Faire Gastronomie in Stuttgart Bio-Supermarkt mit Vereinsanbindung

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Mit dem eigenen System etwas zu ändern, das ist auch die Idee hinter dem Stuttgarter Verein Plattsalat. Drei unabhängige Geschäfte in Stuttgart laufen unter dem Dachverein, an der Gutenbergstraße 77a ist das größte mit Café. Der Laden bietet nahezu alles, was der Mensch für das tägliche Leben braucht. Vom Obst über Gemüse bis hin zum Klopapier ist alles aus ökologischer oder regionaler Produktion. Thomas Becker verlässt sich auf die EU-Richtlinien. Der Großteil der Erzeuger komme aus der Region, sonst achte er auf das Bio-Siegel, sagt der Geschäftsführer.

Die Mitglieder von Plattsalat kommen aus allen Schichten

Entstanden ist der Verein Plattsalat 1998. Einige alleinerziehende Mütter waren unzufrieden mit den hohen Preisen von Bioprodukten. Kurzerhand eröffneten sie ihren eigenen Bioladen. Heute hat der Verein Plattsalat rund 700 Mitglieder in Stuttgart, 500 davon im Westen. Durch die monatlichen Beiträge – derzeit 19 Euro für das erste Familienmitglied – sind günstigere Preise möglich. Längst können bei Plattsalat auch Nicht-Mitglieder einkaufen – zu regulären Preisen, ohne Vereinsrabatt.

Das Besondere an der Initiative: Die Mitglieder bestimmen, was in den Läden steht, wie hoch die Löhne sind und von welchen Händlern sie die Ware beziehen. Längst stammen die Plattsalatler aus allen gesellschaftlichen Schichten. „Wir haben viele sozial schwache Mitglieder, aber auch einige, die mit der S-Klasse vorfahren“, sagt Becker schmunzelnd. Einig ist allen eine ähnliche Lebenseinstellung. Faire Arbeitsbedingungen und Gleichberechtigung sind die gemeinsamen Grundwerte der Initiative. Sie soll ein Vorbild sein für faires Wirtschaften.

Beim Obendrauf-Kaffee profitieren Bedürftige

Ein anderes Beispiel für faires Handeln ist der „Obendrauf-Kaffee“. Das Prinzip ist einfach: Ein Kunde bezahlt zwei Kaffee, trinkt aber nur einen. Der zweite wird für einen bedürftigen Kunden aufgehoben. Die Wählervereinigung „Die Stadtisten“ hat die soziale Aktion in Stuttgart verbreitet. Rund 15 Cafés und Geschäfte beteiligen sich derzeit. Der Kaffee ist zwar nicht zwangsläufig bio, aber die Idee ist fair: Wer mehr Geld hat, zahlt für jemanden, der weniger hat.

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