Erkensbrechtsweiler Das Fenster zu den Kelten steht weit offen

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Die Landesregierung adelt die Pläne der Gemeinden Grabenstetten, Hülben und Erkenbrechtsweiler, das historische Erbe des Heidengrabens touristisch zu erschließen, zum Pilotprojekt. Über Geld soll zu gegebener Zeit gesprochen werden.

Bisher ist das rekonstruierte Zangentor bei Erkenbrechtsweiler der sichtbarste Beleg der Keltensiedlung. Das soll sich ändern. Foto: Horst Rudel
Bisher ist das rekonstruierte Zangentor bei Erkenbrechtsweiler der sichtbarste Beleg der Keltensiedlung. Das soll sich ändern. Foto: Horst Rudel

Ostfildern - Gegraben, gegrübelt, geplant und gehofft – lange Jahre hat dieser Vierklang die Pläne der Gemeinden Hülben, Grabenstetten und Erkenbrechtsweiler bei dem Versuch begleitet, die Region um den Heidengraben mit einem Keltenerlebniszentrum touristisch aufzuwerten. Jetzt haben die Pläne, das historische Erbe der Vorderen Alb einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, ordentlich Rückenwind bekommen. Die baden-württembergische Landesregierung hat das Keltenerlebniszentrum am Burrenhof im Rahmen ihrer im Januar auf den Weg gebrachten Konzeption „Baden-Württemberg und seine Kelten“ in den Rang eines Pilotprojekts erhoben.

Die zuständige Kulturstaatssekretärin Petra Olschowski hat in Aussicht gestellt, diese vorerst ideelle Absichtserklärung in der nächsten Haushaltsrunde mit Geld zu hinterlegen. „Das Land wird die Gemeinden bei der Umsetzung des Keltenerlebniszentrums unterstützen“, hat die Staatssekretärin bei einem Ortstermin am Freitag in Erkenbrechtsweiler versprochen.

Die ehemals größte keltische Siedlung in Europa

Wenn es um die Bewahrung des kulturgeschichtlichen Erbes des Landes gehe, stehe die Heuneburg bei Sigmaringen als zentrales Element zwar an erster Stelle, doch ­seien die drei Albgemeinden mit ihrem Heidengraben-Projekt konzeptionell weiter. „Wir haben hier schon eine gute Basis, um diesen historisch bedeutsamen Platz zu würdigen, und sehen die große Qualität der Pläne, über das Zusammenspiel von Natur, Kultur und zukunftsorientierter digitaler Vermittlung alle Bevölkerungsschichten anzusprechen“, so die Staatssekretärin.

Die vom Heidengraben umschlossene Elsachstadt gilt als die ehemals größte keltische Siedlung in Europa. Der in der Landschaft noch immer deutlich sichtbare Befestigungswall, der gemeinsam mit den tief eingeschnittenen Tälern von Lauter und Erms die Vordere Alb vor möglichen Invasoren geschützt hat, hatte vor mehr als 3000 Jahren bis zu 10 000 Menschen eine Heimat geboten. „Da, wo die Kelten früher ihre Heimat hatten, ist jetzt unsere Heimat“, skizzierte der Grünen-Fraktionschef im Landtag, Andreas Schwarz, die Beweggründe des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, sich persönlich des Themas zu widmen.

Das Erlebniszentrum soll ein Publikumsmagnet werden

Das Kleeblatt am Heidengraben – Grabenstetten, Hülben (beide Kreis Reutlingen) und die Esslinger Kreisgemeinde Erkenbrechtsweiler – tüftelt seit Jahren an einem Konzept zur touristischen Erschließung des einmaligen Flächendenkmals. Auf dem Papier hatte das Erlebniszentrum zwar immer konkretere Formen angenommen, die Finanzierung allerdings war allenfalls in Umrissen zu erkennen. Die letzte Kostenschätzung für das Großprojekt auf dem Gelände am Burrenhof hatte sich auf rund fünf Millionen Euro belaufen. Die Unterstützung aus Stuttgart, immer verbunden mit dem Lob an die drei Bürgermeister für ihre weitsichtige Vorarbeit, gibt dem Projekt nun eine unverhoffte Schubkraft. „Gedanklich sehe ich den grünen Start-Button schon vor mir“, sagt denn auch Siegmund Ganser, der Bürgermeister von Hülben, im Namen seiner Kollegen ­Roman Weiß (Erkenbrechtsweiler) und Roland Deh (Grabenstetten).

Der Esslinger Landrat Heinz Eininger wiederum sieht in der Keltenoffensive die einzigartige Chance, das neue Zentrum in die schon bestehenden Publikumsmagneten am Albtrauf – die Burgruine des Hohenneuffen, das Freilichtmuseum Beuren und die Heilbäder in Beuren und Bad Urach – konzeptionell einzubetten.