Erneuerbare Energie Planung für Windräder nimmt Fahrt auf

Windparks an Land könnten in den nächsten Jahren entstehen – auch in der Nähe von Burg Lichtenberg? Foto: dpa

Die EnBW und die Firma Uhl wollen neun Windkraftanlagen im Hinterland der Oberstenfelder Burg Lichtenberg errichten.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Die Windkraft ist auf dem Vormarsch. So laufen derzeit Vorplanungen für neun Windkraftanlagen an der Hohen Straße zwischen dem Flugplatz in Völkleshofen bei der Burg Lichtenberg in Oberstenfeld, Aspach und Oppenweiler. Mögliche Investoren sind die Energie Baden-Württemberg (EnBW) und die Ellwanger Uhl Windkraft GmbH. Die Unternehmen bestätigten auf Anfrage ihr Engagement.

 

Der schnelle Ausbau der Windkraft ist das erklärte politische Ziel von Bund und Land. Das hatte zuletzt Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bekräftigt. Der Grünen-Politiker kündigte angesichts des Russland-Ukraine-Krieges beschleunigte Genehmigungsverfahren an. Zwei Prozent der Fläche sollen für Windkraft verwendet werden. Das Land will 1000 neue Standorte realisieren und hat elf Standorte für 140 Anlagen im Staatswald ausgewiesen. Auch die Windkraft-Standorte im Hinterland der Burg Lichtenberg gehören der Forst BW.

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Die Standorte Amalienhöhe und Mönchsgarten sind bisher wie auch andere Standorte im Rems-Murr-Kreis durch Landschaftsschutzgebiete und das Drehfunkfeuer Luburg bei Affalterbach und dessen 15-Kilometer-Radius ausgebremst worden. Der für den Flugverkehr bislang wichtige Signalgeber soll jedoch 2023 abgeschaltet werden – ein Termin dafür steht laut Landratsamt Rems-Murr noch nicht fest.

Groß an die Öffentlichkeit getreten sind die Windkraft-Projektierer bisher noch nicht. Sogar Bürgermeister in der Umgebung sind in die Pläne nicht involviert. „Ich weiß davon bisher noch nichts und kann dazu nichts sagen“, sagt etwa das Oberstenfelder Ortsoberhaupt Markus Kleemann. Seine Kollegin Sabine Welte-Hauff im benachbarten Aspach steht hingegen in Kontakt mit den Firmen. „Wir wollen aber erst die Ergebnisse der Untersuchungen abwarten, bevor wir informieren“, sagt sie.

Segelflieger brauchen Abstand zum nächsten Windrad

Das Stichwort Windkraft fiel kürzlich in der Sitzung des Gemeinderats in Aspach, als die Segelfliegergemeinschaft Backnang eine Sondergenehmigung für Motorflugzeuge bis zwei Tonnen beantragte und dabei auch ein ausreichender Abstand zu Windkraftanlagen eine Rolle spielte. Ein zu nah platziertes Windrad böte Flugrisiken.

Altersberger SPD-Rat sieht keinen Grund zur Sorge

Entspannt blickt Wolfgang Schopf in Altersberg dem Bau von Windkraftanlagen entgegen. Der ehemalige Oberbrandmeister sitzt für die SPD im Aspacher Gemeinderat und sieht für die rund 120 Bewohner des Weilers keinen Grund zur Sorge. „Die Windkraftanlagen werden vier Kilometer entfernt sein und mitten im Wald stehen“, sagt er, zählt die Vorteile einer nachhaltigen Energieversorgung und den finanziellen Nutzen für die Gemeinde auf. Ob sich jemand am Anblick der fast 200 Meter hohen Anlagen stören könnte? „Das muss man abwarten.“

Uhl: Eine Windkraftanlage könnte 10 000 Menschen mit Strom versorgen

Aus Sicht der Unternehmen zählt ihr Beitrag zur Energieversorgung. Jedes der geplanten Windräder könnte rein rechnerisch 5200 Zwei-Personen-Haushalte mit einem Verbrauch von 2500 Kilowattstunden pro Jahr und damit mehr als 10 000 Menschen mit Strom versorgen, teilt der Projektleiter Philip Gohl von der Firma Uhl mit. Das Unternehmen wolle fünf, die EnBW-Konzern vier Anlagen bauen. Die genaue Anzahl und der Typ der Windkraftanlage stünden ebenso wie der Zeitpunkt zum Einstieg ins Genehmigungsverfahren noch nicht fest.

Landratsamt hat noch keinen Antrag zur Genehmigung

Von einer Vorbesprechung im vergangenen Sommer berichtet Leonie Graf, Pressesprecherin des Landratsamtes Rems-Murr. Beispielhaft sei die Anlage Vestas 162 mit einem Rotordurchmesser von 162 Metern, einer Nabenhöhe von 169 Metern und einer Leistung von sechs Megawatt genannt worden. Wegen noch nicht eingereichter Unterlagen könne man auch nicht beurteilen, ob der Mindestabstand von 1015 Metern zur Wohnbebauung eingehalten werde. Grundlage dafür sei die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm). Sie sehe unter Umständen ein Abschalten nach 22 Uhr vor.

Die EnBW vermisst die raumplanerische Sicherheit

Die Energie Baden-Württemberg sieht im Windatlas 2019 den Beleg für ein erhebliches Potenzial in der Region Stuttgart. „Es fehlt aber bisher die raumplanerische Sicherheit durch den Regionalplan“, sagt EnBW-Sprecher Jörg Busse. Das sei deshalb so wichtig, da in der Region Stuttgart die Grünzüge als Ausschluss für Windenergieprojekte gälten. Die EnBW stehe mit drei Windkraftanlagen in Welzheim/Plüderhausen im Genehmigungsverfahren, in Hohenstadt im Landkreis Göppingen baue man einen Windpark mit drei solcher Anlagen.

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Die EnBW will ihre Stromerzeugung aus eigenen Windanlagen bis 2025 verdoppeln. Die Menge steige dann auf vier Gigawatt. Dann würden aus Wind- und Sonnenenergie mehr als 50 Prozent des EnBW-Erzeugungsportfolios stammen. Zum Jahresende 2021 belief sich die Leistung aller erneuerbaren Energien des EnBW-Konzerns auf 5,1 Gigawatt – davon zwei Gigawatt Wind.

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