Feinstaub in Stuttgart Erster Alarm brachte noch keine Überschreitung

Von Konstantin Schwarz und Nora Chin 

Die Nachrüstung von Bussen für bessere Stickoxidwerte ist möglich, neue Filter werden getestet. Bei einem Versuch in Osnabrück ergaben sich beeindruckende Erfolge. Verkehrsminister Hermann fordert deshalb die Zulassung.

Die Stuttgarter Straßenbahnen erproben neue Antriebskonzepte, haben aber auch noch alte Euro-3-Busse in Betrieb. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Die Stuttgarter Straßenbahnen erproben neue Antriebskonzepte, haben aber auch noch alte Euro-3-Busse in Betrieb. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Die erste Feinstaub-Alarmwoche des Jahres 2018 hat in der Landeshauptstadt noch keine Überschreitung beim relevanten Tagesmittelwert (50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft) ergeben, allerdings kratzen die Werte am Dienstag und Mittwoch mit 48 Mikrogramm ganz knapp an der Marke.

2017 hatte die Landesanstalt für Umwelt und Messungen (LUBW) bis zum 12. Januar bereits drei Überschreitungstage erfasst, darunter den Spitzenwert am 1. Januar – Folge des Silvester-Feuerwerks – mit 195 Mikrogramm.

Die am Dienstag für die Autofahrer ausgerufene Warnung samt Aufruf zum Umstieg auf Bus und Bahn behält die Stadtverwaltung auch über das Wochenende bei, denn der Deutsche Wetterdienst prognostiziert bis einschließlich Montag einen eingeschränkten Luftaustausch. Noch in diesem Monat wird damit gerechnet, dass die EU nun die bereits für Dezember avisierte Klage wegen ständiger Überschreitungen der Grenzwerte beim Europäischen Gerichtshof einreicht.

Zehn Fakten zum Feinstaub sehen Sie in unserem Video:

Behörden und Firmen bemühen sich, nicht nur die Feinstaub-, sondern auch die hohen Stickstoffdioxidwerte zu senken. Sie stammen zu einem großen Teil aus der ­Dieselverbrennung. Durch die Nachrüstung von Euro-5-Bussen wäre zum Beispiel eine Reduzierung dieser Emissionen um über 90 Prozent möglich. Im August 2016 war ein mit einem SCR-System der Firma HJS nachgerüsteter MAN-Bus in Osnabrück im Realbetrieb mit deutlichen Verbesserungen aufgefallen. Im Oktober 2017 ging er bei 14,5 statt 25,4 Grad Durchschnittstemperatur erneut auf Versuchsfahrt. „Die bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass mit einer Hardware-Nachrüstung von Stadtbussen eine beeindruckende Senkung der Schadstoffe möglich ist“, sagte Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Der Bund müsse daher die Zulassung klären. Bei den Stuttgarter Straßenbahnen sind keine Euro-5, aber noch rund 65 Euro-3-Busse im Einsatz. Sie sollen bis Mitte 2020 ersetzt sein. Außerdem fahren 111 so genannten EEV-Busse, einer Norm zwischen Euro 5 und 6, die bereits über einen SCR-Kat mit Harnstoffeinspritzung und Partikelfilter verfügten, so SSB-Sprecherin Brite Schaper. Grundsätzlich seien Nachrüstungen ohne einen gesicherten Rechtsrahmen nicht möglich.

Filtertechnik wird erprobt

Den Kampf gegen Feinstaub hat auch das Ludwigsburger Unternehmen Mann + Hummel aufgenommen. In einem Versuch erprobt der Filterspezialist neue Techniken und propagiert das „feinstaubfressende“ Auto. Seit Januar sind drei Hybridfahrzeuge am Neckartor und auf anderen Straßen im Raum Stuttgart unterwegs – mit großen Filtern auf dem Dach, die Feinstaub aufnehmen sollen, Innenraumfiltern, die zusätzlich Stickstoffdioxide aus der Luft holen sollen, und einem Filter, der den Abrieb in unmittelbarer Nähe der Bremsscheibe aufnehmen soll. Das Unternehmen erwartet, dass 2019 Autos mit den Filtersystemen vom Band rollen könnten.