Esslinger Ausstellung über Blechspielzeug Als die Blechpinguine laufen lernten

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Das Esslinger Stadtmuseum entführt mit der Ausstellung „Mechanische Tierwelt“ in die Zeit zwischen 1900 und 1970, als das heute eher exotisch anmutende Spielzeug in fast jedem Kinderzimmer zu finden war. Am Sonntag wird die Schau eröffnet.

Der Sammler und Fotograf Volker Weinhold hat seinen ersten Pinguin auf einem Pariser Trödelmarkt gefunden. Foto: Ines Rudel
Der Sammler und Fotograf Volker Weinhold hat seinen ersten Pinguin auf einem Pariser Trödelmarkt gefunden. Foto: Ines Rudel

Esslingen - Ihre erste Liebe hieß Paak Paak. Das ist der Name einer Blechente. Deren wunderschöne Augen sind es gewesen, die die Berliner Volker Weinhold und Sebastian Köpcke auf einem Trödelmarkt im französischen Metz anstrahlten und deren Sogwirkung sich die beiden Sammler im Jahr 2009 nicht entziehen konnten. Als sie dann wenig später in Paris einen Blechpinguin entdeckten, reifte der Plan, gemeinsam eine Sammlung mit Blechspielzeugtieren zusammenzustellen.

Zum ersten Mal gezeigt haben sie ihren Blechzoo 2011 in St. Gallen. Danach ist die Schau auf Reisen gegangen. Von diesem Sonntag, 1. Dezember, an – und dann bis zum 1. März – ist die „Mechanische Tierwelt“, so der Name der Ausstellung, im Esslinger Stadtmuseum im Gelben Haus am Hafenmarkt zu sehen. Gezeigt werden aber nicht nur 180 vor allem historische Tiere aus Blech, die wahlweise mit einem sogenannten Friktionsmotor, also einem Schwungradantrieb, oder einem Federantrieb in Bewegung gesetzt werden. Teil der „Fotosafari“, wie Weinhold seine Schau nennt, sind auch großformatige Bilder, in denen der gelernte Fotograf Weinhold und der Grafiker Köpcke das Blechspielzeug überdimensional in gelegentlich natürlicher, oft aber auch durchaus surreal anmutender Umgebung abgelichtet haben.

Schätze noch einmal zum Leben erweckt

Wer noch ein bisschen länger Zeit hat, sollte sich auch den zehnminütigen Film anschauen, für den die Ausstellungsmacher ihre historischen Schätze ausnahmsweise noch einmal zum Leben erweckt haben. Auf erläuternde Texte verzichtet die Ausstellung weitgehend. Die Besucher sollen, so der Wunsch der Sammler, sich vielmehr auf die verschiedenen Ausstellungsstücke – von einem weißen Hai über Zebras bis zum wertvollsten Stück, dem Pferd Pronco, auf dem Drei- bis Sechsjährige einst tatsächlich reiten konnten – einlassen. So könne man wunderbar in die Zeit zwischen 1900 und 1970 eintauchen.

Aber natürlich kommen auch Kinder, die das fast vergessene Spielzeug einmal ausprobieren wollen, im Stadtmuseum auf ihre Kosten. Sie dürfen – allerdings mit neueren Modellen – Wettkämpfe mit verschieden Blechtieren austragen, wobei die Schnecken nicht unbedingt langsamer sein müssen als beispielsweise Pferde.

Die Ware heute stammt meist aus Fernost

Zudem sind – jenseits der 130 Quadratmeter großen, über sieben Zimmer verteilten Sonderausstellung – noch zehn dieser blechernen Zeitzeugen in der Dauerausstellung versteckt. Wer auf die Suche geht und sie entdeckt, dem winkt eine kleine Belohnung. Für alle, die daheim mit einer mobilen Blechente oder einem purzelbaumschlagenden Affen spielen wollen, gibt es die Möglichkeit, diese im Museum zu erwerben.

Wobei: Gab es in der Hochzeit des Blechspielzeugs zahlreiche Firmen in Europa und vor allem auch in Deutschland, so stammt die aktuelle Ware vor allem aus Fernost. Lediglich in Tschechien, so erzählt Weinhold, gebe es noch eine Firma, die Blechtiere herstelle.




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