Ex-VfB-Sportchef Für Bobic ist Entlassung nur eine Episode

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Das Zahnradbahngespräch mit Prominenten aus dem Sport: auf dem Weg nach oben erzählen sie von ihren Karrierehöhepunkten, auf dem Weg nach unten von Tiefpunkten – dieses Mal spricht Fredi Bobic, der Ex-Sport Chef des VfB.

Erholungsfahrt in der Zacke: Bobic hat die Entlassung beim VfB gut verarbeitet. Foto: Pressefoto Baumann
Erholungsfahrt in der Zacke: Bobic hat die Entlassung beim VfB gut verarbeitet. Foto: Pressefoto Baumann

Stuttgart - Fredi Bobic ist Profi, Zahnradbahnprofi. Und in dieser Funktion kommt der ehemalige Spieler und Manager des VfB Stuttgart, wie es sich gehört, mit der Zahnradbahn zum Zahnradbahngespräch. Von seinem Wohnort in Degerloch ist er kurz mal hinuntergefahren zum Treffpunkt am Marienplatz. „Ich habe schon als Jugendlicher oft die Zacke benutzt“, sagt der 43-Jährige, der einst als Kaufhof-Lehrling auf diesem Weg zum Training bei den Stuttgarter Kickers gefahren ist. „Ich bin an der Nägelestraße ausgestiegen, und durch den Wald ging’s rüber zum Königsträßle.“ Und dann erzählt Bobic von seinem Faible für die öffentlichen Verkehrsmittel in Stuttgart, für die er auch schon in einer Plakatkampagne geworben hat: „Aber auch als Spieler in Berlin bin ich häufig mit der Bahn zum Training gefahren und war damit ein ziemlicher Exot.“

Nach der Begrüßung auf dem Marienplatz steigt Fredi Bobic wieder in die Zahnradbahn und wird jetzt auch noch vom Zackefahrer per Handschlag in Empfang genommen. Und ein Fahrgast, der sich als VfB-Fan zu erkennen gibt, ruft mit kehliger Stadionstimme rüber: „Fredi, halt uns aber trotzdem die Treue.“ Das Trotzdem liegt jetzt drei Monate zurück. Seinen Rauswurf als Sportvorstand scheint Bobic aber weggesteckt zu haben. So entspannt und gut gelaunt hat man ihn beim VfB jedenfalls zuletzt nie erlebt. Über seinen Ex-Verein will der ehemalige deutsche Nationalstürmer jetzt aber noch nicht reden. Sein Zackefahrplan, auf dem die Höhe- und Tiefpunkte einer Sportlerkarriere stehen, sieht nämlich zunächst anders aus. „Das Auf und Ab, diese extreme Schnelllebigkeit des Fußballgeschäfts, lässt sich beispielhaft an 15 Monaten in meiner Karriere ablesen“, sagt Fredi Bobic, als sich die Zahnradbahn Richtung Degerloch in Bewegung setzt.

Das Problem mit dem veröffentlichten Gehaltszettel

Spätsommer 2001: Bobic geht in seine dritte Saison bei Borussia Dortmund und merkt, dass er unter dem Trainer Matthias Sammer nicht mehr zum Zug kommt. Die Dortmunder Stürmerstars heißen jetzt Marcio Amoroso, Ewerthon und Jan Koller und nicht mehr Fredi Bobic. Dessen Wechsel nach Spanien zum FC Villarreal zerschlägt sich in letzter Sekunde. „Und dann geht die ganze Sache los“, erinnert sich Bobic. „Ein Praktikant bei der Deutschen Bank hatte der „Bild“- Zeitung meinen Gehaltszettel zugespielt. Der wurde abgedruckt und die Schlagzeile dazu lautete: Deutschlands teuerster Ladenhüter.“ Was folgte waren regelmäßig eingeworfene Scheiben am  Auto und Drohbriefe mit der Aufforderung: Hau ab!

„Sicherheitshalber ist meine Frau mit unseren beiden Töchtern zurück ins Remstal gezogen. Und ich bin dann auch weg.“ Zunächst nach England. „Meine Insel der Glückseligkeit“, sagt Fredi Bobic, der an die Bolton Wanderers ausgeliehen wird und mit einem Hattrick im Spiel gegen Ipswich Town den Klassenverbleib in der Premier League sicherstellt. Am Jahrestag dieses Spiels ist er in England immer noch ein gefragter Interviewpartner.

Das Zusammenspiel von Vereinstradition und modernen Geschäftsmodellen hat es Bobic angetan. „2002 war in der Premier League alles schon so perfekt organisiert wie heute in der Champions League“, sagt der schwäbische Sohn eines Slowenen und einer Kroatin, der seine Kontakte in England pflegt.