Externer Berater des VfR Aalen Marco Grüttner: „Ich wollte raus aus dem Hamsterrad“

Marco Grüttner war bis Dezember 2022 Sportlicher Leiter beim SGV Freiberg, beim VfR Aalen ist er nun lediglich beratend tätig. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Marco Grüttner hat bei fast allen höherklassigen Clubs in Württemberg Fußball gespielt. Seit Anfang Februar fungiert er als externer sportlicher Berater des VfR Aalen. Wie sieht er seine Rolle? Was sind seine Ziele? Und warum freut er sich auf die kommende Regionalligasaison?

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Marco Grüttner spielte in seiner aktiven Karriere bei vielen Clubs, nicht nur bei den Stuttgarter Kickers, dem VfB II oder bei Jahn Regensburg gab der ehemalige Stürmer alles, überall machte er seine Tore. Nach seinem Karriereende im vergangenen Sommer und dem Abschied beim SGV Freiberg bringt der 37-Jährige sein Wissen nun als externer sportlicher Berater beim Fußball-Regionalligisten VfR Aalen ein.

 

Herr Grüttner, wie lief Ihre Tätigkeit beim VfR Aalen an?

Völlig okay. Wir haben eine gute Truppe beisammen. Alles passt soweit.

Bis auf das Ergebnis im ersten Spiel nach der Winterpause gegen den FC 08 Homburg.

Diese 1:3-Heimniederlage war natürlich alles andere als wunschgemäß. Die Mannschaft zeigte eine gute Leistung, vergab aber einfach auch zu viele Chancen. Das soll gegen Kickers Offenbach besser werden.

Gegen Homburg kamen nur magere 1100 Zuschauer. Wie viele erwarten Sie denn an diesem Samstag (14 Uhr) gegen Offenbach?

Das kann ich schwer abschätzen. Über 2000 sollten es schon werden.

Was war Ihre Motivation in Aalen als externer Berater einzusteigen?

Ich hatte als Spieler in Aalen eine superschöne Zeit (Anm. d. Red.: Saison 2010/11). Der VfR ist ein top Verein mit großer Tradition, der ja auch schon in der zweiten Liga spielte und in der Region hinter dem 1. FC Heidenheim die Nummer zwei ist.

Was hat Heidenheim besser gemacht als Aalen?

Das kann ich aus der Ferne nur schwer beurteilen.

Sind nicht die Stichworte Kontinuität in den Bereichen Trainer und Führungsetage sowie sportfachliche Kompetenz die entscheidenden Stichworte?

Kontinuität ist im Sport immer ein wichtiger Erfolgsfaktor, ganz klar.

Eigene Berateragentur

Ist das laufenden Insolvenzverfahren beim VfR der Grund, warum Sie „nur“ als externer Berater und nicht als Sportlicher Leiter oder Sportdirektor eingestiegen sind?

Nein, gar nicht. Ich habe begonnen, eine Berateragentur für Spieler, Trainer und Vereine aufzubauen. Dies lässt sich mit mehr als einer externen Beratertätigkeit nicht vereinbaren.

Sie schließen also aus, nach Abschluss des Insolvenzverfahrens in Aalen das offizielle Amt des Sportdirektors zu übernehmen?

Ja, das war nach meinem Ausstieg beim SGV Freiberg im vergangenen Dezember eine ganz bewusste Entscheidung. Ich wollte raus aus dem Hamsterrad, 24 Stunden am Tag, siebenmal in der Woche nur Fußball zu machen. Von daher bin ich sehr glücklich wie es jetzt läuft, und die Arbeit macht mir viel Spaß.

Wie schwer wird den Klassenverbleib für den VfR?

Die Mannschaft hat auf jeden Fall die Qualität, drin zu bleiben. Das habe ich noch während meiner Zeit in Freiberg erlebt, als wir in dieser Saison mit dem SGV zweimal gegen den VfR verloren haben. Da kein Club aus der dritten Liga runterkommt, gibt es nur drei Absteiger aus der Regionalliga. Das müsste zu schaffen sein.

Wie schwierig gestalten sich – in Anbetracht von Tabellenstand und Insolvenzverfahren – die Planungen für die neue Saison?

Das Ziel ist erst einmal, das Insolvenzverfahren erfolgreich abzuschließen. Dabei gibt es gute Signale, die Präsidiumsmitglieder geben wirklich alles, es ist eine Aufbruchstimmung zu spüren.

Muss nicht mittelfristig die dritte Liga das Ziel sein?

Natürlich wird es erst in der dritten Liga mit Blick auf die Fernsehgelder richtig interessant. Und wir wollen in Aalen auch nicht nur gegen den Abstieg aus der Regionalliga spielen. Doch aktuell davon zu träumen, wäre nicht seriös. Zumal die kommenden Regionalligasaison interessant und attraktiv werden wird – gerade aus württembergischer Sicht.

Rechnen Sie mit dem Aufstieg der Stuttgarter Kickers?

Ganz sicher, vielleicht geht die SG Sonnenhof Großaspach über die Aufstiegsspiele mit hoch. Dazu noch der VfB Stuttgart II, der SGV Freiberg, die TSG Balingen – und ein Zuschauermagnet wie Offenbach. Das wäre top. Da lässt es sich verschmerzen, dass sich die Ulmer Spatzen wohl in die dritte Liga verabschieden werden.

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