Falschparker und schmale Gassen Wenn es für die Feuerwehren im Kreis Ludwigsburg eng wird

Die Feuerwehr Kornwestheim wurde kürzlich zu einem Brand in Pattonville gerufen. Foto: privat

Schmale Straßen machen es den Einsatzkräften schwer, zum Brandort zu kommen. Falschparker verstärken das Problem. Sie sind an vielen Stellen im Landkreis Ludwigsburg zu beobachten. Darauf bereiten sich die Feuerwehren vor.

Ludwigsburg: Anne Rheingans (afu)

Vor knapp zwei Wochen ist das passiert, was Hans Peter Sessner schon seit Längerem befürchtet hatte: In seiner Nachbarschaft, im Kornwestheimer Teil von Pattonville, hat es gebrannt. Im Keller eines Reihenhauses im Kalifornienring war das Feuer ausgebrochen. Verletzte gab es glücklicherweise nicht zu beklagen. Der Ruheständler hat allerdings die Sorge, dass der nächste Brand weniger glimpflich ablaufen könnte. Wegen vieler Engstellen in den Straßen, maßgeblich verursacht durch Falschparker, sei es in Pattonville für Rettungskräfte schwierig, zum Einsatzort zu kommen, sagt er.

 

Seit acht Jahren wohnt Hans Peter Sessner in dem Stadtteil. In dieser Zeit habe die Zahl an Autos, die auf und in den Straßen von Pattonville abgestellt werden, extrem zugenommen, sagt er. Auf Einfahrten, Einmündungen und andere Bereiche werde keine Rücksicht genommen. „Bei einem Notfall wird die Anfahrt der Rettungsfahrzeuge durch auf den Straßen parkende Fahrzeuge sehr erschwert“, meint Sessner. Wertvolle Zeit für die notwendigen Rettungsmaßnahmen verstreiche.

Vollzugsdienste kontrollieren regelmäßig

Hans Peter Sessner ist der Ansicht, dass der Vollzugsdienst häufiger in Pattonville kontrollieren und Falschparker sanktionieren müsste. Er hält es zudem für eine gute Idee, das Abstellen nur mit Bewohnerparkausweisen zu erlauben. Letzteres würde verhindern, dass auch Firmenfahrzeuge und Autos von Pendlern oder anderen Ortsfremden auf den Straßen abgestellt werden, erklärt er. Seine Vorschläge und Warnungen an die Verwaltungen von Kornwestheim und Remseck seien bisher jedoch ohne Erfolg geblieben.

Beide Städte teilen auf Nachfrage mit, dass die jeweiligen Streifendienste regelmäßig in Pattonville unterwegs sind. „Im Vergleich zu anderen Bereichen in Kornwestheim kann der Gemeindevollzugsdienst keine vermehrten Verstöße feststellen“, schreibt die Pressestelle in Kornwestheim. Auf der Remsecker Seite werden ebenfalls nicht überdurchschnittlich oft Verstöße wie das Blockieren von Rettungswegen festgestellt, heißt es aus dem dortigen Rathaus.

Für den Notfall viel Schlauchmaterial dabei

Matthias Häußler, Kommandant der Feuerwehr Kornwestheim, hält die Parksituation in Pattonville zwar dennoch für schwierig, bei besagtem Brand sei es allerdings kein großes Problem gewesen, an das Feuer heranzukommen. In vielen Fällen sei es nicht notwendig, mit der Drehleiter direkt ans Gebäude zu gelangen. „Wir haben immer genügend Schlauchmaterial dabei“, erklärt Häußler. Damit können die Wehrleute eine Strecke von bis zu 300 Metern überwinden.

Häußler erinnert sich an einen Brandfall vor acht bis neun Jahren in der Ulrichstraße, bei dem ein Falschparker den Einsatz massiv behindert hat. „Wenn wir an einer Stelle nicht vorankommen, dann rufen wir die Polizei und dann bleibt es nicht bei einem Strafzettel“, sagt Häußler.

Engstellen werden abgefahren

Ortskenntnisse sind für die Fahrer des Löschtrupps von großer Wichtigkeit. Um zu wissen, wo es schwierige Verkehrsverhältnisse wie Baustellen gibt, absolvieren sie im Rhythmus von nur wenigen Wochen Bewegungsfahrten. „Bei den Übungen fahren wir auch Engstellen an“, sagt Häußler. Oft sei es bei Einsätzen dann so, dass ein kleineres Fahrzeuge vorneweg fährt, um die nachrückenden Kräfte zu leiten, erklärt der Kommandant.

Dennoch sind die Falschparker für die Kornwestheimer Feuerwehr ein Dauerthema. Mit dem Vollzugsdienst stehen die Wehrleute in regem Austausch. Zum Beispiel in der Nähe des Stadions fallen die Falschparker den ehrenamtlichen Löschkräften immer wieder ins Auge.

Kommandant wünscht sich mehr Rücksicht

Auch in Ludwigsburg arbeiten die Feuerwehr und der Vollzugsdienst eng zusammen, um auf Bereiche, in denen oft falsch geparkt wird, aufmerksam zu machen. Seit den 1970er Jahren ist Hans-Peter Peifer für die Feuerwehr im Einsatz. Er ist inzwischen stellvertretender Kreisbrandmeister und Kommandant der Ludwigsburger Wehr. „Es hat schon oft Situationen gegeben, in denen es eng gewesen ist“, sagt er. In der Regel wissen sich die Einsatzteams zu helfen. „Irgendwie schaffen wir es dann doch.“

Nichtsdestotrotz ärgern die Falschparker den Kommandanten sehr. „Wenn wir viele Schläuche nutzen müssen, entsteht ein Zeitverzug“, erklärt Peifer. In etlichen Teilen der Barockstadt gibt es Stellen, an denen es Falschparker den Einsatzkräften schwermachen. Auch die Tatsache, dass Hydranten nicht blockiert werden dürfen, werde immer wieder ignoriert. Peifer wünscht sich von den Autofahrern mehr Rücksichtnahme und ein Bewusstsein dafür, dass sie die wichtige Arbeit der Einsatzkräfte behindern.

Nicht immer sind jedoch die Autofahrer schuld, wenn es für die Feuerwehrleute eng wird. Enge Gassen in den historischen Ortskernen von Städten wie Ludwigsburg und Marbach stellen sie immer wieder vor Herausforderungen. „Das Problem Engstelle haben wir überall im Landkreis“, sagt Peifer.

Nicht nur eine Ordnungswidrigkeit

Strafen
 Wer sein Auto an einer Engstelle abstellt und den Weg von Rettungsfahrzeugen wie Krankenwagen und Feuerwehrautos blockiert, muss mit einem Bußgeld von 100 Euro und einem Punkt rechnen. Wenn durch die Zeitverzögerung wegen des Falschparkens ein Mensch gesundheitlich zu Schaden kommt oder stirbt, handelt es sich nicht mehr um eine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat. Dann muss sich der Falschparker womöglich vor Gericht wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

Flugblatt
 Für Autofahrer, die mit ihren Fahrzeugen die Durchfahrt der Rettungsdienste blockieren, hat die Feuerwehr Ludwigsburg ein Flugblatt erstellt. Es enthält drei Bitten: „Parken Sie nie in einer Kurve, gegenüber einer Einmündung, im Halte- und Parkverbot oder auf gesperrten Flächen. Halten Sie eine Mindestdurchfahrtsbreite von drei Metern ein. Bedenken Sie, dass Einsatzfahrzeuge mehr Platz benötigen als Ihr Pkw.“

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