Der FDP-Chef Christian Lindner wirkt nach dem Erfolg bei der Bundestagswahl orientierungslos, meint unser Berliner Korrespondent Norbert Wallet.

Berliner Büro: Norbert Wallet (nwa)

Berlin - FDP-Chef Christian Lindner hat in letzter Zeit viel erreicht. Er hat eine Partei, die 2013 achtkantig aus dem Bundestag geflogen ist, mit neuem Profil, neuem Selbstbewusstsein und neuem Kampfgeist ausgestattet und die Rückkehr ins Parlament geschafft. Das ist aller Ehren wert. Nicht jeder hätte ihm das zugetraut.

 

Nun aber zeigt sich, dass der Überlebenskampf ganz andere politische Tugenden erfordert als der parlamentarische Alltag. Nach dem Wahlerfolg agiert Lindner erstaunlich orientierungslos. Erst lässt er die Jamaika-Gespräche platzen, ohne der Öffentlichkeit – aller schauspielerisch durchaus beeindruckenden Inszenierungen zum Trotz – einen plausiblen Grund dafür liefern zu können. Nachdem er dann wochenlang bemüht war, die Angst vor der Übernahme von Regierungsverantwortung als Anwandlung liberaler Prinzipientreue zu verkaufen, kommt nun eine weitere spektakuläre Lindner-Volte. Plötzlich kann er sich das Regieren doch wieder vorstellen. Ganz gleich in welcher Konstellation: Jamaika, Union, SPD – die FDP ist wieder für alles offen. Aber Neuwahlen müsse es vorher geben. So viel zur Prinzipientreue. Tatsächlich reagiert der Parteichef nur auf die massive Kritik vor allem aus der Stammwählerschaft. Christian Lindner will die FDP regierungsfähig halten, aber dieser Schwenk wirkt nur lächerlich.