EU-Gesetzesvorschläge für Algorithmen Eine heikle Balance
Künstliche Intelligenz birgt große Chancen. Es braucht aber gesetzliche Leitplanken für Algorithmen, kommentiert Christopher Ziedler.
Künstliche Intelligenz birgt große Chancen. Es braucht aber gesetzliche Leitplanken für Algorithmen, kommentiert Christopher Ziedler.
Berlin - Ganz so weit ist es zum Glück noch nicht, der Trend aber unübersehbar: Ohne Bürgerinnen und Bürger, die über ein Mindestmaß an Informationsvielfalt verfügen, ist kein demokratischer Staat zu machen. In einer Gesellschaft, die nur aus unverbundenen Filterblasen besteht, werden Diskurs und Kompromiss unmöglich. Das Gedankenspiel zeigt, warum es zwingend gesetzliche Regeln für Algorithmen braucht, die das Nutzerverhalten im Netz beeinflussen. Es muss nicht gleich die Sorge um die Demokratie sein, Künstliche Intelligenz kann auch mit den Persönlichkeitsrechten des Einzelnen in Konflikt geraten. Es braucht Leitplanken, um die Chancen der KI verantwortlich zu nutzen.
Dass Kanzlerin Merkel sich an diesem Dienstag die Befürchtungen der Verbraucherschutzverbände anhört, ist wichtig. Schließlich werden auf EU-Ebene derzeit zwei Gesetzesvorschläge der Brüsseler Kommission beraten, die weitreichende Folgen haben werden. Die richtige Balance dabei herzustellen ist so wichtig wie heikel: Weder dürfen Grundrechte gefährdet noch wirtschaftliche Möglichkeiten verschenkt werden. Das geht nur mit einer intensiven gesellschaftlichen Debatte über das Thema – trotz Corona.