Boden liegt, dann stimmt etwas nicht."

Labbadia sieht in Winkmann nicht den Alleinschuldigen

Fünf Minuten vor Schluss lag dann doch ein Stuttgarter im Strafraum der Gastgeber auf dem Bauch. Es war der eingewechselte Timo Gebhart, der nach einem schönen Solo von einem Mainzer umgerissen wurde. Die Pfeife von Guido Winkmann blieb aber wiederum stumm. Der VfB, der in der Vorrunde der Vorsaison ebenfalls unter diversen Fehlleistungen der Referees zu leiden hatte, ehe er in der Rückserie mehrfach von strittigen Entscheidungen profitierte, darf also zu Recht einen gehörigen Anteil an der 1:3-Niederlage dem Schiedsrichter aus Kerken am Niederrhein zuschreiben.

Doch Bruno Labbadia machte nach der nervenaufreibenden Partie nicht den Fehler, in Guido Winkmann den Alleinschuldigen zu sehen. "Wir waren hier schon ein gutes Stück auf der Siegerstraße unterwegs", sagte der 45-jährige Coach, in dessen Analyse aber auch das Kapitel "Eigenverschulden" auftaucht.

So bekamen im Mittelfeld weder Tamás Hajnal noch William Kvist noch Zdravko Kuzmanovic das Spiel in den Griff. Und als der emsige Martin Harnik nach unzähligen Versuchen endlich per Flanke Cacau gefunden hatte, da gab der VfB das verdiente 1:0 (50.) viel zu schnell aus der Hand. "Das Gegentor zum 1:1 kam ja aus dem Nichts", sagte Labbadia, der mitansehen musste, wie seine sonst so sichere Abwehr gegen durchschnittlich begabte Mainzer große Probleme bekam - und erstmals drei Gegentore hinnehmen musste.

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