Fasten im Selbstversuch Von Ökostrom, Stoßlüften und Treppensteigen

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In Woche zwei des Klimafasten-Selbstversuchs unserer Redakteurin dreht sich alles ums Energiesparen. Wie war das noch mal mit dem Stoßlüften? Und wie viel Energie verbraucht eigentlich ein Smartphone?

Woche zwei des Klimafastens: Strom sparen Foto: dpa-Zentralbild
Woche zwei des Klimafastens: Strom sparen Foto: dpa-Zentralbild

Waiblingen - Es ist ein gutes Gefühl, die Liste der Fastenbroschüre zu sehen und in Gedanken gleich mal ein paar Haken setzen zu können: Ökostrom? Haben wir längst. Stoßlüften? Hab ich doch schon in der Schule gelernt. Ganz so einfach ist es dann aber eben doch nicht, wenn man ein wenig genauer hinschaut.

Denn tatsächlich nutzen wir einen Stromtarif, der das Tüv-Siegel für geprüften Ökostrom trägt, was wiederum bedeutet, dass der Strom vollständig aus Anlagen regenerativer Stromerzeugung stammt. Das in der Fastenbroschüre genannte ok-power-Siegel legt aber noch strengere Kriterien an, unter anderem den „Ausschluss einer wesentlichen Beteiligung an oder erheblichen Verflechtung des Ökostromanbieters mit Atomkraftwerken, Braunkohlekraftwerken oder neuen Steinkohlekraftwerken“. Und damit wäre unser derzeitiger Stromanbieter raus, wie eine kurze Recherche ergibt.

30 Minuten lüften

Und wie war das jetzt mit dem Stoßlüften? Ich erinnere mich an rote und blaue Pfeile, mit denen wir in der Schule Luftströme aufgezeichnet haben, als es um das richtige Lüften ging: Fenster weit aufmachen, etwa fünf Minuten offenlassen, am besten für Durchzug sorgen – so weit so gut. Was mir allerdings nicht mehr bewusst war: Im Sommer sollte das Stoßlüften bis zu 30 Minuten dauern. So steht es zumindest auf der Internetseite www.co2online.de, auf die die Fastenbroschüre verweist. Dort steht auch: „Für ein gesundes Raumklima sollte in Räumen, in denen sich Menschen aufhalten, etwa alle zwei Stunden ein vollständiger Luftaustausch erfolgen. Durch das Ausatmen steigt der Anteil an Kohlendioxid in der Luft schnell an. Die Luft ist „verbraucht“, wir fühlen uns unwohl, werden müde oder bekommen gar Kopfschmerzen.“ Alle zwei Stunden – das hätte ich nicht gedacht.

Eine andere Anregung für die zweite Fastenwoche: In der Freizeit auf Fernseher und PC verzichten und sich anderweitig beschäftigen. „Super Sache, ich wollte ja ohnehin wieder mehr Bücher lesen“, denke ich mir. In der Praxis gelingt es einigermaßen, diesen Vorsatz umzusetzen – auch, weil ich in dieser Woche an drei von sieben Abenden ohnehin mit Freunden unterwegs bin. Aber was bringt das tatsächlich? Ich lasse den Vorschlag aus der Fastenbroschüre von Experten der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft für den Klimaschutz, co2online, überprüfen. Wenn man als Grundlage von vier Stunden Nutzung pro Tag ausgeht und davon einmal wöchentlich 1,5 Stunden verzichtet, kann man bei einem energieeffizienten Computer immerhin 24,8 Kilowatt-Stunden (kWh) und damit 13,3 Kilogramm CO2 pro Jahr einsparen – bei ineffizienten Altgeräten sind es bis zu 66,4 kWh und 35,6 Kilogramm CO2.

Treppensteigen für die Fitness – und das Klima?

Tablets und Smartphones verbrauchen deutlich weniger Energie (3,5 kWh und 6,1 kWh im Durchschnitt jährlich), deshalb sei das Einsparpotenzial durch einzelne Stunden Nicht-Nutzung bei ihnen zu vernachlässigen, teilen mir die Experten mit. „Allerdings sollte man auch bedenken, dass viele Anwendungen auf Datenaustausch mit der ‚Cloud’ angewiesen sind und damit zusätzlich auch Strom an anderen Orten verbraucht wird.“

Noch eine weitere Anregung habe ich umgesetzt: Treppensteigen statt Aufzugfahren. Ist eh besser für die Fitness. Aber was bringt es dem Klima? „Hier macht sich die Einsparung dann bemerkbar, wenn bei vier Fahrten am Tag das ganze Jahr auf den Aufzug verzichtet wird“, antwortet co2online. Dadurch könne den Berechnungen zufolge je nach Energieeffizienzklasse des Aufzugs eine Einsparung von 15,8 bis zu 100,6 Kilogramm CO2 pro Jahr erreicht werden. So oft habe ich den Lift zwar nicht genutzt, verzichten werde ich aber weiterhin – jeder Schritt zählt.