Die Geldtransport-Mitarbeiterin, die mit über einer Million Euro spurlos verschwunden ist, hat offenbar ein Vorbild für ihren Coup. Auch in Bremen hat eine Bedienstete einer Geld- und Werttransportfirma ein Vermögen verschwinden lassen. Dort waren es sogar mehr als acht Millionen. Und diese Täterin ist seit über anderthalb Jahren auf der Flucht.
Wie die 42-jährige Stuttgarterin ihre Beute am Nachmittag des 14. Oktober unbemerkt aus den Geschäftsräumen der Sicherheitsfirma in Stuttgart bringen konnte, darüber machen die Ermittler keine Angaben. Auch nicht darüber, ob es womöglich Mithilfe, wie im Bremer Fall, gegeben haben könnte.
Die Telefone laufen heiß
Fest steht: Die 42-Jährige war eine Neue im Unternehmen. „Die Beschuldigte war seit sechs Monaten bei dieser Firma beschäftigt“, sagt Polizeisprecherin Ilona Bonn. Zumindest für die Staatsanwaltschaft ist die Verdächtige ein unbeschriebenes Blatt: „Es gibt keine Vorstrafen oder Verurteilungen“, sagt Sprecher Aniello Ambrosio. Die Behörde hat einen internationalen Haftbefehl erwirkt. Es wird nicht ausgeschlossen, dass sich die deutsche Staatsbürgerin ins Ausland abgesetzt hat.
Die Kriminalpolizei kann sich nach Veröffentlichung der Fahndungsfotos nicht gerade über mangelnde Hinweise beklagen: „Die Telefone laufen heiß“, sagt Polizeisprecherin Bonn, „und es gibt zahlreiche nützliche Hinweise, denen nun nachgegangen wird.“ Wie kommt man überhaupt so leicht an eine Million? In Bremen hat eine 28-jährige Mitarbeiterin eines Geldtransportunternehmens am 21. Mai 2021 sogar 8,196 Millionen Euro erbeutet. Vor dem Pfingstwochenende verteilte sie das Geld auf mehrere Sicherheitstaschen und schmuggelte diese in einem Rollcontainer zu einem Mietauto, an das gestohlene Kennzeichen angebracht waren. Damit fuhr die 28-Jährige davon. „Die Gesuchte ist nach wie vor verschwunden“, sagt der Bremer Polizeisprecher Bastian Demann. Vermutet wird, dass die türkeistämmige Yasemin G. in ihrem Heimatland untergetaucht ist.
In Bremen sind es mehr als acht Millionen Beute
Ganz erfolglos waren die Bremer Ermittler indes nicht: Schnell stellten die Beamten fest, dass eine 24-jährige Mitarbeiterin bei der Logistik geholfen haben musste. Bei ihr wurden noch 26 115 Euro sichergestellt. Sie soll als „persönliches Reisebüro“, sagt ein Landgerichtssprecher, die Flucht gesteuert haben. Dafür ist sie im Mai 2022 zu drei Jahren Haft verurteilt worden.
In Stuttgart verschwand ein Banker nach Kenia
Aber auch Stuttgart kennt solche untreuen Mitarbeiter: Vor Heiligabend 2014 zweigte ein 42-jähriger LBBW-Mitarbeiter 750 000 Euro beim Geldzählen ab – und verschwand nach Kenia. Spielsucht, Privatinsolvenzen und eine HIV-Infektion waren sein Motiv. Ein Jahr später wurde er in Mombasa aufgespürt und nach Deutschland ausgeliefert. Das Urteil: drei Jahre Freiheitsstrafe.
Anmerkung der Redaktion: Die mutmaßliche Millionendiebin wurde am 24. Januar festgenommen.