FDP-Mann Frank Schäffler Mit so einem lässt sich schlecht regieren

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Einer wie er hat nicht das taktische Talent eines Daniel Bahr, nicht die Härte eines Guido Westerwelle und auch nicht das Charisma eines Christian Lindner. Ihm ist das egal. Er hat seine Rolle gefunden. Vielleicht ja nur bis zum 16. Dezember, dem Tag, an dem das Ergebnis des Mitgliederentscheids bekannt wird. Aber so lange werden die da oben Angst haben. So lange wird er Löwe bleiben. Und wenn er siegt? Wenn die Großtaktiker stürzen? Dann will er bleiben, was er ist. FDP-Mitglied und Abgeordneter. "Nicht zu hoch hängen, das Ganze", sagt er. Als ob das dann noch möglich wäre.

 Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn sie ihn in der Fraktion mit Posten versorgt hätten. Aber schon bald nach seinem Einzug in den Bundestag 2005 eckte er an. Er verehrt Friedrich August von Hayek und Ludwig von Mises, österreichische Wissenschaftler, die sich der reinen Lehre des Marktes verpflichtet fühlten. Ein pragmatischer Weg wird für Schäffler schnell zum sozialistischen Experiment oder, wie der Euro, zur Planwirtschaft.

Mit so einem lässt sich schlecht regieren. Also wurde er nach der Regierungsübernahme, obwohl er mehr wollte, nur Obmann im Finanzausschuss. Und auch das gab er im Mai 2010 auf, aus Protest gegen den Eurokurs der Koalition. In der FDP-Führung atmeten sie auf. Sie hielten Schäffler für einen Spinner, der das klamme Griechenland aufgefordert hatte, Inseln zu verkaufen. Sie unterschätzten ihn. Ab da fühlte sich Schäffler nämlich frei, laut zu sagen, was er denkt. Er ist gegen Rettungsschirme, für die Privatisierung der Währung, gegen jeden staatlichen Eingriff in den Markt. Seine Sturheit machte ihn interessant. Die Marke war geprägt. Schäffler war fortan der Eurorebell. Ein Revoluzzer mit Vorliebe für Briegel und Briefmarken.

Schäffler als Prophet eines libertären Zeitalters

Für jene, die schon immer gegen den Euro waren, wurde er zur Ikone. Ein Verehrer aus Bern schaltete eine persönliche Erklärung Schäfflers im Bundestag als halbseitige Anzeige in der "Neuen Zürcher Zeitung". Sie hängt gerahmt in Schäfflers Bundestagsbüro. Er ist stolz darauf. So wie es ihm schmeichelt, dass 54 Wirtschaftsprofessoren ihn stützen. Ohne den Beifall, sagt er, hätte er nicht durchgehalten. Man kann verstehen, dass er auf jeden setzt, der ihm zujubelt. Aber klug ist das nicht.

Denn im Internet bereiten Anhänger Schäfflers einer marktradikalen Bewegung den Boden. Für sie ist Schäffler der Prophet eines libertären Zeitalters. Sie verwechseln, wie andere radikale Bewegungen, Kritik mit Zensur. Hinter jedem Widerwort vermuten sie eine Verschwörung, mindestens aber einen Philipp Rösler, der die Medien lenkt und korrumpiert und so die Masse manipuliert. Wer so denkt, siedelt sich im Untergrund an, der fühlt sich als Freiheitskämpfer, der wähnt sich im Krieg. Im Netz glauben sie, die Waffen zu finden, die sie wehrhaft machen: Facebook, Twitter, Blogs. Mit Schäffler haben sie einen Anführer gefunden. Er ist der Feldmarschall der Netzkrieger, die den Euro als Quell allen Übels bekämpfen. Sie wollen eine andere FDP - oder eine neue Partei.

Ihre Sprache ist radikal. Auf der Internetplattform "eigentümlich frei", für die Schäffler als Kolumnist arbeitet, wird er verehrt. Die Dokumentation seiner persönlichen Erklärung ist dort versehen mit der Einleitung: "Frank Schäffler auf den Spuren von Otto Wels. Eine einsame FDP-Stimme gegen das fiskale Ermächtigungsgesetz und eine Rede, die einst in den Geschichtsbüchern stehen wird." Otto Wels war jener Sozialdemokrat, der 1933 im Reichstag, die Nazischergen der SA vor Augen, den Widerstand gegen das Ermächtigungsgesetz begründete. Unter Schäfflers gut 4000 Facebook-Freunden sind einige dabei, die Fotomontagen posten. Eine zeigt Angela Merkel grinsend in SS-Uniform vor dem Tor des Vernichtungslagers Auschwitz. Darüber der Schriftzug: "Euro macht frei". Man findet so was schnell, wenn man es finden will.




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