Erste digitale Waldweihnacht Herbei, oh ihr Avatare
Die badische Landeskirche bittet zur ersten digitalen Waldweihnacht. Wer teilnehmen möchte, muss sich zuerst einen virtuellen Charakter erschaffen.
Die badische Landeskirche bittet zur ersten digitalen Waldweihnacht. Wer teilnehmen möchte, muss sich zuerst einen virtuellen Charakter erschaffen.
Drauß’ vom digitalen Walde komm ich her, ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr. Getreu diesem Motto lädt Pfarrer Gernot Meier, Beauftragter für die Theologie der Digitalisierung bei der Evangelischen Landeskirche in Baden, am Abend des ersten Weihnachtsfeiertags erstmals zu einer virtuellen Waldweihnacht.
Ein wenig funktioniert der Gottesdienst wie ein Computerspiel. Wer teilnehmen möchte, muss sich zunächst eine virtuelle Existenz, einen sogenannten Avatar (männlich, weiblich oder divers) erschaffen, der stellvertretend die virtuelle Kirchenbank drückt. Die steht allerdings nicht in einer gotischen Kathedrale, sondern mitten im Wald auf einer malerischen Lichtung.
Dafür hat sich Meier von einer Basler Firma eigens eine Weihnachtsinsel mit Altar, Kreuz und Kerzen konstruieren lassen. „Rentiere werden keine herumhüpfen“, sagt Meier – obgleich das technisch kein Problem wäre. Auch die obligatorische Krippe mit Ochs, Esel und der heiligen Familie fehlt. Dennoch ist ein stimmungsvolles Erlebnis garantiert. Vor allem mit dem sternenbekränzten Himmel haben sich die Programmierer viel Mühe gegeben. Auch eine weiße Weihnacht ist sicher. Auf den digitalen Tannen liegt schwer der Pulverschnee. Nach dem Gottesdienst kann man sich an verschiedenen Lagerfeuern mit anderen Avataren treffen und unterhalten.
Im Diesseits laufen den Kirchen die Schäfchen davon, doch vielleicht lässt sich das ein oder andere auf den digitalen Weiden im Jenseits der virtuellen Realität wieder einfangen. Nach Weihnachten kann der virtuelle Wald per Mausklick abgetaut und die Insel für andere Gottesdienste, digitale Fortbildungen oder auch ein virtuelles Ferienlager neu konfiguriert werden. Im Internet ist bekanntlich alles möglich. Zumindest dem, der da glaubt.