Wohnungsmarkt in Esslingen Mietspiegel soll Transparenz bringen

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Der neue Esslinger Mietspiegel soll die Verhandlungen zwischen Mietern und Vermietern versachlichen. Er zeigt deutlich, in welche Richtungen sich die Mieten entwickeln.

Das Wohnen in Esslingen ist nicht nur in Neubauten sehr teuer. Foto: /Horst Rudel
Das Wohnen in Esslingen ist nicht nur in Neubauten sehr teuer. Foto: /Horst Rudel

Esslingen - Die Durchschnittsmiete in Esslingen ist in den vergangenen zwei Jahren um 3,6 Prozent gestiegen – und zwar von 8,34 auf 8,64 Euro pro Quadratmeter. Das steht im neuen und qualifizierten Esslinger Mietspiegel, der vom 1. Januar 2020 an ein wichtiges Instrument ist, um realistische und angemessene Neumieten festzulegen.

Am Montag haben Vertreter aller auf dem Wohnungsmarkt aktiven Vereine und öffentlichen Bauunternehmen – der Deutsche Mieterbund, Haus & Grund, der Mieterbund Esslingen, die Esslinger Wohnungsbau-Gesellschaft und die Baugenossenschaft – zusammen mit Oberbürgermeister Jürgen Zieger das Papier vorgestellt. Den Mietspiegel gibt es bereits seit 1975.

Erhebung alle vier Jahre

Das Hamburger Institut für Wohnen und Stadtentwicklung erhebt alle vier Jahre im Auftrag dieser Institutionen, die sich in der Arbeitsgemeinschaft Mietspiegel zusammengetan haben, die bei Neuvermietungen erhobenen Mieten. Um Kosten zu sparen, wird alle zwei Jahre der Mietspiegel aufgrund statistischer Werte fortgeschrieben. Um eine solche Fortschreibung handelt es sich dieses Mal. Die nächsten aktuellen Zahlen gibt es 2022.

Deshalb geht Udo Casper vom Deutschen Mieterbund Esslingen-Göppingen davon aus, dass die Mieten in den vergangenen zwei Jahren in Wirklichkeit deutlich stärker gestiegen sind als angenommen – und das böse Erwachen dann mit dem Mietspiegel 2022 kommen wird. Zwischen 2014 und 2018 etwa waren die Mieten um mehr als zwölf Prozent gestiegen.

Ein wichtiges Instrument

Dennoch ist Casper wie alle Beteiligten der festen Überzeugung, dass der wissenschaftlich erstellte, qualifizierte Mietspiegel ein wichtiges Instrument ist. Er biete Transparenz, größtmögliche Objektivität und trage somit in erheblichem Maße zum Rechtsfrieden im Verhältnis zwischen Vermietern und Mietern bei: Die Erfahrung zeige, dass es in Esslingen, die bisher die einzige Stadt im Landkreis ist, die einen solchen Mietspiegel veröffentliche, zu deutlich weniger Gerichtsterminen wegen Mietstreitigkeiten komme als in allen Umlandgemeinden. Ausdrücklich begrüßt Udo Casper es deshalb, dass nun auch in Plochingen, Altbach und Deizisau sowie in Kirchheim unter Teck über die Erstellung eines qualifizierten Mietspiegels nachgedacht werde.

Allerdings: Auch die ermittelte durchschnittliche Miete, also die 8,64 Euro, sagt an sich nur wenig darüber aus, wie viel die einzelnen Wohnungen konkret kosten dürfen. Der Mietspiegel gibt aber über diesen Basiswert hinaus den Beteiligten einen klaren Kriterienkatalog an die Hand, mit dessen Hilfe sie die tatsächlich gerechtfertigte Miete ermitteln können. Schon die Größe spielt dabei eine Rolle: Bei Wohnungen zwischen 30 und 34 Quadratmetern liegt sie bei 11,06 Euro, bei Wohnungen zwischen 70 und 120 Quadratmetern bei 8,40 Euro.

Für Altbauten gibt es Ab-, für Neubauten Aufschläge

Ein wichtiger Baustein ist auch das Alter. Bei Häusern bis zum Baujahr 1918 müssen die Vermieter Abschläge in Höhe von elf Prozent hinnehmen. Für Wohnungen, die zwischen 2014 und 2017 gebaut wurden, gibt es einen Zuschlag in Höhe von 15 Prozent. Wenn man dann noch bedenke, dass gerade neue Wohnungen oft über deutlich höheren Komfort verfügten, über deren Bemessung der Mietspiegel ebenfalls detailliert Auskunft gibt, komme man schnell bei moderneren Wohnungen in Bereiche, die weit über zehn Euro liegen. Das gibt Marius Osswald, der Leiter des Esslinger Sozialamts, zu Bedenken.

Den Mietspiegel gibt es gegen eine Gebühr von fünf Euro in Papierform bei der Stadt. Er ist auch online auf der Homepage www.esslingen.de abrufbar.