Feinstaubsaison in Stuttgart Daimler, Porsche & Co bereiten sich vor

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Am Wochenende hat die neue Feinstaubalarm-Saison in der Landeshauptstadt begonnen. Auch die Beschäftigten der großen Autobauer und Zulieferer in der Region Stuttgart müssen sich auf Einschränkungen einstellen. Ihre Arbeitgeber unterstützen sie dabei.

Bei schadstoffträchtigen Wetterlagen kann die Stadt Stuttgart zwischen dem 15. Oktober und dem 15. April kommenden Jahres Autofahrer dazu aufrufen, das Auto freiwillig stehen zu lassen. Foto: dpa
Bei schadstoffträchtigen Wetterlagen kann die Stadt Stuttgart zwischen dem 15. Oktober und dem 15. April kommenden Jahres Autofahrer dazu aufrufen, das Auto freiwillig stehen zu lassen. Foto: dpa

Stuttgart - Am Samstag hat die zweite Feinstaubalarm-Periode begonnen. Zwischen dem 15. Oktober und dem 15. April kommenden Jahres kann die Stadt Stuttgart die Autofahrer an Tagen mit zu hohen Feinstaubwerten dazu aufrufen, ihren PKW freiwillig in der Garage stehen zu lassen und auf alternative Beförderungsmittel umzusteigen. Auslösen mussten die Verantwortlichen im Stuttgarter Rathaus den Alarm bisher noch nicht. Auch für die kommenden Tage rechnen Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wegen der günstigen Wetterlage nicht damit, dass die Grenzwerte überschritten werden. Niederschlag wasche die Atmosphäre rein und spüle den Feinstaub weg.

Sobald der Alarm ausgelöst wird, gestehen die großen Autobauer und Zulieferer in der Region ihren Mitarbeitern unterschiedliche Erleichterungen zu. Am weitesten geht Porsche. Die rund 8500 Beschäftigten des Sportwagenbauers in Stuttgart und der Region können bei künftigen Feinstaubalarmen kostenlos mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren (wir berichteten). Ihr Mitarbeiterausweis gilt in solchen Fällen als VVS-Ticket. Wer bereits eine Monats- oder Jahreskarte hat, soll im kommenden Jahr einen Bonus als Ausgleich erhalten.

Keine Testfahrten mit Verbrennungsmotoren im Stadtgebiet

Der Sportwagenbauer selbst vermeidet im Tagesbetrieb so viele Fahrtwege wie möglich. „So setzen wir beispielsweise den Städtepart in Stuttgart bei den Dauertestläufen unserer Fahrzeuge für die Dauer des Feinstaubalarms aus“, sagt ein Porsche-Sprecher. „An diesen Tagen sind wir lediglich mit unseren Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen unterwegs, die dann während der Fahrt durch die Stadt im Elektromodus laufen.“ Auch Konkurrent Daimler hat bereits bei vergangenen Feinstaub-Phasen angeordnet, dass keine Testfahrten mehr innerhalb Stuttgarts durchgeführt werden durften. „Das wird auch in Zukunft so sein“, teilt ein Sprecher mit.

Daimler informiert seine rund 80 000 Mitarbeiter in der Region an Alarmtagen vorab per E-Mail und empfiehlt ihnen, auf andere Verkehrsmittel umzusteigen oder Fahrgemeinschaften zu bilden, erklärt ein Sprecher des Autobauers. Viele Mitarbeiter könnten darüber hinaus von der in diesem Sommer erweiterten Regelung zum mobilen Arbeiten Gebrauch machen: „Damit wird die bereits bestehende Möglichkeit für Daimler-Beschäftigte, mobil oder von zu Hause zu arbeiten noch weiter gestärkt und gefördert“, so der Sprecher. Wenn sie dennoch ins Büro kommen wollen, profitieren die Beschäftigten – wie alle anderen Nutzer der Daimler-Mobilitätsdienste Moovel und Car2Go – an Tagen mit schadstoffträchtigen Wetterlagen von vergünstige Konditionen etwa bei der Miete von E-Smarts, Mieträdern sowie bei Stadtbahn-, Bus- und S-Bahn-Tickets.

Zufallsgenerator entscheidet, ob die Fahrt kostenlos ist

Erstmals erhalten die Nutzer der Mobilitätsplattform Moovel die Chance, bei Feinstaubalarm kostenfrei mit Bus und Bahn im VVS-Gebiet zu fahren: Ein Zufallsgenerator entscheidet für jeden Kauf, ob Moovel die Kosten für die VVS-Tickets übernimmt. Die Wahrscheinlichkeit, komplett umsonst zu fahren, liege bei 50 Prozent, heißt es in einer Mitteilung der Moovel-Mutter Daimler Financial Services. Direkt nach Buchung werde dem Nutzer per Push-Nachricht und in seiner Rechnung angezeigt, ob die Buchung kostenfrei war.

Bosch verweist auf die Möglichkeiten zur mobilen Arbeit: „Vor allem unsere Beschäftigten in der Verwaltung – sofern es ihre betriebliche Aufgabe zulässt – können selbst entscheiden, an welchem Arbeitsort und zu welcher Zeit sie arbeiten, etwa von zu Hause aus.“ Der Zulieferer biete seinen Mitarbeitern mehr als 100 Arbeitszeitmodelle von Home Office über Job Sharing bis Teilzeit in unterschiedlichem Stundenumfang. Meetings könnten an Feinstaub-Tagen verstärkt als Telefon- oder Videokonferenzen abgehalten werden. Darüber hinaus würden viele Mitarbeiter an den betreffenden Tagen Gleitzeitregelungen in Anspruch nehmen, um die Stoßzeiten des ÖPNV zu umgehen. Über eine Mitfahrbörse im Intranet lassen sich Fahrgemeinschaften organisieren. Bosch beschäftigt am größten Standort Feuerbach 12 500 Mitarbeiter, in der gesamten Region Stuttgart sind es mehr als 33 000.