Ernte im Kreis Ludwigsburg Schlechte Ausbeute bei Getreide und Kartoffeln

Viele   Felder im Kreis sind schon  abgeerntet. Foto: factum/Granville
Viele Felder im Kreis sind schon abgeerntet. Foto: factum/Granville

Die Landwirte im Kreis Ludwigsburg fahren dieser Tage weniger Ernte ein als erhofft. Schuld daran sind die feuchte Witterung in diesem Jahr – und zahlreiche Schädlinge.

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Kreis Ludwigsburg - Das goldgelbe Stroh ist in diesen Tagen die dominierende Farbe auf den Feldern im Strohgäu – die Restbestände nach der Ernte oder die Ähren, die noch stehen. Es ist aber nicht alles Gold, was glänzt: Die Ernte in diesem Jahr sei „unterdurchschnittlich schlecht“, sagt Eberhard Zucker, der Chef des Kreisverbands der Bauern. Und er fügt hinzu: „Es ist kein Bauerngejammer.“ Beim Winterweizen zum Beispiel rechne er mit einer Minderernte gegenüber dem Durchschnitt von 20 bis 30 Prozent. Und der Preis steige sicher nicht so weit, dass die fehlende Menge dadurch ausgeglichen werden könne, meint Zucker.

Albert Scholpp vom Fachbereich Landwirtschaft im Ludwigsburger Landratsamt rechnet über alle Getreidesorten hinweg mit einem Minus von zehn bis 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – welches allerdings sehr gut gewesen sei. Diese Prognose lasse sich auch schon relativ genau treffen, denn 98 Prozent der Felder seien jetzt abgeerntet. Zwar gebe es auch Landwirte, die besser dastünden als zuletzt, insgesamt rechnet er aber mit einer unterdurchschnittlichen Ausbeute im Kreis.

Bei manchen Sorten rechnen die Bauern mit 30 Prozent Minus

Noch schlimmer sieht es laut Scholpp auf den Kartoffelfeldern aus. Manch ein Landwirt müsse einen Totalausfall seiner Ernte verkraften, vielerorts verfaulten die Pflanzen schon auf dem Feld oder kurz nach der Lagerung. Der Grund: Phytophthora infestans – die Kraut- und Knollenfäule. Die durch einen Pilz hervorgerufene Krankheit befällt die Kartoffeln und macht sie ungenießbar.

Beim Grund für die Einbußen sind sich die Landwirte einig: die Witterung. Denn die war in diesem Jahr bislang extrem, mit überdurchschnittlich viel Niederschlag und immer nur kurzen trockenen Phasen dazwischen (siehe Grafik). Vor allem in der Hauptwachstumsphase im Mai und Juni konnten die Getreidepflanzen kaum richtig tiefgehende Wurzeln bilden. Das sei schlimmer als der besonders heiße Sommer im vergangenen Jahr, sagt Scholpp. Außerdem hätten die Bauern durch den ständigen Regen-Sonne-Mix nur wenig Zeit gehabt, alles Nötige zeitgerecht zu erledigen. Für Schädlinge und Krankheiten war das feuchte Klima überdies ein idealer Nährboden.

Der viele Regen vermiest die Ernte

Es habe zwar viel geregnet, so richtig angekommen im tiefen Boden sei das Wasser von oben aber nicht, sagt Karl Schmid aus Korntal-Münchingen, der seit rund vier Jahrzehnten Landwirt ist. Es klingt ein wenig schizophren für Außenstehende, Schmid aber erklärt es schlüssig: „Wegen der heftigen Schauer und Gewitter ist der Regen abgelaufen, die rasch gewachsene Frucht aber nie richtig abgetrocknet und dauernd feucht gewesen.“

Die ungleiche Verteilung der Niederschläge hat laut Karl Schmid noch eine andere Auswirkung bei den Erträgen: Die Böden mit mehr Steinen hätten in diesem Jahr bessere Erträge gebracht als die lehmigen, die an sich als die besseren gelten. Schmid: „Die Enttäuschung der Kollegen mit besseren Böden ist größer als die derjenigen mit den schlechteren.“

Eine Erkenntnis, die auch Hans Kurz bestätigt. Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der landwirtschaftlichen Ortsvereine in Remseck sagt: „Einige sind zufrieden, andere nicht.“ Rund um Neckar und Rems sei die Kornernte maximal durchschnittlich, im Vergleich zum vorigen Jahr aber schlechter. Hinzu komme der nach wie vor niedrige Weltmarkt-Preis für Getreide. Kurz rechnet mit 12 bis 14 Euro, die er und seine Kollegen für 100 Kilo erlösen werden. „Das ist nicht mehr wirtschaftlich“, sagt Albert Scholpp. Vor vier Jahren habe der Preis noch bei 22 Euro pro Doppelzentner gelegen. Für kleinere Betriebe könne das auf Dauer zum Problem werden.

Kirschessigfliege schadet der Obsternte

Mit einem guten Ertrag rechnen die Bauern lediglich bei den Zuckerrüben und beim Mais, was vor allem als Futter in den Ställen verwendet wird. Auch die Obstbauern in der Region blicken nicht gerade optimistisch in den Erntekorb: Ihnen macht die Kirschessigfliege zu schaffen, welcher der nicht gar so heiße Sommer gut gefällt. Sie schädigt nahezu reife Fürchte, wie zum Beispiel Kirschen, Brombeeren, Himbeeren und Pflaumen, macht sie matschig und ungeeignet für den Verkauf. Weil die Fliege so kurz vor der Ernte zuschlägt, hilft kaum ein Spritzmittel gegen sie. Teile der Kirschbäume im Kreis seien gar nicht erst geerntet worden, sagt Scholpp.

Für ihre Jahresbilanzen wählen die Landwirte im Landkreis teils prägnante Sätze. „Ein anspruchsvolles Jahr“ sei 2016, meint der Gerlinger Martin Maisch, an vielen Tagen sei erst um 22 oder 23 Uhr Feierabend gewesen. Es gelte offenbar immer noch die alte Regel, dass in einem trockenen Jahr „noch kein Bauer verreckt“ sei – in einem nassen hingegen schon. Er blicke auf „ein spannendes Jahr“ zurück, sagt Karl Schmid aus Münchingen diplomatisch. „Wir mussten jede gute Stunde nutzen.“




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