Ex-VfBler Walter Thomae von der SU Neckarsulm „Kickers? Da kommt für mich keine Brisanz hinzu“

Der DFB-Fußball-Lehrer Walter Thomae gibt seit Saisonbeginn Anweisungen beim Oberligisten Sport-Union Neckarsulm. Foto: imago/Eibner/Roger Bürke

Walter Thomae war über 13 Jahre lang beim VfB Stuttgart tätig. Seit Sommer trainiert er Oberligist Sport-Union Neckarsulm. Vor dem Duell bei den Stuttgarter Kickers spricht der 55-Jährige über seine Arbeit, die Liga und die Verbindungen zwischen Rot und Blau.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Das letzte Duell zwischen der Sport-Union Neckarsulm und den Stuttgarter Kickers endete 0:7. An diesem Samstag (14 Uhr/Gazi-Stadion) kommt es in der Fußball-Oberliga zu einer Neuauflage. Neckarsulms Trainer Walter Thomae schätzt die Lage ein.

 

Herr Thomae, Sie waren über ein Jahrzehnt beim VfB Stuttgart in verschiedenen Funktionen tätig. Da müsste ein Spiel bei den Stuttgarter Kickers doch eigentlich etwas ganz Besonderes für Sie sein?

Das Spiel gegen die Kickers ist für alle Oberligisten das Spiel des Jahres. Für mich persönlich kommt da aber keine zusätzliche Brisanz hinzu. Ich war ja beim VfB mehr im Unterbau für die sportliche Ausbildung zuständig. Da hielt sich die Rivalität in Grenzen. Vielmehr hatten wir mit vielen Spielern der Blauen zwischenmenschlich ein tolles Verhältnis.

Was haben Sie aus der Zeit beim VfB mitgenommen?

Es sind vor allem die persönlichen Kontakte, die bis heute geblieben sind. Ob das ein Spieler wie Sami Khedira ist, der zum Weltstar gereift ist, oder ich einen Mann wie Benedikt Röcker als Sportlichen Leiter bei der SG Sonnenhof Großaspach wiedertreffe, oder andere Spieler, die in der Landesliga hängen geblieben sind, all diese persönlichen Begegnungen bedeuten mir sehr viel.

Sie arbeiteten beim VfB unter Profibedingungen. Wie schwer fiel Ihnen die Umstellung?

Nicht schwer. Ich kannte ja die Bedingungen, die mich in Neckarsulm erwarten. Diesen Weg wollte ich ganz bewusst mitgehen, damit identifiziere ich mich voll. Wir wollen, dass Spieler aus der Region nicht nach Pforzheim oder Göppingen wechseln müssen, um in der Oberliga zu spielen, sondern bei uns im Unterland eine Plattform bekommen und sich hier weiterentwickeln können.

Sie sind DFB-Fußball-Lehrer und als Vollzeit-Coach tätig, wie oft trainieren Sie mit Ihrem Team?

Wir haben dreimal pro Woche ein Mannschaftstraining, jeweils ab 18 Uhr. Mit Studenten und Schichtarbeitern trainiere ich zusätzlich zweimal in der Woche vormittags.

Das dürfte Sie nicht auslasten?

Ich arbeite mit, die Strukturen im Verein weiter zu verbessern. Auch im Bereich Sichtung von Spielern bin ich in der Region aktiv. Leider ist uns die eigene A-Jugend aus Mangel an Spielern weggebrochen, aber wir haben eine zweite Mannschaft in der Bezirksliga. Das freut mich sehr, denn ich bin – wie schon zu meiner Zeit beim VfB – ein Verfechter von zweiten Mannschaften. Ich finde es hilfreich und lohnenswert, wenn man die Ausbildung von Spielern nicht aus den eigenen Händen gibt.

Kommen wir zur aktuellen Lage. Mit nur einem Sieg in acht Spielen und dem vorletzten Tabellenplatz können Sie nicht zufrieden sein?

So merkwürdig es sich anhören mag: Bis auf das Spiel beim SSV Reutlingen (2:5-Niederlage, die Red.) war ich mit unseren Leistungen zufrieden. Wir haben zuletzt gegen die SG Sonnenhof Großaspach 1:1 gespielt, gegen den 1. Göppinger SV mit viel Pech 1:2 verloren, als Mijo Tunjic mit einer Chance den Göppinger Siegtreffer erzielte. Aber klar: Wir können noch so viel in unsere Leistung investieren, gute Ergebnisse gehören dazu. Daran arbeiten wir hart in jedem Training.

Wissen Sie wie das letzte Duell Neckarsulm gegen Stuttgarter Kickers im vergangenen April ausging?

Ich glaube 0:7.

Genau. Bei Halbzeit stand es schon 0:6. Wie läuft es diesmal?

Ich hoffe, wir schaffen ein besseres Ergebnis.

Der FC Nöttingen und die TSG Backnang haben in dieser Saison schon vorgemacht, dass man in Degerloch auch 1:1 spielen kann.

Wenn wir einen richtig Sahnetag erwischen, die Kickers einen ganz miesen, ist so etwas vielleicht möglich. Das zeigten ja auch die Kickers im DFB-Pokal gegen Zweitligist SpVgg Greuther Fürth. Wir wollen das bestmögliche Ergebnis. Aber auch wenn es meinen Kollegen Ünal langweilen wird und er es schon so häufig gehört hat: Die Kickers spielen mit ihrem breiten und qualitativ guten Kader in einer eigenen Liga. Das sagen mir auch meine Erkenntnisse aus unseren Spielen gegen Großaspach und Göppingen.

Auf was freuen Sie sich am Samstag am meisten?

Auf Kickers-Sportdirektor Marc Stein, den wir 2019 als Führungsspieler zum VfB II geholt haben. Auf Julian Leist, meinen ehemaligen Spieler bei der SG Sonnenhof, auf Lukas Kiefer, der unser Kapitän beim VfB II war und auch auf das Wiedersehen mit Markus Obernosterer.

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