Manche Selbstverständlichkeiten werden einem erst bewusst, wenn man mit ihnen konfrontiert wird: Wer ein Elektroauto oder einen Plug-in-Hybrid hat, merkt auf einmal: Strom kann man nicht bar bezahlen. Und selbst wenn der Strom einfach aus der Steckdose kommt, muss er erst mal ins Auto. Zwar haben viele E-Auto-Besitzer zuhause eine Lademöglichkeit, zum Beispiel eine Wallbox, unterwegs sind sie aber alle auf die öffentlichen Ladesäulen angewiesen. Doch wie steht’s um die Ladeinfrastruktur im Kreis Esslingen?
36 Säulen in Esslingen – nur drei im Scharnhauser Park
Rund 15 000 rein- oder teilelektrisch angetriebene Autos waren 2021 im Kreis Esslingen angemeldet. Rund 250 öffentliche Lademöglichkeiten gibt es für diese E-Autos, dazu teilöffentliche wie bei einigen Supermärkten und Autohändlern. Die Lademöglichkeiten sind im Kreis jedoch sehr ungleich verteilt. Im Stadtgebiet Esslingen kann das E-Auto an 36 Ladesäulen auftanken, im dicht besiedelten Scharnhauser Park gibt es nur drei öffentliche Lademöglichkeiten. Deshalb haben die Kommunen unterschiedliche Strategien, um eine ausreichende Lade-Infrastruktur zu gewährleisten.
Die größeren Städte wie Esslingen und Nürtingen scheinen mit öffentlichen Ladepunkten gut versorgt zu sein. „Zwar bin ich sicher, dass auch hier noch einiges zu tun ist, von Bürger- oder Unternehmerseite gab es bisher aber noch keine Kritik, dass Ladesäulen vermisst würden. Anscheinend kommen die Nürtinger Bürgerinnen und Bürger gut mit dem Angebot zurecht“ so Clint Metzger, der Nürtinger Rathaussprecher. Das liegt auch daran, dass trotz der relativ hohen Elektroautodichte die Energieversorger in den Städten dank des guten Absatzmarktes selbst ein wirtschaftliches Interesse haben, ein engmaschiges Ladenetz aufzubauen.
Schnellladesäule an der Autobahnraststätte Denkendorf
Noch lukrativer sind für die Wirtschaftsunternehmen die Schnellladepunkte an Fernstraßen. Denn dort können die Anbieter zu höheren Preisen in kürzerer Zeit mehr Autos abfertigen. Eine Strategie, nach der auch die EnBW den künftigen Ausbau ihres Ladenetzes ausrichten wird. „Wir setzen beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur den Fokus ganz klar auf das Schnellladen, da es am besten zum Ladebedarf der Autofahrerinnen passt. So können sie etwa beim Einkaufen oder auf der Fernstrecke schnell neue Reichweite gewinnen“, erklärt Henrike Reichert, die EnBW-Pressesprecherin für E-Mobilität. Im Kreis Esslingen gibt es an der Autobahnraststätte Denkendorf eine Schnellladesäule.
Die kleineren Städte und Gemeinden scheinen hingegen andere Strategien der Versorgung zu wählen. Diese stützt sich in Neuffen zum Beispiel auf die eigenen Stadtwerke. Zurzeit betreiben die Stadtwerke Neuffen eine Ladesäule mit zwei Anschlüssen auf dem Parkplatz mitten in der Stadt. Neuffens Bürgermeister Matthias Bäcker ist Geschäftsführer der Stadtwerke und berichtet: „Bei allen Tiefbaumaßnahmen an Straßen prüfen wir, ob wir neue Ladesäulen errichten können. Im Sommer werden wir zum Beispiel beim Ausbau der Friedrich-Silcher-Straße eine neue Ladesäule bauen. Wir können so flexibel sein, weil wir hier unsere eigenen Stadtwerke haben.“ Für Bürgermeister Bäcker ist der Ausbau der öffentlichen Ladepunkte auch noch aus einem anderen Grund wichtig: „Ich denke immer auch an die Mieter. Sie haben eher nicht die Möglichkeit, an einer eigenen Wallbox zu laden und man kann manchmal auch kein meterlanges Kabel in den eigenen Keller legen. Die Mieter sind auf die öffentlichen Ladepunkte angewiesen.“
Bleiben die Kommunen auf den Kosten sitzen?
Und schließlich gibt es Kommunen, die ihre Ladeinfrastruktur selbst aufbauen. So wie Wernau. Zurzeit gibt es in der Stadt zwei Ladesäulen mit je zwei Ladepunkten. Eine vor dem Quadrium und eine im Parkhaus am Stadtpark. Die am Quadrium sei auch sehr gut frequentiert, berichtet Patrick Klein, Leiter des Stadtbauamtes. Und diese Ladesäule hat die Stadt Wernau geplant, gekauft und aufgebaut. Zuschüsse gab es vom Land, den Großteil habe jedoch die Stadt getragen, so der Amtsleiter. „Uns fehlen aber die Möglichkeiten der Refinanzierung. Denn die Einnahmen bekommt zum größten Teil der Stromanbieter, der die Ladesäule betreibt,“ erzählt Patrick Klein. „Schöner wäre es natürlich, dieser Anteil wäre höher.“
Das kleine Lade-Einmaleins
Laden
Ladestationen findet man über Google oder über die verschiedenen Apps, zum Beispiel die enbw mobility+-App der EnBW. In dieser App sieht man auch gleich, ob die Ladestation vom Steckertypus her passt und ob sie gerade frei ist. Zunächst aber muss ich mich bei einem Anbieter anmelden, die App herunterladen und eine Karte zur Identifikation bestellen.
Kabel
Es gibt Ladestationen mit und ohne Kabel, bei den meisten braucht man jedoch ein eigenes Ladekabel. Zum Bezahlen genügt die App selbst oder die Plastikkarte.
Bußgeld
Ich darf an den Ladestationen nur während des Ladevorgangs stehen. Nach vier Stunden wird beispielsweise bei der EnBW eine Blockiergebühr von zehn Cent pro Minute berechnet. Und wer an der Ladesäule nur parkt, muss mit einem Bußgeld rechnen.
Kosten
Achtung die Preise können stark variieren. Grundsätzlich gilt, je schneller ich laden will, desto höher sind die Preise. Der aktuelle Preis muss in der App hinterlegt sein. Tipp: Nur schnell laden, wenn es wirklich eilig ist.
Förderung
Ausgelaufen ist die Förderung privater Wallboxen, sie soll auch nicht mehr neu aufgelegt werden. Rein elektrisch betriebene Autos werden bis 31. Dezember 2022 mit bis zu 9570 Euro gefördert, danach sinkt der Fördersatz und soll Ende 2025 komplett auslaufen. Plug-in-Hybride werden nur noch bis Ende des Jahres gefördert. Wichtig: Die Prämie erhält man nur, wenn das Auto bis zum Stichtag angemeldet ist.