Felderrundfahrt in Stuttgart-Weilimdorf Auch Linsen gedeihen auf dem kargen Boden

Von Georg Friedel 

Bei der Felderrundfahrt chauffierten die Landwirte rund 80 Teilnehmer entlang der Äcker und Wiesen. Unterwegs informierten sie über den Stand von Obst und Feldfrüchten. Auch das geplante Stadtbahn-Depot und der Trassenverlauf waren Themen.

Bei der Tour durch die Felder  ging es  um den Verlauf der künftigen SSB-Trasse  entlang der B 295. Gleichzeitig informierten die Bauern, wie es um die Ernte bestellt ist. Foto: Georg Friedel
Bei der Tour durch die Felder ging es um den Verlauf der künftigen SSB-Trasse entlang der B 295. Gleichzeitig informierten die Bauern, wie es um die Ernte bestellt ist. Foto: Georg Friedel

Weilimdorf - Erfahrene Teilnehmer an der Rundfahrt entlang Weilimdorfs Felder wissen, auf was es heute Nachmittag ankommt. Wer auf einen der Traktoranhänger steigt, um sich auf Heuballen sitzend in der prallen Juni-Sonne mehrere Stunden herumkutschieren zu lassen, der sollte gut „behütet“ sein. Ein Strohhut oder Kappe ist bei dieser intensiven UV-Strahlung Gold wert. Die eine oder andere Mitfahrerin klappte sogar ihren eigens mitgebrachten Schirm aus, eine weise Vorsichtsmaßnahme, ansonsten bekam man die Folgen der hochsommerlichen Mittagshitze bei der Landpartie irgendwann später zu spüren.

Flächenbedarf für die SSB-Trasse soll gering gehalten werden

Sobald die rund 80 Mitfahrenden auf den vier Anhängern Platz genommen hatten, ergriff Konrad Ritz, der Ortsobmann der Weilimdorfer Landwirte, das Wort. Natürlich spielte der Standort für den geplanten neuen Betriebshof der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) an der Gemarkungsgrenze zu Ditzingen und die Streckenführung, die an manchen Stellen den Weilimdorfer Landwirten etwas Fläche kosten wird, eine Rolle bei der Rundfahrt. Aber SSB-Vertreter Jochen Rowas versprach: Der Feldweg entlang der B 295 werde in weiten Teilen nicht angetastet. „Erst dort, wo die B 295 und das Gelände immer mehr zusammenkommen und die Böschung immer geringer wird, müssen wir ausfädeln und in das Gelände rein“, betonte der SSB-Vertreter. Die zukünftige Trasse zum Depot verläuft phasenweise parallel zur B 295. Der Hangbereich hinunter zur Bundesstraße wird dafür in Anspruch genommen. Man wolle das Projekt hinsichtlich des Flächenverbrauchs so gering wie möglich halten. „Wir steigen jetzt in die Detailplanung ein.“ Angepeilt sei, dass der neue SSB-Betriebshof 2025 fertiggestellt sein soll, so Rowas.

Bald soll es Linsen aus Weilimdorf geben

Die vier Bauern aus Weilimdorf – Konrad Ritz, Christian Hörnle, Thomas Rentschler und Thomas Ludmann – ernteten Zuspruch für ihre Arbeit. Konrad Ritz baut neuerdings auf dem kargen Mergelboden nahe seinem Hof neben verschiedenen Getreidesorten auch Hülsenfrüchte an. Und die Linsen scheinen gut zu gedeihen. Momentan sehe es auch beim Getreide ganz gut aus, sagte Ritz, der insgesamt 67 Hektar Ackerfläche bewirtschaftet. Doch nach dem verheerenden Dürrejahr 2018 will er noch keine Prognose abgeben, es kommt nun auf das Wetter der kommenden Wochen an. Sorgen bereiten dem Obmann auch die Preisentwicklung am Weltmarkt. Stark betroffen ist in diesem Jahr zum Beispiel der Zuckerrüben-Anbau. „Die Preise sind in den Keller gerasselt, ob sie sich erholen, weiß man nicht“, sagte Ritz.

Die Himbeer-Ernte fiel wegen dem Nachtfrost im Mai gering aus

Nicht so gut waren die Klimabedingungen für einige der Kulturen und Sorten, die Christian Hörnle auf seinem Obsthof anbaut. Bereits im April sei es so trocken wie im Sommer gewesen, berichtete er. Dann kam der zweiwöchige Kälteeinbruch im Mai: Bei den Himbeeren war der Ertrag sehr gering, Kirschen gibt es dagegen reichlich. Die Erdbeeren litten unter der Hitze. Um sie zu schützen, wurden Schattierungsnetze eingesetzt. Gleichzeitig gaben die Bauern den Teilnehmern einen detaillierten Eindruck, wie schwierig es heutzutage ist, Landwirtschaft zu betreiben.

Sträucher, Hecken und Äste ragen in die Feldwege hinein

Kreuz und quer ging die Fahrt durch Feld und Flur. Die eher kleinteilige Mischung aus Äckern, Feldern, Obstplantagen und auch Privatgärten bringt zwar ökologische Vorteile, macht die alltägliche Arbeit keinesfalls leichter. Was sie zusätzlich erschwert, sind die nicht zurückgeschnittenen Sträucher, Hecken und Äste entlang der Wirtschaftswege. An einigen Stellen ist da für die Landwirte mit ihren großen Erntemaschinen nur noch schwerlich ein Durchkommen möglich: „Schauen Sie mal, wie weit das in den Weg reinwächst“, machte der Senior-Obstbauer Ulrich Hörnle die anwesenden Vertreter der Stadtverwaltung auf das Problem aufmerksam und seinem Ärger Luft.

Fazit der Weilimdorfer Felderrundfahrt: In Zeiten wie diesen wird es für die Landwirte durch Preisverfall, Klimawandel, Extremwetterlagen und anderen Probleme zunehmend schwierig, ihre Betriebe zu erhalten.

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