Feinstaub in Stuttgart Wann kommt der erste Alarm?

Von  

An diesem Freitag beginnt wieder die Feinstaub-Saison in Stuttgart. Bis Mitte April kann die Stadt dann Alarm auslösen, wenn die Luft zu schlecht wird. Und ein Wetterwechsel in diesen Tagen erhöht die Wahrscheinlichkeit dafür.

Der letzte Feinstaubalarm im Kessel war am 11. April 2016. Foto: dpa
Der letzte Feinstaubalarm im Kessel war am 11. April 2016. Foto: dpa

Stuttgart - Am diesem Freitag beginnt in Stuttgart wieder die Feinstaub-Saison – und damit die Frage: Wann bittet die Stadt die Autofahrer wieder, ihren Wagen stehen zu lassen und auf Bus und Bahn umzusteigen? Vieles spricht dafür, dass der Alarm nicht lange auf sich warten lassen wird – trotz der vielen Maßnahmen der Stadt.

Zumindest noch bis Ende dieser Woche sei kein Feinstaubalarm zu erwarten, sagt Uwe Schickedanz, der Leiter der Stuttgarter Niederlassung des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Von hier bekommen die Stadt und das Umweltlandesamt einen speziell auf Stuttgart zugeschnittenen Wetterbericht mit dem Schwerpunkt auf die Austauschmöglichkeit der Atmosphäre. Ist die nämlich stark eingeschränkt, löst die Stadt mit zwei Tagen Vorankündigung den Feinstaubalarm aus.

Bislang war die Luft recht sauber

Aktuell sehe es noch gut aus: mit einem Feinstaubwert von 21 Mikrogramm pro Kubikmeter sei die Luft in Stuttgart in den vergangenen Tagen „für herbstliche Verhältnisse recht sauber“ gewesen, sagt Schickedanz. Das könne sich aber genauso schnell ändern wie das Wetter. Gerade im Laufe dieser Woche drohe eine Wetterumstellung, so dass der Wind nicht mehr aus dem kühlen Norden, sondern aus dem Südosten komme. „Dann wird es deutlich milder“, sagt Schickedanz. Das freue die Menschen einerseits, andererseits sei bei wolkemlosen Himmel und langen Nächten auch die Gefahr einer Inversion gegeben.

Dieses metereologische Fremdwort beschreibt das, was die Verantwortlichen bei der Stadt in punkto Feinstaub am meisten fürchten: die Luft am Boden ist kälter als in den oberen Schichten. Wie ein „Deckel auf einer Pfanne“ legten sich dann wärme Luftschichten über den Kessel und verhinderten einen Luftaustausch, erklärt Schickedanz. Die Folge: Feinstaub und andere Schadstoffe kommen nicht durch und häufen sich an, bis die Grenzwerte überschritten sind. Prognostiziert der DWD an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein solches stark eingeschränktes Austauschvermögen der Atmosphäre, löst die Stadt den Alarm aus – mit dem Ziel, zu verhindern, dass die Grenzwerte überschritten werden.

Es ist mit mehr Alarmen zu rechnen

Schickedanz geht davon aus, dass es frühestens Anfang der nächsten Woche einen Feinstaubalarm geben könnte. Bei der Stadt will man sich überhaupt nicht festlegen. Dort verweist man auf die verbesserte Kommunikation des Alarms, jetzt auch via Whatsapp-Messenger und Widgets, kleinen Anzeigen, die Unternehmen auf ihre Homepage oder ihr Intranet packen können. Außerdem sollen bis zum Sommer 2017 14 so genannte Vario-Tafeln an markanten Stellen in der Stadt aufgestellt werden, die auf den Alarm hinweisen. Eine erste Tafel steht bereits an der Heilbronner Straße stadtauswärts.

Die Stadt bemüht sich, ihre Erfolge im Kampf gegen den Feinstaub hervorzuheben – so seien 2016 sowohl die Überschreitungen beim Feinstaub als auch jene bei den Stickoxiden im Vergleich zum selben Zeitraum im vergangenen Jahr zurückgegangen. Jedoch ist zu erwarten, dass es in in dieser Feinstaub-Saison zu mehr Alarmen kommen wird als in der Phase zwischen Januar und April 2016. Damals löste die Stadt insgesamt fünf Mal den Alarm aus – mit mäßigen Erfolg, was den Rückgang der Autofahrer anging.

Der Kriterienkatalog ist diesmal schärfer

Dieses Mal hat die Stadt zusammen mit dem DWD, der Landesanstalt für Umwelt, dem Verkehrsministerium und dem Regierungspräsidium Stuttgart einen noch schärferen Kriterienkatalog entwickelt. Damit ein Alarm ausgelöst wird, reicht es nun bereits, wenn die Feinstaubkonzentration an der Messstation Neckartor mehr als 30 Mikrogramm beträgt und es nicht regnet. Das war auch schon an diesem Montag fast der Fall: die Konzentration betrug laut Messungen der Landesanstalt für Umwelt 29 Mikrogramm.

Wer also auf möglichst wenige Feinstaubalarme in der Stadt hofft, muss sich schlechtes Wetter wünschen: Regen wäscht den Feinstaub aus der Luft, Wolken und Wind sorgen für bessere Luftzirkulation. Der DWD-Experte Schickedanz kommentiert süffisant: „So bekommt winterliches Regenwetter auch wieder einen gewissen Charme.“

Lesen Sie hier alle wichtigen Fragen zum Thema Feinstaubalarm und was Unternehmen wie Porsche für diesen Fall für ihre Mitarbeiter vorgesehen haben.

Sonderthemen