„Einfach bezaubernd“, findet Howard Gee alles, was er in diesen Tagen in Kornwestheim erlebt. Es ist sein erster längerer Aufenthalt in Deutschland. Der promovierte Biologe ist zugleich Direktor der International School im Süden Mumbais und hatte mit seinen zwei Kollegen und einer kleinen Schülergruppe sicher die weiteste Anreise nach Kornwestheim.
Ein neuer Imagefilm feiert Premiere
In der Bildungseinrichtung mit rund 320 Schülern aus 16 Nationen vom dreijährigen Kindergartenkind bis zum 18-jährigen Abiturienten ist Verkehrssprache Englisch, Deutsch dann die erste Fremdsprache. Der Kontakt ins ferne Indien kam über Christoph Mühlthaler, den jetzigen Schulleiter des Ernst-Sigle-Gymnasiums (ESG) zustande. Bis vor zehn Jahren hat er die Schule in Mumbai geleitet. „Während der Coronazeit haben wir online den Kontakt gehalten“, erinnert er sich. Als Gelegenheit für einen Besuch der indischen Delegation habe sich einfach die Jubiläumsfeier angeboten, so Mühlthaler.
Kornwestheim und das ESG präsentierten sich an diesem Herbsttag im allerbesten Licht. Während Gee von Indien erzählt, haben sich im hinteren Teil des Schulhofes schon an die 100 Tanzbegeisterte verschiedenster Altersstufen, vom Kleinkind auf Papas Schultern bis zur jung gebliebenen Oma, zur Musik einer Schülerband versammelt.
Auf dem Ablaufplan steht als nächstes die Premiere des neuen Schul-Imagefilms. Im improvisierten abgedunkelten Kino kann die Luftbild-Ansicht der Schule im Grünen genauso viel Lust aufs Lernen machen wie ein Blick in den Unterricht in den freundlichen hellen Räumen für Naturwissenschaften, Sprachen oder Kunst.
1948 erfolgte die Genehmigung des Kultusministeriums
Im Gebäudeteil auf der entgegengesetzten Seite wird zeitgleich eine Fotoausstellung zur Geschichte der Schule in historischen Schwarz-Weiß-Bildern von den späten 1940er Jahren bis zur farbigen aktuellen Zeit eröffnet. Nachdem die Alliierten in den Jahren 1945 bis Ende 1947 für ganz Deutschland ein System mit Gesamtschulen nach amerikanischem Vorbild favorisiert hatten, setzten einige Bundesländer bald danach die Rückkehr zum früheren dreigliedrigen Schulsystem wieder in Kraft. Für Kornwestheim erfolgte die Genehmigung einer ersten Oberschulklasse durch das Kultusministerium unmittelbar danach im Sommer 1948 und war damit sicher der Grundstein für eine der ersten Gymnasiums-Neugründungen in Württemberg.
Samenbomben oder lieber eine Baumpatenschaft?
Die meisten der mehreren Hundert Gäste auf dem mittlerweile voll besetzten Schulhof bleiben allerdings lieber im Freien. Im Grünzug zur Rechbergstraße hin stehen viele im Kreis um eine Gruppe Schüler und Lehrer aus Deutschland und Indien mit Spaten herum. Die heben eine große Grube aus.
Neben der Grube wartet ein stattlicher Baum schon darauf, gepflanzt zu werden. „Schieben, schieben“, skandieren die Umstehenden. Und tatsächlich ist bald der Baum samt mächtigem Wurzelballen genau in der Mitte der Vertiefung positioniert. Und während noch einige Unterstufenschülerinnen eine Art Stampftanz auf der aufgeschaufelten Erde rund um den Baum ausführen, ist Musiklehrer Matthias Collmer zum Schülerchor und der Mittelstufenband geeilt, um diese beim beliebtesten Song des umjubelten Schul-Musicals „Let it grow“ zu dirigieren, in dem es um die Begrünung von Steppenlandschaften in Nordafrika geht.
In Kornwestheim wird der an diesem Tag gepflanzte Baum der erste von insgesamt 75 Exemplaren sein, die Kornwestheim grüner machen sollen und durch das Ernst-Sigle-Gymnasium finanziert werden. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. Einerseits kann man eine von Schülern gebastelte sogenannte Samenbombe zum Ausbringen im öffentlichen Raum erwerben. „Oder man kann eine Baumpatenschaft in Gold, Silber oder Bronze übernehmen“, erklärt Lehrerin und Abteilungsleiterin Elena Klenk.