Falsche Polizisten in Stuttgart Opfer hätte noch zweites Mal gezahlt

Von Wolf-Dieter Obst 

Die Betrugsmasche der falschen Polizisten ist ein Erfolgsmodell. Unersättlich suchen die Täter neue Opfer – und haben mit ihrer Beute allein in Stuttgart die Millionengrenze gesprengt.

Die echte Polizei versucht vor den falschen Polizisten am Telefon zu warnen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Die echte Polizei versucht vor den falschen Polizisten am Telefon zu warnen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Die Welle der betrügerischen Anrufe durch falsche Polizisten rollt immer stärker über Stuttgart. „Allein am Dienstag sind uns 60 Fälle gemeldet worden“, sagt Polizeisprecherin Monika Ackermann. Das neue Jahr ist gerade mal zwei Wochen alt – und schon sind wieder 300 Stuttgarter von Betrügern angerufen worden. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 hatte es insgesamt nur 281 solcher Fälle gegeben, bei denen Betrüger älteren Menschen ihre Ersparnisse abluchsen wollten. Am Dienstag hat das wieder einmal geklappt.

Jetzt ist auch ein 84-Jähriger aus Weilimdorf ist das Opfer der betrügerischen Anrufer geworden. Die Täter hatten ihm erklärt, dass sein Geld wegen einer Einbrecherbande nicht mehr sicher sei und dass er dieses der Polizei anvertrauen solle. Das tat er am Dienstagvormittag dann auch – und weil er große Summen zu Hause hortete, bekamen die Abholer erfreut mehrere Zehntausend Euro in die Hand gedrückt.

Bankmitarbeiter verhindern zweite Tat

Das reichte den Hintermännern aber nicht. Sie wollten mehr. Wie lange der 84-Jährige von den Tätern bedrängt wurde, ist unklar. Wegen mancher Erinnerungslücken gestalten sich die Ermittlungen schwierig. Dabei hat der betagte Weilimdorfer noch Glück – denn am Dienstagnachmittag hatte er den Tätern nochmals mehrere Zehntausend Euro übergeben wollen. Diesmal fiel er aber Mitarbeitern einer Bankfiliale auf, als er gegen 15 Uhr versuchte, mehrere Zehntausend Euro abzuheben. Die Bankangestellten schöpften Verdacht und verständigten die Polizei. „So konnte wenigstens eine zweite Übergabe verhindert werden“, sagt Polizeisprecherin Ackermann.

Bei der Ermittlungsgruppe Pitfall der Stuttgarter Kripo herrscht auch im neuen Jahr Daueralarm. Für die Opfer öffnen sich immer wieder die Fallgruben. Am Montag hatte eine 82-jährige Frau aus Vaihingen mehrere Zehntausend Euro an vermeintliche Polizeibeamte übergeben.

Der Schaden wächst und wächst: Hatten die Täter 2017 noch 173 000 Euro erbeutet, so waren es 2018 bereits 546 000 Euro. Nach Informationen unserer Zeitung wurde es 2019 noch schlimmer – der Schaden hat die Millionengrenze überschritten. Obwohl seit Jahren vor der Masche in Presse, Funk und Fernsehen gewarnt wird, fallen immer wieder Senioren auf die Masche herein.

Drei Laufburschen dingfest gemacht

Nach den Erkenntnissen der Ermittler sitzen die Hinterleute in Telefonzentralen in der Türkei. Bei den Abholern handelt es sich meist um Kleinkriminelle, die als Laufburschen angeheuert werden. Werden sie erwischt, schicken die Drahtzieher einfach die nächsten Trupps los. Zuletzt wurde am vergangenen Donnerstag ein Trio im Alter von 20 bis 22 Jahren festgenommen, das in Korntal-Münchingen (Kreis Ludwigsburg) einem 72-Jährigen 30 000 Euro abnehmen wollte.

Die Täter stört das nicht. Am Mittwoch musste das Polizeipräsidium Aalen eine Warnmeldung herausgeben. Im Rems-Murr-Kreis haben sich die Anrufer falscher Polizisten gehäuft – unter anderem in Fellbach, Korb und Schorndorf. In Backnang ist ein Enkeltrick gerade noch von Bankmitarbeitern verhindert worden. Im Landkreis Esslingen herrscht dagegen noch relativ Ruhe – das zuständige Präsidium Reutlingen registrierte den letzten Fall im Zollernalbkreis. Der ist schon eine Woche her.




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