Erntejahr im Stuttgarter Norden Hoher Ertrag, niedrige Preise

Von Leonie Schüler 

Es war ein gutes Erntejahr für Getreide und Äpfel. Das macht sich nun im Handel bemerkbar. Aufgrund des stark erhöhten Ertrages kosten Äpfel beispielsweise fast nichts mehr.

Den Mais wird Bauer Hansjörg Benz häckseln und Foto: Schüler
Den Mais wird Bauer Hansjörg Benz häckseln und Foto: Schüler

Stuttgarter Norden - Nicht nur das Wetter zeigt uns unmissverständlich, dass sich der Sommer dem Ende neigt, sondern auch ein Blick auf die Äcker. Die Getreidefelder sind gemäht, das Korn wurde Anfang August eingeholt. „Wir waren dieses Jahr etwa zehn Tage früher dran“, sagt der Zazenhäuser Bauer Hansjörg Benz. Der Ertrag sei sehr gut gewesen, „das Wetter hat in Summe gepasst“. Nicht nur im Stuttgarter Norden, sondern europaweit liege der Getreideertrag deutlich über dem Durchschnitt. Noch im Frühjahr sei nicht absehbar gewesen, dass die Ernte so gut ausfallen würde. Denn da der Boden wegen des milden Winters nie richtig gefroren ist – die Bauern sprechen von Frostgare – sei die Erde grober gewesen. „Aber das hat dann nicht gestört, weil genügend Feuchte im Boden war“, sagt Benz. Die Kehrseite des guten Getreideertrags seien jedoch sehr niedrige Preise auf dem weltweiten Markt.

Die Ernte von Mais und Zuckerrüben steht noch bevor

Konrad Ritz, der Ortsobmann der Weil­imdorfer Landwirte, ist mit seiner Getreideernte ebenfalls recht zufrieden. Weizen und Wintergerste hätten einen guten Ertrag ergeben, die Sommergerste würde hingegen wenig abwerfen. „Vor lauter Wassermangel im Frühjahr ist sie nicht gut angelaufen, und dann war die Vegetationsperiode zu kurz“, erklärt er. Von Vorteil sei gewesen, dass die Temperaturen im Juli gemäßigt waren. „Dadurch sind die Körner langsamer gewachsen und größer geworden.“ Hinderlich sei hingegen gewesen, dass es während der gesamten Erntezeit häufig geregnet habe, sodass diese immer unterbrochen werden musste. „Uns hat eine anhaltende Hochdruckwetterlage gefehlt.“

Profitiert vom vielen Regen hätten der Mais und die Zuckerrüben, deren Ernte noch bevorsteht. Ritz geht davon aus, dass Mitte September der Mais eingeholt werden kann. Wann die Zuckerrüben geerntet werden, bestimmen nicht die Bauern selbst, sondern der Empfänger Südzucker. Die Firma teilt im wechselnden Turnus ein, wann welcher Bauer seine Rüben abgeben kann – irgendwann zwischen Ende September und Dezember. Gewachsen sind sie sowohl in Zazenhausen als auch in Weilimdorf gut: „Die Rüben stehen gut da. Anfangs hatten wir zwei unterschiedliche Generationen. Aber auch die späteren haben eine gute Größe erreicht“, sagt Ritz. Wie die „inneren Werte“ der Rüben seien, sprich der Zuckergehalt, das könne man erst nach der Ernte sagen, so Benz. Die Kartoffeln seien recht zahlreich und in guter Qualität gewachsen. „Aber die Bodenstruktur macht zu schaffen“, sagt Benz. Wegen der fehlenden Frostgare bleibe nun mehr Erde an den Kartoffeln hängen. Im Moment würden die späten Sorten aus dem Boden geholt.

Für die nächsten Wochen hofft Ritz, dass es milde Temperaturen und hin und wieder Regenschauer gibt. Denn nach der Ernte ist vor der Ernte: „Bald geht es schon los mit der Saat fürs nächste Jahr. Ab dem 20. September säen wir die Wintergerste.“

„Die Trockenheit im Frühjahr hat Auswirkungen bis jetzt“

Der Weilimdorfer Obstbauer Christian Hörnle steckt noch mitten in der Ernte. Zurzeit sind Äpfel, Kürbisse, Zwetschgen und Herbsthimbeeren dran. „Die Trockenheit im Frühjahr hat Auswirkungen bis jetzt“, sagt er. Kleinfruchtige Apfelsorten seien etwas kleiner geblieben. Der Ertrag an Äpfeln sei aber insgesamt sehr hoch, europaweit gebe es 15 bis 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit der Folge: „Sie kosten fast nichts. Die Saftindustrie zahlt 3,50 Euro für 100 Kilo. Letztes Jahr waren es 8 Euro.“ Er rechne damit, dass viele private Obstbaumbesitzer sich gar nicht die Mühe machen werden, ihr Obst abzugeben.

Auch das Steinobst wie Zwetschgen, Süßkirschen oder Mirabellen sei prächtig gediehen. „Obwohl es sehr viel gibt, ist es trotzdem groß geworden“, sagt Hörnle. Auch die Sauerkirschen seien wunderbar an den Bäumen gehangen – bis die Kirschessigfliege kam. Der asiatische Schädling habe die reifen Kirschen „von heute auf morgen“ befallen und alles, was bis dahin noch nicht geerntet war, vernichtet. „Das Schlimme ist, dass die Muck gesunde Früchte anritzt und ihre Eier reinlegt. Die einheimische Fruchtfliege geht nur an verletzte Früchte ran.“ Als Konsequenz erntet Hörnle die Brombeeren und Herbsthimbeeren nun recht früh, damit auf keinen Fall ganz reifes Obst, das der Schädling bevorzugt, an den Sträuchern hängt. Nächstes Jahr werde er wohl um die Plantagen herum Essigfallen aufstellen, „aber das ist ein enormer Aufwand“.




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