Landwirtschaft im Strohgäu Ein spannendes Jahr für die Landwirte

Zwischen wogendem Getreide ist auch noch Grünfutter zu ernten. Wobei in diesen Tagen sich das Bild auch rasch  ändern kann – vor allem vor einem Regen. Foto: factum/Granville
Zwischen wogendem Getreide ist auch noch Grünfutter zu ernten. Wobei in diesen Tagen sich das Bild auch rasch ändern kann – vor allem vor einem Regen. Foto: factum/Granville

Die Getreideernte ist auf den Feldern in vollem Gang – nicht nur zwischen Hemmingen und Gerlingen. Die Bauern registrieren im Vergleich zum Vorjahr Einbußen. Die sind vor allem auf das wechselhafte und nasse Wetter im Frühjahr zurückzuführen.

Ludwigsburg: Klaus Wagner (kwa)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Strohgäu - D as goldgelbe Stroh im Strohgäu dominiert in diesen Tagen die Farbe auf den Feldern – die Restbestände nach der Ernte oder die Ähren, die noch stehen. Es ist aber nicht alles Gold, was glänzt: „Es ist kein Bauerngejammer“, sagt Eberhard Zucker, denn die Ernte sei in diesem Jahr wirklich „unterdurchschnittlich schlecht“. Was der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes aus Vaihingen anspricht, bestätigt Karl Schmid aus Münchingen, der diese Funktion lange Jahre innehatte und seit rund vier Jahrzehnten Landwirt ist.

Nach seinem Überblick beträgt die Ernteeinbuße heuer rund zehn bis 15 Prozent beim Getreide insgesamt. Zucker nennt noch höhere Werte: beim Winterweizen ergebe sich eine Minderernte gegenüber dem Durchschnitt von 20 bis 30 Prozent. Und der Preis steige garantiert nicht so weit, dass die fehlende Menge dadurch beim Ertrag ausgeglichen werden könnte.

Vor allem Getreide und Kartoffeln

„Rund 1100 Betriebe ab einer Größe von fünf Hektar gibt es noch im Landkreis Ludwigsburg“, sagt Eberhard Zucker. Die beschäftigen sich neben Viehzucht, Milchwirtschaft und Sonderkulturen wie Gemüsebau, Spargel oder Obstbau vor allem mit dem Anbau von Getreide und Kartoffeln. Dabei ist jeder Landwirt von der Witterung abhängig – und die war in diesem Jahr extrem.

Wegen der vielen Niederschläge und der immer nur kurzen trockenen Phasen dazwischen, vor allem in der Hauptwachstumsphase im Mai und Juni, hätten die Bauern nur wenig Zeit gehabt alles Nötige zeitgerecht zu erledigen, sagt Karl Schmid. Es klingt ein wenig schizophren für Außenstehende, der Landwirt aber erklärt es schlüssig: Es hat oft geregnet, so richtig angekommen im tiefen Boden ist das Wasser von oben aber nicht.

„Wegen der vielen Schauer und Gewitter ist der Regen abgelaufen, die rasch gewachsene Frucht nie richtig abgetrocknet und dauernd feucht gewesen“, sagt Schmid. Das bedeutet extreme Anfälligkeit und Verbreitung von Pilzkrankheiten – und das zieht im konventionellen Landbau massiven Pflanzenschutz, sprich Anwendung von Spritzmitteln, nach sich.

Besserer Ertrag auf schlechteren Böden

Die ungleiche Verteilung der Niederschläge hat laut Karl Schmid noch eine andere Auswirkung bei den Erträgen: Die Böden mit mehr Steinen hätten in diesem Jahr bessere Erträge gebracht als die lehmigen, die als die besseren gelten. Schmid: „Die Enttäuschung der Kollegen mit besseren Böden ist größer als die derjenigen mit den schlechteren.“ Die „besseren“ Landstriche im Strohgäu seien die Gegenden von Hemmingen über Heimerdingen und Münchingen bis nach Kornwestheim.

Ganz zufrieden mit dem Ertrag, zumindest bei der Wintergerste, ist der Gerlinger Landwirt Martin Maisch. Die Dauerfeuchte sei für das Getreide, das er vor allem als Futter für seine Milchkühe einsetzt, gar nicht so schlecht gewesen. Vom Weizen werde er angesichts der schlechten Preise mehr als Futter behalten als früher. Die frühen Kartoffeln seien klein geblieben, und auch die Kirschessigfliege sei wieder massiv präsent – die schade aber mehr den Weingärtnern. Aufpassen müsse er bei der Ernte der Brombeeren: „Die Fliege verdirbt oft einen Großteil der Früchte wenige Tage vor der Pflückreife.“

Der Mais hingegen stehe recht gut da. Mit Jammern aber, so meint Maisch, „wird nicht’s anders“ – da könne man noch so viel über schlechte Preise für Milch und Getreide klagen. Apropos Milchpreis und Rinderställe, die mancher Bauer erst für viel Geld umgebaut hat: „Da musst du einfach weitermachen“, meint Maisch. Den Bestand zu reduzieren sei keine Lösung.

In ihren Zusammenfassungen sind die Landwirte prägnant. „Ein anspruchsvolles Jahr“ sei 2106, meint Martin Maisch, an vielen Tagen sei erst um 22 oder 23 Uhr Feierabend gewesen. Es gelte aber immer noch die Regel, dass in einem trockenen Jahr „noch kein Bauer verreckt“ sei – in einem nassen hingegen schon. Er blicke auf „ein spannendes Jahr“ zurück, meint Karl Schmid: „Wir mussten jede gute Stunde nutzen.“ Auch am Sonntag. Was gegen jede Überzeugung des überzeugten Christen ist.




Unsere Empfehlung für Sie